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Abschlußbericht über Förderungs-Projekt "Kommunale Planung"


11.04.1975 - 

Steuergelder gut angelegt?

Mit einjähriger Verspätung liegt nun der Abschlußbericht über das von 1968-1973 vom BMFT geförderte Projekt "Kommunale Planung" vor. Partner in diesem Projekt waren die Stadt Köln, der Verein Datum in Bad Godesberg und Siemens - getreu dem Grundsatz, daß bei Projekten dieser Art stets ein Anwender aus der öffentlichen Verwaltung, eine wissenschaftliche Institution und eine Industriefirma beteiligt sein sollen.

Während der fünfjährigen Laufzeit erhielten die drei Projektpartner insgesamt 4,9 Millionen Mark. Siemens und die Stadt Köln hatten nur 50 Prozent Förderung. Beide mußten 1 beziehungsweise 1,1 Millionen Mark dazu beisteuern. Das heißt, das gesamte entwickelte Know-how, die Programme und der vorgelegte Bericht kosten zirka sieben Millionen Mark, einmal abgesehen davon, daß für die Überziehungszeiten vermutlich nochmals eine halbe Million dazuzurechnen ist.

Die Ergebnisse

Was hat nun eine Entwicklung für rund sieben Millionen gebracht? Ziel des Projekts war die Schaffung eines kommunalen Datenanalyse-Systems, das dem Planer erlauben sollte, alle in der Verwaltungsautomation anfallenden Daten mit Hilfe eines einheitlichen Programmsystems zu Planungszwecken auszuwerten. Bisher dienten Datenbestände ausschließlich der Bearbeitung einzelner Verwaltungsaufgaben im Einwohnerwesen, im Finanz- und Rechnungswesen, im Liegenschaftswesen. Diese Datenbestände waren für den Planer bisher kaum zugänglich und Auswertungen langwierig und teuer deswegen, weil die Analyse der Daten von einer Million Einwohnern auch auf einer großem Anlage Tage dauert. Ziel eines solchen Projekts mußte es daher sein, Daten so aufzubereiten, daß sie für den Planer transparent werden und daß sich Entscheidungshilfen für die verschiedensten planerischen Zwecke erstellen lassen.

Im Ergebnis stehen 45 Programme mit mehr oder weniger guter Dokumentation und Gebrauchsanleitung zur Verfügung. Das Verzeichnis der Programme weist drei Gruppen auf:

- Datenaufbereitungsprogramme

- Programmpaket zur kurzfristigen Wirtschaftsprognose

- Programme für demographische Verfahren.

Die Hälfte der Programme steht also für Datenaufbereitung und Analyse zu Buche. Dagegen scheint bei der Software für die Wirtschaftsprognose und bei einem Teil der Programme für die demographischen Verfahren Wissenschaftliche Grundlagenarbeit zu echter Know-how-Erweiterung geführt zu haben. Die Hälfte von sieben Millionen Mark also für Datenaufbereitungs- und Analyseprogramme, zum Beispiel Laden einer Arbeitsdatei oder Berechnung von Werten mit Hilfe der vier Grundrechenarten. Die Stadt Wuppertal hat zum Beispiel zwei standardisierte Programme eingesetzt (Kreuztab und Polis von GfS) und für ein Prozent der Kosten ca. 90 Prozent der in Köln drei Jahre später möglichen Datenanalysen durchgeführt. Ist also die Kommunikation zwischen Wuppertal und Köln so schlecht? Beide sind zudem Siemens-Anwender. Wahrscheinlich ist es einfach finanztechnisch zu schwierig, wenn man bereits eine Million investiert hat für eine nicht so elegante Lösung, 40 000 Mark aufzubringen, um vernünftiges Handwerkszeug anzuschaffen.

Skepsis gegenüber Standardprogrammen

Die Antwort liegt zu einem guten Teil in der Skepsis gegenüber Standardprogrammen, zum anderen Teil aber in der starren Handhabung des Etats. Die Etats - auch in diesem Projekt - waren im wesentlichen Personaletats plus Rechenzeit, aber es ist offenbar kaum möglich gewesen, Mittel für die Anschaffung von Hilfsmitteln - insbesondere fremde Software - bereitzustellen. Kritik also einerseits an der psychologisch verständlichen Haltung der am Projekt beteiligten Personen oder ganz allgemein: Offenbar entsteht ein Prestigeverlust, wenn man Programme nicht selber macht. Kritik aber auch an der Haltung der Finanz-Verantwortlichen, die in Strukturen der Cameralistik der preußischen Verwaltung Gelder zwar formal exakt kontrollieren, aber nicht die Einsicht und den Weitblick für die Effektivität, des Einsatzes der Mittel haben.

Diese Kritik muß insbesondere den Bundesrechnungshof treffen.

Ihm fehlt - und nur dort könnte eine solche Einrichtung sinnvoll aufgehängt sein - eine Clearing-Stelle für derartige Projekte. Nur im Vergleich mit ähnlichen Projekten, die vom Bund gefördert werden, nur im Zusammenhang mit totaler Marktübersicht ließe sich innerhalb einer solchen Stelle abklären, ob eine Neuentwicklung bestimmter Programme sinnvoll ist oder ob man nicht besser dazu rät, zu einem Bruchteil der Kosten bereits bestehende Programme zu übernehmen. Die Beiträge, in denen meist professorale Honoratioren sitzen, werden mit dieser Seite einer Projektbegutachtung nicht fertig, der Vergleich von Anwendersoftware ist eben nicht ihre Sache, sondern nur die hohe Theorie. Gerade in diesem Bereich bemüht sich die Hochschule ja immer, Anschluß zu gewinnen.

Christoph Heitz ist Diplomingenieur mit eigenem Beratungsbüro in München