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21.03.1980

Stolpersteine für Frauen:In Personalnot frißt der Teufel auch DV-Frauen

In der EDV stellen die Frauen eine Minderheit von 13 Prozent dar. In leitenden Positionen sind sie erst recht kaum (rund drei Prozent) vertreten. Nach dem Aufruf in der COMPUTERWOCHE Nr. 6 vom 8. Februar meldeten sich etwa 50 Frauen, die als Programmiererinnen, Systemanalytikerinnen und DV-Leiterinnen arbeiten.

Frauen in der EDV haben keine Probleme mit dem logischen Denken. Schwierig wird es für sie nur, wenn sie Karriere machen wollen. Das kann einmal an den Frauen selbst liegen - sie lassen sich gar zu leicht ausnutzen oder ihr Werdegang entspricht nicht den Anforderungen. "Die Männer haben oft eine bessere Ausbildung", bemerkt Hildgund von Alten-Krämer (29), Organisationsprogrammiererin beim RHV. "Die Frauen müssen tiefer anfangen."

Die Stolpersteine auf dem Weg nach oben in der Hierarchie können aber auch daher kommen, daß "Mann" den Frauen in der EDV-Abteilung nicht die gleichen Chancen einräumt wie dem Kollegen. "Es braucht kein böser Wille zu sein", überlegt Brigitte Dietz (36), Fachreferentin Systemanalyse Vertrieb bei VW, Wolfsburg. "Man wird als Frau einfach nicht in Erwägung gezogen, wenn es um die Besetzung einer höheren Position geht."

In dem sicher nicht progressiven und keineswegs auf der Emanzipationswelle

reitenden FAZ-Ableger "Blick durch die Wirtschaft" gibt Helmut Bögler, Geschäftsführer der Interelect Unternehmensberatung GmbH, Frankfurt, eine Erklärung für die geringe Vertretung von Frauen in der dünnen Luft des Managements, die auf dem etwas schwachen Selbstvertrauen der Männer beruht. "In jeder Hierarchie herrscht der Konkurrenzkampf und der ist hart genug, ohne das wir zusätzliche Kontrahenten zulassen, die ihn möglicherweise um Dimensionen erweitern, in die wir nicht folgen können. Mit dem Argument "Frau" - egal wie fadenscheinig, halten wir uns wenigstens diese Konkurrenz vom Hals."

Das Grundgesetz fordert Gleichberechtigung von Mann und Frau, Data General, Escaborn, realisiert das Gebot: Auf die Frage nach Einstellung und prozentualem Anteil von Frauen in Verkauf, Wartung, Management, Systemberatung, ihren Aufstiegsmöglichkeiten und den verwirklichten Karrieren lautete die coole Antwort einer Frau: "Frauen haben bei uns die gleichen Chancen wie Männer. Das ist DG Firmenpolitik." Wie diese Politik in der Praxis aussieht, wurde noch nicht einmal angedeutet.

Die exaktesten Angaben stammen von Siemens, ein Hersteller, der dem Facharbeitermangel heute begegnet, indem er vermehrt weibliche Lehrlinge für Berufe einstellt, die früher als Männersache galten, der aber auch über einen nach Siemensangaben nicht mehr auffindbaren Betriebsarzt mit dem von Dr. Juritza für die Stadtwerke München im Herbst 1979 erstellten Gutachten in Verbindung gebracht wird. Danach haben Frauen einen zu kurzen Daumen, um bestimmte Arbeiten zu erledigen. Ihre kleineren Finger eignen sich aber wieder trefflich zum Maschineschreiben und zur Dateneingabe am Bildschirm. Am schlechtesten repräsentiert sind die Frauen bei Siemens mit 2,4 Prozent im mittleren und oberen Management. In der Wartung arbeiten sieben Prozent Frauen. Dagegen haben 31,3 Prozent der mit Programmierung Beschäftigen weibliches Geschlecht. In der Systemprogrammierung, was gegenüber der Programmierung als Aufstieg gewertet werden kann, stellen die Frauen 18,4 Prozent. In der Systemanalyse einschließlich EDV-Organisation verdünnt sich ihre Vertretung auf 10,7 Prozent.

Gegenüber Sperry Univac, die auch sehr präzise Angaben machte, sind das ganz erkleckliche Zahlen. Dort arbeiten 28 Frauen von insgesamt 449 in der Systemberatung Beschäftigten, also 6,2 Prozent. Nixdorf und CDC beschäftigt jeweils zwei Frauen im Direktvertrieb, die Systeme warten für Siemens nach Auskunft der direkt Betroffenen zwei "Exoten". Drei Leiterinnen einer EDV-Abteilung haben sich auf die CW-Frage hin gemeldet. Eine Frau, Dr. Ruth Leuze wacht ab 1. April über den Datenschutz in Baden-Württemberg. In der Programmierung sind auch bei den Anwendern die meisten Frauen beschäftigt, sieht man von den Datentypistinnen einmal ab.

Mit der Bewerbung fängt es an

Der Versuch, Frauen für die EDV zu gewinnen, ist ICL Deutschland eigenen

Angaben zufolge 1979 vollständig mißlungen. "Nicht, weil es an Qualifikation mangelte, sondern weil im entscheidenden Augenblick der Unterschrift unter den Arbeitsvertrag der Mut fehlte, diesen Berufsweg wirklich zu beschreiten", kritisiert der Hersteller. Auch Peter Scharichtenberg, Personalleiter bei der Interprogramm GmbH, Düsseldorf, stellt fest, daß nur eine von 100 Bewerbungen eine Absenderin hat. In dem Unternehmen sind nur zwei von 40 Organisationsprogrammierern Frauen. "Frauen sind häufig verläßlicher", begründet er seine theoretische Vorliebe. "Wenn sie ja sagen, steht das auch."

Auch MBB, Hamburg, machte gute Erfahrungen mit Frauen, so daß es heißt: "Frauen in der EDV sind oft besser als Männer." Auf der anderen Seite, so die Mathematikerin und Informatikerin Christiane Richter-Eckard (30), seit einem Jahr Gruppenleiterin bei MBB: "Wenn eine von uns versagt, dann haben die Frauen versagt." Oder, wie es Rosemarie Neumann-Lezius (44), selbständige Unternehmensberaterin in Sachen Netzwerk und studierte Ingenieurin für Nachrichtentechnik, ausdrückt: "Wenn eine Frau einen Fehler macht, sagt man, sie ist ja nur eine Frau. Passiert einem Mann dasselbe, so heißt es: Man kann sich mal irren."

Bevor die Frau aber ihre Fähigkeiten in dem analytisch-technischen EDV-Geschäft unter Beweis stellen kann, hat sie die für Frauen ab und an schwierige Hürde der Einstellung zu nehmen. "Viele meiner Absagen führe ich darauf zurück, daß ich eine Frau bin", erklären eine graduierte Informatikerin und eine Wirtschaftsingenieurin. Am Telefon reagierte eine Sekretärin spontan: "Frauen stellen wir nicht ein."

Monika Amann dagegen wurde von dem Angebot der Control Data überrascht: Sie bewarb sich als Sekretärin und wurde dank ihrer Qualifikationen als Vertriebsbeauftragte für Magnetbänder engagiert.

Andererseits aber - man denke sich zum Spaß den umgekehrten Fall: Vor der Einstellung von zwei EDV-Leiterinnen fragte die Geschäftsleitung die jeweiligen Mitarbeiter, ob sie etwas dagegen hätten, ihre Anweisungen von einer Frau zu empfangen. Die Kollegen zeigten sich bereit und identifizierten sich so von Anfang an mit "ihrer EDV-Leiterin", so daß das Geschlecht von vornherein als Angriffspunkt entfiel. Umgekehrt verhält es sich in der Textverarbeitung.

Die Abneigung mag mit (Vor-)Urteilen über Frauenintellekt zu tun haben, dem das in der DV geforderte folgerichtige Denken abgeht und deren Einfühlungsvermögen nicht gefragt ist. Oder mit der Einplanbarkeit von Frauen, die womöglich ein Kind bekommen oder heiraten könnten, was aber bekanntlich gerade in Berufen mit hoher Identifikation nicht unbedingt in die Küche führt.

In Bayern beispielsweise, wo die Frauen um die 49 Prozent der Bevölkerung ausmachen, von denen nur fünf Prozent der Altersklasse 15 bis 64 Jahre nie erwerbstätig waren, standen über alle Berufe und Beschäftigungsgrade integriert, 1974 knapp zwei Drittel ununterbrochen im Erwerbsleben. Damit dürfte das Planungsargument entkräftet sein.

Fast übereinstimmend meinten die EDV-Frauen, zumindest während ihrer Erprobungsphase mehr Leistung bringen zu müssen als männliche Kollegen. Der anfänglichen Skepsis begegnete Ulrike Rothe (22), "Lehrling" in Sachen Programmdokumentation, indem sie durch mehr Arbeit bewies, daß sie etwas leisten kann. Birgit Bochum (35), DV-Leiterin mit neun Mitarbeitern beim Fischerverlag, Frankfurt, sieht gerade in der EDV-Branche die Möglichkeit, durch Wissen zu überzeugen. Erfahrungen hielten bei der sich schnell ändernden Technik nicht lange vor. Nach einem EDV-Fernkurs,

einem Praktikum und anschließendem Studium erklomm sie die Leiter. Ihr fiel es leicht, in den Beruf reinzukommen, doch glaubt auch sie, mehr leisten zu müssen, weil sie als Minderheit einer ständigen Kontrolle unterliegt. "Wenn man es geschafft hat, ist es sehr angenehm, Minderheit zu sein "

Doch auf dem Weg nach oben fehlt manchmal die Möglichkeit, manchmal der Wille. An Christiane Richter-Eckard hatten die Vorgesetzten überhaupt nicht gedacht, als der Posten eines Gruppenleiters frei wurde. Erst als sie sich selbst bewarb, erhielt sie den Job - und alle waren erleichtert. "Die Förderung des Nachwuchses konzentriert sich auf die Männer", bestätigt Karin Pöhlsen, Systemanalytikerin bei BP. Und die DV-Leiterin der Etinex Kunststoffwerke, Stuttgart, Eva Friedrich (33), berichtet, daß Frauen nicht zu Lehrgängen geschickt werden. "Für eine Frau geben wir das Geld nicht aus", lautet das Argument. So können die Programmiererinnen nur mühsam und energisch den Wissensvorsprung ihrer besser vorgebildeten Kollegen aufholen.

An Aufstiegschancen, "zumindest in dieser Firma", glauben viele der Frauen nicht. Doch bei der im Augenblick günstigen Arbeitsmarktlage was EDV-Jobs angeht, könnten sogar Frauen eine Chance haben. "In der Not frißt der Teufel Fliegen - und die Unternehmen stellen Frauen vielleicht auch als Leiter im DV-Bereich ein", meinte Ursula Frank (30), Organisationsprogrammiererin, halb hoffnungsvoll, halb resigniert.

"Es ist schon ein bestimmter Frauentyp, den man in der EDV findet", bemerkt Ursula Frank, die sich über das Operating hochgearbeitet hat. "Grundvoraussetzung ist großes Selbstvertrauen." Eine Gruppenleiterin Organisation und gleichzeitig Projektleiterin für Personalabrechnungs- und Informationssysteme (41) schreibt: "Als ich mich erst einmal daran gewöhnt hatte, bei Besprechungen, Kursen, Tagungen immer die einzige Frau zu sein, hatte ich persönlich keinerlei Probleme mehr in der Richtung." "Man muß Mut haben", meint Roswitha Kupferschmidt (30), eine der beiden Nixdorf-Frauen im Vertrieb von MDT. Sie wollte bei den Vorführungen nicht länger "schmückendes Beiwerk" sein, versuchte sich selbst im Verkauf und gehörte von Anfang an zum Top-Club. Nach Ansicht von Brigitte Schlag {32), Profi in der Einführung von EDV, hat die Datentypistin mit Interesse für ihre Arbeit eine gute Ausgangsbasis für die Programmierung, eine Erfahrung, die sie an sich selbst machte. Doch sei ratsam, das Interesse nicht offen zur Schau zu tragen.

"Es liegt vielfach auch an der Frau selbst", kritisiert Ulrike Rothe ihre Kolleginnen. "Viele haben keine Vorstellung von dem Beruf, den sie ausüben wollen, vergessen Berufs- und Karriereplanung für sich selbst und lassen ab und an mal fünf gerade sein, weil die Männer mehr Ellenbogen haben."

Alle Frauen gaben an, das gleiche Gehalt zu bekommen wie Männer mit vergleichbarer Tätigkeit. "Nur mußte ich mehr darum kämpfen", sagt Ursula Frank. Doch mit der Statistik stimmt das nicht überein. Nach Kienbaum-Untersuchungen, so Christian Näser, zeigt sich die Benachteiligung im Gehalt deutlich.

Die meisten werden als Kollegin voll akzeptiert - allerdings ohne Aufstiegschancen im eigenen Haus. Viele geben an, daß die Kollegen "richtig nett" sind. Unterschiede in der Arbeit mit Kollegen, Kunden und Kontakten zur Fachabteilung stellen sich vor allem als Generationsproblem dar: Kollegen über 45 Jahren, mit einer Frau, die den Haushalt versorgt, machen es der Frau im Beruf schwer.

Die jüngeren sind eher bereit, eine Frau in der EDV zu akzeptieren, beobachtet auch Rosemarie Neumann-Lezius. "Die Älteren haben dafür eine charmantere Art."

Silberstreifiger Optimismus

Mit den Kollegen um die 30 scheint ein Auskommen zu sein. Die kleinen EDV-Könige werden nach und nach als Dienstleistungsbereiche für die Fachabteilungen entthront, es spricht sich herum, daß auch der EDV-Beruf erlernbar ist. Die Ausbildung der Frauen hat sich verbessert - an weiterführenden Schulen sind sie fast so stark vertreten, wie es ihrer Repräsentation in der Bevölkerung entspricht. An den aufbauenden Schulen, den Fach- und Hochschulen schreiben sich vermehrt Frauen für Fächer ein, die wegen der analytischen und logischen Anforderung den Männern vorbehalten schienen. "So wie heute die Mädchen zu den Universitäten drängen, so machen sie auch vor dem harten Geschäft der EDV nicht mehr Halt ", äußert Elisabeth Kirschnereit (42), Gruppenleiterin und Prokuristin bei einer Münchner Bank, optimistisch. Und auch das Selbstbewußtsein ist größer, als in den Fünfziger Jahren. Doch auf der anderen Seite - wer gibt gerne eines seiner angestammten Privilegien auf?