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31.01.1992

Steven Jobs über Apple: Eigene Identität verloren

Auf der Nextworld Expo '92 in San Franzisko beantwortete der Next-Firmengründer einige Fragen der COMPUTERWOCHE

CW: In ihrer Präsentation sagten Sie, daß die objektorientierte Oberfläche Nextstep für andere Hardwarehersteller lizensiert werden soll. Befürchten Sie nicht, daß Ihr eigenes Hardware-Geschäft darunter leidet?

Jobs: Um Next als Unternehmen erfolgreich zu machen, ist es wichtig, Nextstep als eine Standard-Betriebssystem-Plattform zu forcieren. Wir glauben, daß die Portierung auf den Intel-486-Prozessor hierzu ein richtiger und zeitgemäßer Schritt ist. In dem Maße, in dem Nextstep vom Markt als ein Standard akzeptiert wird, werden wir mehr Next-Produkte verkaufen können - Hardware und Software.

Es gibt viele Gründe, warum Unternehmen Intel-PCs kaufen. jetzt stellen alle diese Gründe keinen Hinderungsgrund mehr dar, sich nicht auch für Next in Form von Nextstep zu entscheiden.

CW: Jeder US-Manager behauptet, daß der deutsche Markt für ihn wichtig ist. Können Sie sich mit Ihrer Aussage davon abheben?

Jobs: Nein. Gerade angesichts der Rezession in den USA und in einigen anderen Ländern werden stabile und wachsende Volkswirtschaften wie in Deutschland oder auch Japan zunehmend wichtiger. Wir freuen uns, im Geschäftsjahr 1991 Über 40 Prozent des Umsatzes in Europa und im asiatisch-pazifischen Raum erwirtschaftet zu haben. Ich gehe davon aus, daß dieser Anteil 1992 bei rund 50 Prozent liegen wird.

CW: Sie sagten, daß Sie versuchen wollen, mit Next stärker in den kommerziellen Markt einzudringen. Bekommen Sie keine Schwierigkeiten mit Apple. Es hieß, daß ein Abkommen existiert, daß Sie sich mit Next von diesem Marktsegment fernhalten.

Jobs: Ein solches Abkommen besteht definitiv nicht. Bei meinem Ausscheiden bei Apple gab es einige Sperrklauseln, wie sie in solchen Fällen üblich sind. Die Fristen für diese Klauseln sind längst abgelaufen. Sie betrafen in keinem Fall Next Computer.

Im Geschäftsjahr 1991 haben wir es erfreulicherweise geschafft, 80 Prozent des Umsatzes mit kommerziellen Kunden und Behörden zu erzielen, während gleichzeitig das Geschäft im Universitätsmarkt in absoluten Zahlen ebenfalls ausgebaut werden konnte. Ich gehe davon aus, daß sich diese Entwicklung 1992 fortsetzen wird.

CW: Was fällt Ihnen gefühlsmäßig ein, wenn Sie an Apple denken?

Jobs: Das Unternehmen hat viel an Innovationskraft verloren.

CW: Wie beurteilen Sie das Apple-IBM-Merger?

Jobs: Es ist keine Fusion, aber es mag durchaus der Beginn einer Fusion sein. Für Apple bedeutet es im Grunde den Verlust der eigenen Identität. Ob wir in vier bis fünf Jahren tatsächlich Produkte aus der Kooperation sehen und ob diese dann vom Markt akzeptiert werden, bleibt abzuwarten.

Für Next ist die Ankündigung von IBM und Apple, eine objektorientierte Betriebsumgebung entwickeln zu wollen, sehr positiv. Es unterstreicht, daß der Trend zur Objektorientierung ernstzunehmen ist. Und genau in diesem Bereich haben wir mit Nextstep derzeit einen Entwicklungsvorsprung von drei bis vier Jahren. Nextstep ist heute die einzige wirklich objektorientierte Betriebsumgebung, die der Anwender am Markt kaufen kann - für Next-Workstations oder für Intel 486-basierte PCs. Wichtig dabei: Das jüngste Release Nextstep 3.0 ist kein völlig neues Produkt, sondern basiert auf Entwicklungsarbeiten, die 1985 begonnen wurden. 1989 wurde die erste Nextstep-Version 1.0 verfügbar.

Nextstep ist also bis heute einerseits die zweifellos modernste verfügbare Betriebsumgebung, andererseits jedoch auch ein über mittlerweile mehrere Jahre hinweg ausgereiftes Produkt. Jeder weiß, das dies gerade bei Software ein wichtiger Aspekt ist.

CW: Bedauern Sie etwas, was Sie in Ihrem Berufsleben getan haben?

Jobs: Wer täte das nicht. Ich bedaure es beispielsweise, daß wir nicht schon ein fahr eher herausgefunden haben, daß die objektorientierte Umgebung Nextstep der für Next entscheidende Differenzierungsfaktor im Vergleich zum Wettbewerb ist. Auf der anderen Seite freue ich mich, daß wir es heute wissen. Und so könnte ich natürlich viele Beispiele aufzählen.

CW: Die Entwicklung von Next ist für ein junges Unternehmen normal. Nachdem hinter der Company aber Steven Jobs steht, hat die Branche aber vielleicht einen stärkeren Start erwartet. Folglich kannte es sein, daß man von Ihnen enttäuscht ist, daß es heißt: "Steven Jobs hat es nicht geschafft." Wie gehen Sie mit dieser Belastung um?

Jobs: Eine solche Bürde gibt es gar nicht. Als Next 1985 gegründet wurde, hatten wir nichts außer guten Ideen. Viele Wettbewerber und Anwender hatten damals keineswegs hohe Erwartungen, sondern vielmehr vermutet, daß wir es Oberhaupt nicht schaffen würden, Mit Produkten auf den Markt zu kommen. 1988 haben wir die ersten Produkte vorgestellt, Nextstep wurde 1989 marktverfügbar. Mit anderen Worten, wir sind jetzt zwei bis drei Jahre im Geschäft. Für diesen Zeitraum sind 127 Millionen Dollar Umsatz, eine gute Zahl.

Im übrigen haben wir das Glück, mit Canon und Ross Perot Investoren zu haben, die die Ziele von Next vollauf unterstützen, die an Next glauben und die uns eine Starke wirtschaftliche Grundstabilität verschaffen. Ich finde, daß wir ganz, erfolgreich sind.