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27.10.2014 - 

"Geplante Obsoleszenz"

Stirb, Drucker! - Setzen Hersteller auf kurzlebige Produkte?

Pech oder Methode? Wenn ein Elektro-Gerät kurz nach Ablauf der Garantie den Geist aufgibt, ist das ärgerlich. Frankreich will einen vorzeitigen Produkttod künftig als Betrug ahnden. Dass dahinter Vorsatz steckt, lässt sich allerdings schwerlich nachweisen.

Fast jeder kennt ihn: Den Föhn, der kurz nach Ablauf der Garantie den Geist aufgibt. Oder den Handrührer, der nur noch ein müdes Surren von sich gibt, wenn die Gewährleistung gerade abgelaufen ist. Ist das Zufall - oder Methode der Hersteller?

Zahlreiche Experten und Verbraucherschützer sind sich einig: Der frühzeitige Verschleiß ist von Unternehmen geplant. "Aus Großkonzernsicht muss ein Produkt so hohe Gewinne wie möglich abwerfen", sagt Christian Kreiß, der an der Hochschule Aalen Wirtschaftsingenieurwesen lehrt. "Wenn ein Drucker doppelt so lange hält, kommt der Kunde doppelt so spät wieder."

Bei murks-nein-danke.de kann man 'vermurkste' Produkte melden.
Bei murks-nein-danke.de kann man 'vermurkste' Produkte melden.

Die Regierung in Frankreich will dem vorzeitigen Produkttod - im Fachjargon auch "geplante Obsoleszenz" gennannt - nun mit einem neuen Gesetz beikommen. Nachgewiesene Fälle sollen dort künftig als Betrug mit bis zu zwei Jahren Haft und 300 000 Euro Geldstrafe geahndet werden können. Dazu muss ein Produkt bewusst so gebaut werden, dass mit dem Ziel, neuen Umsatz zu machen, die Lebensdauer künstlich verkürzt wird.

"Das Gesetz in Frankreich bringt die Diskussion weiter voran", glaubt Betriebswirt Stefan Schridde, der an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin zu dem Thema lehrt. Schridde ist Gründer der bürgerschaftlichen Verbraucherschutzorganisation "Murks? Nein danke!", die sich für langlebigere Produkte einsetzt. Frankreichs Pläne greifen nach Schriddes Einschätzung aber zu kurz, da es schwer sei, Herstellern einen Vorsatz nachzuweisen, weil die finanziellen Risiken eines Gerichtsprozesses schwer abzusehen seien. Hilfreicher wäre es ihm zufolge, die Techniken dafür zu verbieten.

Beispiele kennen Verbraucherschützer genug: Dazu zählen etwa fest verbaute Akkus in Handys, die Kunden nicht selbst austauschen können. Für einen neuen Akku müssen sie dann zum Hersteller - der dadurch wieder Kasse macht. Die Stiftung Warentest moniert zudem etwa einen Fernseher, für den vier Jahre nach Markteinführung keine Ersatzteile mehr verfügbar sind. Als Paradebeispiel nennt sie zudem das 1924 getroffene Abkommen zwischen Glühbirnenherstellern, die Lebensdauer ihrer Birnen zu begrenzen.

Die Elektroindustrie weist den Vorwurf, vorsätzlich Produkte mit Verfallsdatum zu produzieren, zurück. "Qualität ist ein wichtiges Kaufkriterium", betont der Zentralverband der Elektrotechnik- und Elektronikindustrie. "Vertrauen in die Marke und Kundenzufriedenheit ist für die Hersteller im Wettbewerb von großer Bedeutung."

Experte Schridde glaubt hingegen: Da der Murks bei Herstellern Methode habe, müsse auch niemand die Konkurrenz fürchten. "Die Kunden wechseln verärgert hin und her."

Ökonom Kreiß ergänzt, dass das geplante Verfallsdatum für Unternehmen nicht nur den Vorteil habe, dass der Kunde schneller zurückkomme. Durch schlechtere Teile sei auch eine billigere Produktion möglich. Und Hand aufs Herz: Welcher Mann zähle schon mit, ob sein Elektro-Rasierer zehn oder nur neun Jahre seinen Dienst tue?

Hausgerätehersteller halten dagegen: "Heute werden alle Miele-Geräte auf 20 Jahre Lebensdauer ausgelegt und getestet", heißt es etwa bei dem Unternehmen aus Gütersloh. Das geschehe mit Blick auf Kunde und Qualität, aber auch im Interesse der Umwelt. Beim Konkurrenten Bosch und Siemens Hausgeräte ist von bis zu 15 Jahren Gebrauch die Rede. "So - und nur so - stellen wir eine langfristige Bindung der Kunden an unsere Marken sicher", erklärt das Gemeinschaftsunternehmen.

Letztlich können Verbraucherschützer die vermeintlichen Schrott-Geräte nicht nachweisen: Testergebnisse der Stiftung Warentest lieferten dafür keine Ergebnisse. "Insbesondere Haushaltsgeräte gehen heute nicht schneller oder häufiger kaputt als früher", schreibt die Stiftung. Billige Geräte geben demnach aber früher den Geist auf als teure. Strafrechtlich relevante Fälle sind dem Verbraucherschutzministerium zudem nicht bekannt.

Experte Kreiß sieht eine geplant begrenzte Lebensdauer zwar als Teil unseres Wirtschaftssystems. An gezielt eingebaute Schwachstellen in Produkten glaubt aber auch er nicht. "Das wäre ökonomischer Unsinn", sagt er. "Dann wären die restlichen Teile zu teuer."

Die Elektroindustrie lässt Zahlen sprechen: Von 180 Millionen Elektro-Geräten in deutschen Haushalten sind 75 Millionen älter als zehn Jahre. 30 Millionen sind sogar länger als 14 Jahre in Gebrauch. (dpa/tc)

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