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30.11.1990

Stimmungsmache für und gegen Unix

Stehen wir vor einer Restauration der proprietären Systeme? Werden die geschlossenen Rechnerwelten vom Schlage der "IBM/370-Mainframes" oder der "Schrägstrich-Mittelklasse" eine Renaissance erleben? Wer in den letzten Wochen und Monaten den Meinungsbildungsprozeß in Herstellernahen DV-Informationsdiensten verfolgt hat, wer auf Beraterstimmen aus dem IBM-Umfeld hört, kann sich dieses Eindrucks nicht erwehren. Da beklagen etwa die Marktforscher der amerikanischen Gartner Group die Stimmungsmache, die von einem bestimmten Teil der Fachpresse für Unix betrieben werde. Die Propaganda sei überzogen, fern jeder Realität, stellen die Gartner-Analysten fest, nur wenige Anwender im Bereich der kommerziellen Datenverarbeitung interessierten sich wirklich für das Bell-Betriebssystem, desto mehr aber für IBMs SAA-Konzept, das die AS/400-Welt einschließt, sowie für die neue ESA/390-Architektur.

Die IBM-freundlichen Marktbeobachter gehen noch weiter. Zu der zentralen Frage der Wirtschaftlichkeit der DV heißt es in einem von der Gartner Group verfaßten Artikel: "Unix price/performance: no big deal" - und die Autoren sehen es als erwiesen an, daß proprietäre Systeme oftmals preisgünstiger sind als Unix-Systeme. Ein derartiges Urteil aus dem Munde der Gartner-Leute überrascht nicht. Die Big-Blue-Groupies sagen doch nur, was IBM-gläubige DV/Org.-Leiter hören wollen - in dem Wissen, daß IBM-Kunden nicht frei sind und daß sie diese Tatsache nur zu gern verdrängen. Daß der IBM selbst diese vermeintlich neutrale Unterstützung nur willkommen sein kann, versteht sich von selbst.

Gravierender ist der Frontwechsel bei denjenigen Herstellern, die sich eine abwartende Haltung in Sachen Unix und offene Systeme eigentlich gar nicht mehr leisten können, weil ihnen die proprietären Felle wegschwimmen. Leitfigur der Jein-Sager ist DEC-Gründer und President Ken Olsen, der aus seiner Abneigung gegenüber Unix nie ein Hehl gemacht hat. Olsen verstieg sich sogar zu der Behauptung, Standardsysteme auf der Basis von Unix seien vergleichbar mit "russischen LKWs". Hinter Olsens Argumentation verbirgt sich eine gehörige Portion Arroganz, was DECs Technologie-Kompetenz betrifft: die Annahme nämlich, daß Standards als Gleichmacher, folglich als Innovationsverhinderer, wirksam seien.

Vor diesem Hintergrund wird deutlich, daß Anwender, die offene Systeme wollen, sich nicht auf die Absichtserklärungen von IBM, DEC, Siemens & Co. verlassen können. Nur auf eines kommt es doch an: Standards führen aus der Abhängigkeit, insofern lassen sie die Hersteller gleich bedeutend oder unbedeutend erscheinen. Daß diese mit Unix-Systemen kein Geld verdienen könnten, haben HP und Sun längst widerlegt.