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20.08.1999 - 

Viele Initiativen, aber keine Einigung

Storage Area Network bleibt ein Flickenteppich

MÜNCHEN (kk) - Unternehmen, die sich für ein eigenes Speichernetz (SAN) interessieren, vermissen einen einheitlichen Standard für die benötigte Hard- und Software. Die Vielzahl von Initiativen und Gremien verunsichert die Anwender, Abhilfe ist derzeit nicht in Sicht.

Die jüngsten Ankündigungen im Markt für Storage Area Networks machen deutlich, daß jetzt die Weichen für einen zukünftigen Standard gestellt werden sollen. Als wichtigstes (herstellerunabhängiges) Gremium dafür scheint sich die Storage Networking Industry Association (Snia) herauszukristallisieren.

Mitglieder der Snia sind neben den Rechnerherstellern Amdahl, Compaq, Dell, Fujitsu, HP, Hitachi, IBM und Sun Microsystems auch die wichtigsten Lieferanten von Speichersystemen und -software sowie von Kommunikationsge- räten. Trotz ihrer Bedeutung für die Schaffung von Standards wird der Snia vorgeworfen, sie arbeite zu langsam. Claus Egge, Speicherspezialist des Marktforschungsunternehmens IDC, geht nicht davon aus, daß in absehbarer Zeit ein einheitlicher Standard für SANs zu erreichen ist. Dazu gebe es zu viele Arten, "vom kleinen PC-SAN bis zum High-end-Speichernetz".

Die langsamen Fortschritte innerhalb der Snia waren zumindest ein Grund dafür, daß Speicherhersteller EMC im Februar dieses Jahres die Fibre Channel Alliance (FCA) ins Leben gerufen hat. Sie sollte ein Regelwerk aufstellen, nach dem sich die Steuerprogramme aller Komponenten eines SANs verwalten lassen, inklusive der Knotenverbindungen wie Switches oder Hubs. Der FCA haftet allerdings der Ruf an, keinen offenen Standard schaffen zu wollen, sondern die Bemühungen nur auf die Architektur der EMC-Speicher abzustimmen.

Jetzt gab der Speicherspezia- list bekannt, daß die Schnittstellen für die eigene Speicher-Management-Software offengelegt und damit die Zahl der Anwendungen für die Symmetrix-Modelle erhöht werden soll. Bislang such- te sich der Hersteller aus Hopkinton, Massachusetts, die Entwickler sehr genau aus und veröffentlichte auch nur wenige APIs. Das neue "E-Infostructure Developers Program" umfaßt neben dem erweiterten Zugang zu den Schnittstellen auch technisches Training, API-Entwicklungs-Kits und die Möglichkeit, in den EMC-Labors zu arbeiten. Das Programm ist allerdings nicht kostenlos: 35000 Dollar jährlich müssen lizenzierte Softwarelieferanten für die Teilnahme berappen.

Branchenkenner werten die Öffnung als Antwort auf IBMs Ankündigung, einen Unix-basierten Standard-Controller für die hauseigenen Speicher zu verwenden. Das würde Drittanbietern die Programmierung für Big Blues Speicherprodukte erleichtern. "EMC will nun seinerseits die Software-Entwickler dazu bringen, zuerst Programme für die Symmetrix-APIs zu schreiben", vermutet Colin Rankine, Analyst der Giga Information Group.

Alain Andreoli, Vice-President und General Manager für Europa, Mittlerer Osten und Afrika (EMEA) bei EMC-Konkurrent Storagetek, beurteilt die Öffnung des Mitbewerbers so: "Die Kunden von EMC fordern das seit langem. Möglicherweise wird das die Geschäftsstrategie von EMC verändern."

Storagetek selbst schloß jetzt eine OEM-Vereinbarung mit Sun Microsystems (siehe Nachrichtenteil dieser Ausgabe). Die Kooperation bezieht sich auf Suns Speicherkonzept "Jiro". Kürzlich gab der Hersteller einen ersten Einblick, wie der Nachfolger des "Store-X"-Konzepts funktionieren soll.

Jiro-APIs sind eine Kombination aus dem Entwicklungsmodell Javabeans und Jini, dem Java-basierten Verteilungskonzept. Jiro-Produkte sollen, so die Vorstellung von Sun, ihre Dienste selbständig bei der Speicherzentrale zur Verfügung stellen und sich damit einfacher verwalten lassen. Jiro läuft auf der Java Virtual Machine, die in jeder SAN-Komponente implementiert sein muß. Die Idee ist, daß Programme, die mit Jiro erstellt wurden, alle Jiro-basierten Geräte in einem Speichernetz verwalten können und zudem in Zukunft eine Vielzahl von Host-Verwaltungsprotokollen wie SNMP, Webm und NDMP unterstützt werden.

Jiro unterliegt dem "Java Community Process", so daß Entwickler eine Lizenz erwerben und das Programm den Java-Testverfahren unterziehen müssen. Diese starke Abhängigkeit von Sun rückt Jiro in puncto Unabhängigkeit in eine ähnlich zwielichtige Position wie EMC, obwohl der Hersteller versichert, alle Standards, die die Snia verabschiedet, einhalten zu wollen.

Für eine weite Verbreitung von Jiro muß Sun allerdings die Hersteller aller Art von SAN-Produkten gewinnen: Die Lieferanten von System-Management-Programmen wie Computer Associates (Unicenter) und IBM (Tivoli), von Speichersoftware, etwa Legato und Veritas, sowie die Anbieter von Kommunikations- und Speichergeräten. Die ersten Jiro-basierten Produkte sollen Anfang 2000 auf den Markt kommen.

Für die Anwender ist die Situation mit dem Erscheinen von Jiro nicht einfacher geworden. Zu allem Überfluß kam offenbar auch EMCs Fibre Channel Alliance - ähnlich wie die Snia - mit ihren Standardisierungsversuchen bisher nur langsam vorwärts und verprellte insbesondere die Switch-Hersteller. Die fünf Anbieter Ancor, Brocade, Gadzoox, McData und Vixel verabschiedeten sich Ende Juli 1999 aus der Allianz und riefen die Open Standards Fabric Initiative (OSFI) ins Leben, um die Interoperabilität zwischen ihren Geräten und dem Equipment von Drittanbietern zu garantieren. Sie arbeiten auf Basis der FC-Switch-Protokolle FC-SW, FC-SW2 und FC-GS (Fibre Channel General Services), die schon jetzt für SAN-Implementierungen genutzt werden.

Ein Firmensprecher der McData Corp. - an der EMC pikanterweise eine Mehrheitsbeteiligung hält - begründete gegenüber dem Branchendienst "Computergram" das Ausscheiden aus der FCA damit, daß "wir erst krabbeln lernen müssen, bevor wir laufen". Denkbar wäre, daß sich die OSFI unter die Fittiche der Snia begibt und dort als Unterorganisation einen offenen Standard zumindest für FC-Kommunikationsknoten setzen kann.

Für weitere Verwirrung der Anwender sorgte die Ankündigung der Industriegremien (siehe Kasten) Fibre Channel Community (FC/C) und Fibre Channel Association, ihre Kräfte zu bündeln, um "SAN-Standards und Interoperabilität zwischen den Herstellern zu fördern". Die neue Organisation nennt sich Fibre Channel Industry Association und widmet sich der Entwicklung des Marktes für FC-Produkte. Das soll durch "Marktaufbereitung, Schulung, Überprüfung von Standards und Förderung der Interoperabilität unter den Produkten" erreicht werden.

Angesichts der Fülle von Initiativen und mangelnder Standards bleibt den Anwendern kaum eine andere Möglichkeit für die Implementierung eines SANs, als sich auf den wichtigsten Hardware-Hersteller zu verlassen. Und das ist auch gut so, denn strategische Konzepte haben bei diesen Voraussetzungen keine Chance. Dazu IDC-Analyst Egge: "Wenn ich heute ein Anwender wäre, der versucht, ein SAN-Konzept aufzustellen, das strategisch und nicht taktisch ausgelegt ist, wäre ich sehr frustriert.".

Industriegremien

Die Fibre Channel Industry Association bildet die neue Dachgesellschaft für die bisher voneinander unabhängigen Organisationen Fibre Channel Community und Fibre Channel Association. Da sich beide Gremien in ihren Zielsetzungen weitgehend überlappen, wurde die Verschmelzung von den Mitgliedern akzeptiert.

Die Fibre Channel Community (FC/C) organisierte sich im Sommer 1995, um die Migration von Datenspeichern in Netzwerke wie SANs zu unterstützen. Als Basis dafür dient der Fibre Channel Arbitrated Loop (FC/AL). Mittlerweile nehmen über 100 Unternehmen - Hersteller von Rechnern, Subsystemen, Peripheriegeräten, Halbleitern, Adaptern und Software - am FC/C teil. Auszug aus der Mitgliederliste: 3Com, Brocade, Fujitsu, Gadzoox, Hitachi, Seagate, Sun, Unisys, Adaptec, Compaq, Data General, Dell, HP, IBM, Intel, Lucent, MTI, Sony, Storagetek und Veritas. EMC ist nicht mit dabei.

Die Fibre Channel Association wurde 1996 gegründet, um die "Identifizierung, Auswahl und Veröffentlichung von FC-Implementationsprofilen" vorzunehmen, die auf nationalen oder internationalen Standards basieren. Teilnehmer sind unter anderem 3Com, Adaptec, HP, Amdahl, Hitachi, IBM, Intel, Brocade, LSI Logic, Cisco, Compaq, MTI, Seagate, EDS, Siemens, Sony, Storagetek, Sun, Tivoli, Unisys, Veritas und EMC.