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23.06.2000 - 

CA und der alte Verdacht, ein Übernahmeopfer auszuschlachten

Sterling Software - neue Perle in der CA-Schatzkiste?

MÜNCHEN - Die im Februar angekündigte Übernahme von Sterling Software durch Computer Associates (CA) sorgte in der Fachwelt und sicher auch bei den Sterling- und CA-Kunden für Aufsehen. Denn obwohl die bis dato größte Akquisition in der Geschichte der Softwarebranche nach den Aussagen der Öffentlichkeitsarbeiter beider Firmen eine Liebesheirat sein sollte, blieben bis heute einige Fragen offen.Von Dieter Bode*

CAs President and Chief Operating Officer Sanjay Kumar war auf der diesjährigen CA-Anwenderkonferenz im April sichtlich bemüht, die Bedenken vieler Experten im Zusammenhang mit der jüngsten Neuerwerbung zu zerstreuen. Während vor 25 000 Kunden und Geschäftspartnern in New Orleans die Neupositionierung des Unternehmens zum Anbieter von "E-Business-Lösungen" gefeiert wurde, gab der CA-Lenker einen Einblick in den Fahrplan, was die Verschmelzung beider Produktwelten angeht.

Demnach will man sich bei der technischen Integration zwar Zeit lassen; aber die Rolle von Sterling Software als "strategische Ergänzung" des eigenen Portfolios im Bereich Netz- und Speicher-Management wurde nicht nur mit hehren Worten, sondern auch mit konkreten Aussagen untermauert. So sollen unter anderem Sterlings Speicher-Management-Produkte "Alexandria", "Lifeguard" und "Vantage" sowie die Automatisierungs-Lösung "Solve Operations" in die CA-System-Management-Plattform "Unicenter" integriert werden. Gleiches gilt für die NetzManagement-Tools "Solve Netmaster SNA" und "Solve Netmaster TCP/IP". Vor allem aber dürften es die für besagte E-Business-Ausrichtung von CA so dringend benötigten Tools zur XML-Unterstützung sein, die Sterling Software in Form seiner Suite "Cool" mit in die Ehe brachte und mit deren Hilfe CAs groß angekündigte Server-Software beziehungsweise Integrationsplattform "Jasmin ii" künftigen Kunden als Instrument zum Aufbau ihrer B-to-B-Aktivitäten schmackhaft gemacht werden soll.

Straft CA sein bisheriges Image, Wettbewerber aufzukaufen, deren Produkte aber weitgehend sterben zu lassen, um die eigenen Lösungen den neu hinzugewonnenen Kunden über kurz oder lang aufzuoktroyieren, damit Lügen? Einiges spricht dafür, aber nicht alles. Mehr als 80 Firmen hat die Company in ihrer Geschichte bis dato geschluckt und sich dabei in den wenigsten Fällen Freunde gemacht. Jetzt reden zumindest die meisten Experten einer weitgehend komplementären Produktpalette das Wort. Auch Sanjay Kumar sprach auf der CA-World geradezu mit Engelszungen von den "strategischen Dimensionen" des Mergers - ein Attribut, das er übrigens auch für den Kauf von Platinum im vergangenen Jahr bemühte.

Sterling Software hatte jedenfalls - auch das dürfte ein interessanter Aspekt sein - keine finanziellen Gründe, unter das Dach von CA zu schlüpfen. Die Umsätze im Geschäftsjahr 1999 betrugen 807 Millionen Dollar, der Nettogewinn erreichte 143,7 Millionen US-Dollar. Die Kriegskasse war also gut gefüllt für weitere Akquisitionen von Softwarefirmen, die mit ihren Produkten zur Sterling-Familie passten. Vielen Beobachtern war aufgrund der traditionell verhaltenen Informationspolitik des Unternehmens ohnehin nicht geläufig, dass die Company in Sachen Expansion auch nicht unbedingt zurückhaltend agierte.

Immerhin brachte man es seit 1982 auf 36 Firmenkäufe. Erst im September vergangenen Jahres hatte sich Sterling die Web-basierenden Business-Intelligence-Lösungen "Eureka" mit der Übernahme von Information Advantage einverleibt. Und noch im Januar wurde die Übernahme von Retrieve, einem Spezialisten für Storage Area Networks (SANs) gefeiert. Diese Software soll nun mit der Sicherheits-Suite "E-Trust" von CA verbunden und dann in das Unicenter-Framework eingebunden werden.

Doch zurück zu den möglichen Verkaufsmotiven des Sterling-Managements. President und CEO Sterling Williams hatte noch Mitte Februar erklärt: "Die Fusion wird sich sowohl auf die Kunden als auch auf die Mitarbeiter beider Unternehmen sehr positiv auswirken, da den Kunden hochentwickelte Lösungen und Dienstleistungen angeboten und den Mitarbeitern neue, attraktive Karrieremöglichkeiten eröffnet werden." Das war natürlich bloßes Marketing-Geschwätz, wie es bei jedem Merger leider üblich ist. In Beraterkreisen wird indes die Vermutung ausgesprochen, dass Williams die Zukunftsperspektiven seiner Company doch nicht mehr ganz so rosig gesehen hat und deshalb Kasse machen wollte.

Richtig dürfte in jedem Fall sein, dass der Sterling-Boss und -Gründer sowie seine beiden Vorstandskollegen und Mitbegründer Sam Wyly und Charles Wyly jr. in ihren Familien offenbar keine geeigneten und am Softwaregeschäft interessierten Nachfolger haben. Da liegt es nahe, daß die "Oldies" ihre alten Tage noch genießen wollen.

Natürliche Erbfolge bei Sterling gescheitertZwar stieg eine Nichte von Williams über nahezu zehn Jahre im Management auf und wurde von Insidern als kommende Firmenchefin angesehen. Für eine "natürliche" Erbfolge hat es jedoch offenkundig nicht gereicht.

Unabhängig davon werden ehemalige Sterling-Software-Kunden die vollmundigen Aussagen zur Zukunft der vereinten Software-Giganten eher mit gemischten Gefühlen bewerten. Bis jetzt läuft das Geschäft - vor allem in Deutschland - zwar wie gewohnt weiter. Die Kundenbetreuung wird, wie man bei der früheren hiesigen Sterling-Dependance versichert, unverändert durchgeführt. Viele Anwender hatten sich aber bewußt für das Unternehmen entschieden, um nicht neben IBM von einem weiteren Giganten gegängelt zu werden. Eine aktuelle Kundenbefragung des Marktforschungsunternehmens Ovum bei Anwendern, die Sterling-Lösungen einsetzen, stellte eine außerordentliche Kundenzufriedenheit fest. Dabei hoben die Befragten die Reputation des Unternehmens, die Zuverlässigkeit der Produkte und den ausgesprochen kundenorientierten Service hervor. Besonders positiv zählte, dass Kundenwünsche für Produktverbesserungen und -erweiterungen, die diese auf den User-Konferenzen vorgetragen hatten, engagiert aufgenommen und nach Vergabe der Prioritäten für die Realisierung auch zügig in neuen Software-Releases umgesetzt wurden.

Nun mag man solche Aussagen als verkappte und einseitige Hersteller-Werbung abqualifizieren - für Zündstoff und damit viel Sand im Getriebe dürfte allemal gesorgt sein. Man kann es auch neutraler formulieren: Ob man eine Fortsetzung der alten "Sterling-Tradition" erwarten kann, ist alles andere als sicher. Seit Monaten laufen CA Deutschland wichtige Mitarbeiter im Management davon, die sich offenbar mit der beschlossenen Neugliederung in die drei Geschäftsbereiche Enterprise Management Group, Information Management Group sowie OS/390-Produkte nicht anfreunden können. Auch Sterling Software hatte nach dem Bekanntwerden der Fusion mit einem kräftigen Aderlass beim Personal zu kämpfen.

Deutsche Mitarbeiter suchen das WeiteDer frühere Geschäftsführer Peter Rasp wurde auf die nicht klar definierte Position des Vice President DEM (Distributed Enterprise Management) für den Bereich Europa II (Deutschland, Österreich, Schweiz, Italien, Frankreich und Osteuropa) weggelobt. Viele andere suchten, so Insider, mangels "klarer und gluabhafter Informationen" längst das Weite. Das würde für die sattsam bekannte ruppige Vorgehensweise von CA bei der "Integration" aufgekaufter Firmen sprechen. Die frühere Deutschland-Zentrale von Sterling Software in Düsseldorf, so viel steht zumindest fest, wird nach Auslaufen des Mietvertrags aufgegeben. Offizielle Stellungnahmen seitens des deutschen Sterling-Managements sind ohnehin nicht zu bekommen.

Keine erfreulichen Perspektiven also, die noch an Brisanz gewinnen dürften, wenn man sich weitere bereits bechlossene Maßnahmen vor Augen führt. So soll sich die eben erwähnte neue Organisationsstruktur auch auf den indirekten Vertrieb auswirken. Der so genannte Channel-Umsatz - bislang alles andere als eine Stärke von CA, weil er lediglich bei einem Anteil zwischen 25 und 28 Prozent an den Gesamteinnahmen pendelte - soll schon im kommenden Jahr auf 50 Prozent gesteigert werden.

Aber die Akquisitionen von Platinum und vor allem von Sterling Software hemmen diese Entwicklung, weil beide Firmen ihre Produkte so gut wie ausschließlich via Direktvertrieb an den Mann brachten. Zur Forcierung des indirekten Vertriebs war ursprünglich vorgesehen, die "Channel-Organisation" weltweit massiv mit Personal aufzustocken. Doch woher nehmen, wenn immer mehr der eigenen Leute von Bord gehen? Rund 20 000 zusätzliche Kunden sowie knapp 4000 Mitarbeiter, die vor allem CAs Servicemannschaft ergänzen - so war der Merger im Februar gefeiert worden. Jetzt, so scheint es, dürften bei CA einige der Verantwortlichen doch einen ziemlichen Kater haben.

*Dieter Bode ist freier Journalist in Fröndenberg.