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Warum einfach, wenn es kompliziert geht


14.08.1998 - 

Stichtag für Euro käme den Kommunen entgegen

Der Euro bringt einer Kommunalverwaltung wenig Vorteile, verursacht dafür aber erhebliche Kosten. In einer mittelgroßen Verwaltung kommt schnell eine halbe Million Mark allein für die Software-Umstellung zusammen. Diese Belastung wiegt um so schwerer, als auch der Jahrtausendwechsel zu verkraften ist, dessen finanzielle Folgen derzeit noch völlig unklar sind.

Eigentlich könnten die Behörden ganz pragmatisch vorgehen: Da der Euro vorerst keinen konkreten Nutzen bringt, warten sie bis zum 1. Januar 2002, also bis zu dem Zeitpunkt, an dem die neue Währung als Bargeld verfügbar ist. Ab dann bräuchte die Kommunalsoftware die Mark nicht mehr kennen, da alle währungsbezogenen Angaben in Euro umgerechnet werden. Die Umstellung dürfte wie der Jahrtausendwechsel in weiten Teilen automatisierbar sein. Bedenklich ist unter Umständen eine schlecht programmierte Anwendung, in der für Rundungen und Kleinbeträge feste Werte eingestellt sind. Hier muß möglicherweise etwas Programmcode geändert werden.

Dieses relativ einfache Umstellungsszenario wird von einigen Software-Anbietern und vor allem von kleineren Kommunen prinzipiell für machbar gehalten. Ob sich das Verfahren deshalb auch durchsetzen läßt, bleibt aus anderen Gründen fraglich. Denn mit der Euro-Einführung 1999 wächst der Druck auf die Verwaltungen, die erklären müssen, warum sie die Währung nicht schon zum aktuellen Zeitpunkt auf Bescheiden und Rechnungen angeben, Finanzpläne nicht in Euro verfassen oder die Buchhaltung erst im Jahr 2002 umstellen. Schließlich funktionieren Geldüberweisungen in der neuen Währung ja auch schon früher, außerdem lassen sich Rechnungen an die Kommunalverwaltungen in Euro kaum vermeiden.

Trotzdem: Zu den wichtigsten Gründen, die gegen eine frühe Euro-Verwendung sprechen, zählt die Finanzsituation der Kommunen. Viele von ihnen sind kleiner als 20 000 Einwohner und haben nicht die Mittel für eine individuelle Softwarelösung oder -anpassung, die nötig wäre, wenn Kommunen unterschiedliche Wege zum Euro gehen würden.

Für den DV-Manager einer mittleren Kleinstadt ergibt sich fast zwingend die Schlußfolgerung, alle Programme gleichzeitig umstellen zu müssen. Da er seine Software nicht alleine nutzt, kann er vor 2002 nicht weiter in Richtung Euro gehen, als seine rückschrittlichsten Kollegen in anderen Verwaltungen. Jedes Abweichen von dieser Linie kostet ihn individuellen Entwicklungsaufwand, jede Übergangsphase mit zwei Währungen verursacht Unsicherheiten und Fehlerquellen bei den Anwendern.

Erschwerend kommt hinzu, daß in den Verwaltungen derzeit kaum eine echte mehrwährungsfähige Software etwa in Form moderner Standardprogramme eingesetzt wird.

Bei der Unterstützung etwa einer Haushaltsplanung in Euro vor der Gesamtumstellung der Software wird das Prozedere äußerst kompliziert. Jede Währungsangabe im Programm müßte daraufhin untersucht werden, ob sie für diesen Euro-Planungsprozeß Verwendung finden soll. Dies erfordert klare Währungsgrenzen zwischen den einzelnen Programmodulen - vorausgesetzt, es gibt überhaupt eine sauber geführte Modulstruktur.

Daran wird deutlich, wie wichtig eine konsequente, gemeinsam betriebene Stichtagsregelung ohne Währungsvorgriffe ist. Auch auf der Anbieterseite gibt es eine ganze Reihe kleinerer Hersteller, die im Interesse ihrer ebenfalls kleinen Kunden jeden Zusatzaufwand bei der Programmanpassung vermeiden wollen. Außerdem sind noch Lösungen im Einsatz, die de facto nicht mehr aktiv gepflegt werden und für die der Euro das Aus bedeuten dürfte.

Die Softwarehäuser wissen, daß eine frühe und schrittweise Euro-Umstellung und die damit verbundene Unterstützung der Doppelwährungsphase nicht zu unterschätzende Fehlerquellen birgt. Für sie stellt die Einfachlösung einer stichtagsbezogenen Umstellung aller gespeicherten Währungsangaben ebenfalls den leichtesten Weg dar.

Zwickmühle für Anwender und Hersteller

Allerdings befinden sich die Hersteller ähnlich wie die Anwender in einer Zwickmühle, wenn auch aus anderen Gründen. Sie können ihre Kunden beim Euro nicht einfach bremsen.

Das gilt als unfortschrittlich und wird in der Branche hart geahndet. In fast jedem Euro-Leitfaden heißt es: "Achten Sie darauf, daß Ihr Softwarelieferant rechtzeitig Euro-fähige Software liefert. Überlegen Sie, ob es angesichts von Jahrtausendwechsel und Euro nicht sinnvoll ist, die Software auszutauschen."

Klar, daß der Hersteller unter diesen Voraussetzungen dem Kunden lieber ein möglichst umfassendes und zeitig greifendes Umstellungskonzept vorlegt. Schließlich bezahlt der Anwender auch die zusätzlichen Umstellungsaufwände, die häufig über das hinausgehen, was in den Wartungsverträgen über die Anpassungen an gesetzliche Änderungen vereinbart wurde.

Zusätzliche gesetzliche Regelungen zu den DV-relevanten Verwaltungsdetails der Euro-Einführung würden hier allen Beteiligten eine große Hilfe bei einem einheitlichen kostengünstigen Umstellungskonzept sein.

So sinnvoll die Zweiwährungsphase an der einen oder anderen Stelle auch sein mag, sie kommt zu einem Zeitpunkt, an dem das Budget knapp ist, für den individuellen Programmieraufwand aber Spitzensätze pro Stunde gezahlt werden müssen. Deshalb wird es entscheidend von den kommunalen Spitzenverbänden abhängen, ob eine konsequente Stichtagsregelung mit möglichst wenigen Währungsvorgriffen in Deutschland einen Konsens findet und damit auch für den DV-Bereich zur sicheren Planungsgrundlage werden kann.

Dr. Uwe Schwochert ist Prüfer von kommunaler Finanzsoftware an der Sächsischen Anstalt für kommunale Datenverarbeitung, einer Landeseinrichtung mit Beratungs- und Koordinierungsaufgaben bezüglich des DV-Einsatzes im Verwaltungsbereich (www.sakd.de).