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25.04.1997 - 

Kolumne

"Stil bleibt trotzdem eine Tugend"

Die Apple-Historie hat, ganz abgesehen von den nicht zu diskutierenden katastrophalen Wirtschaftszahlen, einen schalen Beigeschmack: Man wird das Gefühl nicht los, daß der egozentrische Manager Larry Ellison die Schwierigkeiten des Macintosh-Herstellers nutzt, um sich selbst in Szene zu setzen.

Natürlich ist unbestreitbar: Das zweite Quartal schloß Apple mit 708 Millionen Dollar Verlust ab. Der Umsatz rauschte um 27 Prozent von 2,19 auf 1,6 Milliarden Dollar in den Keller. Analysten bei Sanford C. Bernstein & Co. rechnen vor, daß die Power-PC-Stückzahlen mittlerweile auch nach absoluten Zahlen fallen, derweil die Software Publishers Association um 30 Prozent rückläufige Verkäufe von Macintosh-Applikationen resümiert.

In dieser Situation muß Apple seine Ausgaben für Forschung und Entwicklung von 50 auf zwölf Millionen Dollar zurückstutzen, tödlich für ein Unternehmen, das als Trendsetter in Sachen Technologie galt. Logische Folge: Die Besten gehen zuerst. Allein in den vergangenen Wochen haben drei Topentwickler Apple den Rücken gekehrt. So blutet ein Unternehmen aus.

Trotzdem sollte man nicht gezielt von außen Unruhe in das Macintosh-Unternehmen hineintragen. Kapitalistische Marktwirtschaft ist - wem muß man das sagen? - knallhart und herzlos. Muß sie deshalb auch ohne Stil, ohne Würde sein?

Ellison jedenfalls verhält sich nicht besonders stilsicher. Er unterminiert mit einer - wie man annehmen kann - gezielten Kampagne die Moral der Apple-Mitarbeiter und bringt eine ganze Branche in Mißkredit. Mit einer obskuren Übernahmestrategie, die er öffentlich im Internet ausdiskutieren läßt, scheint er mehr auf Effekthascherei aus. Anspielungen auf ein angeblich schwaches Apple-Management sollen wohl die Loyalität unter anderem von Steve Jobs gegenüber Firmenchef Gilbert Amelio untergraben. Bei Ellison beschleicht Außenstehende immer der Verdacht, seine Strategien gründeten weniger auf betriebswirtschaftlichen Zahlen denn auf selbstverliebte Kampagnen gegen Intimfeinde wie etwa Bill Gates.

Jobs hat Ellison übrigens öffentlich eine verbale Ohrfeige verpaßt - obwohl er ihn als seinen Buddy, seinen guten Freund also, bezeichnet. Zumindest einer, der im harten Alltagsgeschäft noch die Formen des Anstands wahrt.