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03.12.1998 - 

Neue Technik lockt Anbieter aus vielen Bereichen

Storage Area Network: ein eigenes Netz für die Speicher

MÜNCHEN (kk) - Nach der Umstellung auf den Euro und das Jahr 2000 droht dem IT-Manager eine neue Herausforderung: Nach LAN und WAN, Internet und Intranet soll er nun das Storage Area Network (SAN) aufbauen. Hersteller wittern gigantische Absatzchancen.

Derzeit sind sie in aller Munde, die Storage Area Networks, und sie versprechen, ein einträgliches Geschäft zu werden. Das kalifornische Marktforschungsunternehmen Strategic Research schätzt, daß sich der Markt für SANs (Hardware, Software und Services) von 3,5 Milliarden Dollar in diesem Jahr auf 14,8 Milliarden Dollar im Jahr 2000 vergrößern wird.

Hinter dem SAN-Konzept verbirgt sich das Bemühen, die Applikationsnetze (LANs) von den Speicherdaten zu befreien. Datenspeicherung, Backup und Restore sollen über ein eigenes Netz, das SAN, abgewickelt werden. Der Festplattenspeicher wird vom zugeordneten Server abgekoppelt. In einem SAN können traditionelle Netzprotokolle wie Ethernet dazu verwendet werden, den Speicherdatenfluß aus dem LAN abzuleiten. Denkbar ist aber auch, die klassischen Techniken aus dem Speicherbereich, etwa Ultra SCSI oder Fibre Channel (FC), dafür zu nutzen.

Derzeit kristallisiert sich Fibre Channel als favorisierte Technik zumindest innerhalb des SANs heraus. Die Analysten der IDC schätzen beispielsweise, daß Ende 2001 bereits die Hälfte aller externen Speichersysteme mit dieser Schnittstelle ausgeliefert werden wird. Denn der FC wartet mit bisher im Speicherbereich nicht erzielbaren Datentransferraten von 100 MB pro Sekunde auf - schnellere Varianten von 200 und 400 MB/s sind bereits in Arbeit. Außerdem überbrückt er Entfernungen von bis zu zehn Kilometern, während beispielsweise SCSI-Verbindungen auf 25 Meter (und einen Datendurchsatz von 20 bis 40 MB/s) beschränkt sind.

Anwender, die auf der Suche nach zentral vorgehaltenen Datenspeichern sind, könnten mit FC-basierten Lösungen gegenüber den heute verfügbaren proprietären Speicherarchitekturen zudem Geld sparen, so IDC. Da der Fibre Channel doppelt ausgelegt ist (Fibre Channel Arbitrated Loop), sei er zudem auch ausfallsicher: Zwei unabhängige Datenleitungen führen zu den Plattensystemen, so daß bei Ausfall einer Verbindung noch immer eine zweite vorhanden sein soll. An eine (doppelt ausgelegte) FC-Leitung ließen sich bis zu 126 Geräte anschließen, so daß für eine Expansionsmöglichkeit gesorgt sei.

Derzeit formieren sich in der Industrie die klassischen Anbieter von Speichersystemen, aber auch Arbeitsgemeinschaften aus unterschiedlichen Disziplinen, die dem Kunden Komplettlösungen für SANs anbieten wollen. So propagiert etwa der Speicheranbieter EMC sein "Enterprise Storage Network" (ESN), das, basierend auf den hauseigenen Speichersystemen, den "universellen Zugriff auf die Daten für heterogene Server mit jeder Kombination von SCSI-, Fibre-Channel- und Escon-Verbindungen" erlauben soll.

Derzeit präsentiert EMC die ersten Bausteine für sein ESN, die den hauseige- nen "Symmetrix"-Speichern über Hubs Zugang zu NT-Servern oder NT-Clustern von IBM, Hewlett-Packard, Compaq, Dell, NCR und Siemens erlauben und auch die Unix-Maschinen von HP und Sun berücksichtigen. Die Unix-Rechner aus der "Escala"-Familie von Bull sowie die "Clearpath"-Reihe von Unisys sollen sich per FC-Verbindung direkt an die Symmetrix-Speicher anschließen lassen. Hubs wären dafür nicht notwendig.

EMC stellt seine Speicher in den Mittelpunkt

Der Speicherhersteller hat mit "Volume-Logix" zudem eine Software für die Datenkonsolidierung in heterogenen Rechnerlandschaften vorgestellt, die auf den Symmetrix-Speichern aufgespielt ist und unterschiedlichen Servern Zugang zu den logischen Platten des Speichers ermöglichen soll. EMC kooperiert mit Oracle, um die Funktionen der Internet-Datenbank "Oracle 8i" mit den Symmetrix-Speichern kompatibel zu machen. EMCs Angebot für SANs, das rund um die hauseigenen Speichersysteme aufgebaut wird, soll als komplettes Portfolio bereits im Januar 1999 verfügbar sein.

Speicherhersteller Storagetek will mit der "Virtual Intelligent Storage Architecture" (Vista) dafür sorgen, daß "jeder Server mit jedem Betriebssystem, jeder Anwendung und sogar mit Speichergeräten anderer Hersteller arbeiten kann". Dazu propagiert der Anbieter offene Standards und baut sein Konzept auf das "Open Industry Framework" auf, das von den mehr als 100 Mitgliedern der Storage Networking Industry Association (Snia) geschaffen wurde.

Als eines der ersten Ergebnisse des Vista-Konzepts stellte Storagetek zusammen mit Softwarehersteller Veritas unter dem Stichwort "Dynamic Storage Allocation" eine SAN-Backup-Lösung auf FC-Basis vor, bei der Daten von zwei Unix-Servern automatisch auf eine Bandbibliothek gespeichert werden (siehe Grafik "Teil des Vista-Konzepts").

Als neuer Anbieter im Speichergeschäft versucht sich die 3Com Corp. zu etablieren, die in den letzten Wochen durch die Bekanntgabe von zahlreichen Allianzen für Storage Area Networks von sich reden machte. 3Com als Anbieter von Netzprodukten möchte sich vom potentiell großen SAN-Kuchen ein gehöriges Stück abschneiden. Der Hersteller aus Kalifornien definiert ein SAN naturgemäß aus Sicht des Netzwerks: "Ein SAN besteht aus Server-Adaptern, Hubs und Switches sowie aus Werkzeugen für das Netz- und Speicher-Management."

Da auch die 3Com-Lösungen auf dem Fibre Channel basieren, will der Hersteller sicherstellen, daß alle verwendeten Produkte den gleichen FC-Dialekt sprechen, und hat deshalb das Programm "Storageconnect" aufgelegt. Ziel ist es beispielsweise, auch bei FC-basierten Komponenten das problemlose Plug and play zu ermöglichen. In der Vergangenheit interpretierten Hersteller von Hubs, Switches oder Hostbus-Adaptern den Fibre Channel nämlich leicht unterschiedlich.

In einem ersten Schritt wurden Data Generals "Clariion"-Raid-Speicher, Legatos "Networker" und "Smartmedia"-Software sowie Raid-Arrays und Bandbibliotheken von Micro Technology (MTI) auf Kompatibilität zu den 3Com-Produkten getestet. Die Storageconnect-Lösung arbeitet hauptsächlich mit NT-, Unix-, und Netware-Servern zusammen. MTI wird den Komplettservice dafür übernehmen.

In einem zweiten Schritt sollen dann die 3Com-Management-Werkzeuge "Transcend" in das SAN-Angebot integriert werden und für eine einheitliche unternehmensweite Verwaltung sowohl der LAN- als auch der SAN-Infrastruktur sorgen. Danach plant 3Com, auch die WAN- und LAN-Backbones sowie Außenstellen in ein SAN einzubinden. Phase vier schließlich widmet sich den Services wie Sicherheit, Steuerung des Datenverkehrs und Fehler-Management.

Mit der Veritas Software Corp. bemüht sich ein Softwarehersteller derzeit ebenfalls um strategische Allianzen, um am SAN-Geschäft zu partizipieren. Der Hersteller von Speicher-Management-Produkten gab - nach der Übernahme von Seagate Software Inc. - Kooperationen mit Brocade Communications Systems Inc., Hersteller von FC-Switches mit passender Software, und der LSI-Tochter Symbios Inc. bekannt. Alleiniges Ziel der Allianzen ist es, SANs aufzubauen.

Auch Hewlett-Packard hat bereits die ersten SAN-Produkte vorgestellt. Eine FC-SCSI-Bridge soll es mehreren NT-Servern erlauben, eine "Surestore"-Bandbibliothek gemeinsam zu nutzen. Das Produkt soll bereits ab Dezember zusammen mit CAs "Arcserve"-Backup-Software ausgeliefert werden, die für zentrales Daten-Management, Virenprüfung sowie Datenmigration und -verschlüsselung sorgen soll.

IBM geht mit SSA einen Sonderweg

Zudem arbeitet HP zusammen mit unabhängigen Softwarehäusern an Lösungen, die die Datensicherung auch für Cluster-Konfigurationen sicherstellen sollen. Derzeit unterstützt HP beim Backup bereits Microsofts Windows NT Server Enterprise Edition. Zusammen mit dem Festplattenhersteller Seagate Technology Inc., der seit vielen Jahren FC-basierte Platten baut, arbeitet HP an der Weiterentwicklung des Fibre Channel, bei dem die Bandbreite verdoppelt werden soll. Als Fernziel sollen Anwender von HPs Management-Software "Openview" auch die Komponenten im SAN von einer Konsole aus überwachen und verwalten und Teile des Speichernetzes austauschen oder ergänzen können, ohne den Datenfluß zu unterbrechen.

PC-Krösus Compaq, der mit der Übernahme von Digital zusätzliches Speicher-Know-how an Bord geholt hat, brütet derzeit ebenfalls über einem SAN-Konzept. Analysten erwarten jedoch nicht, daß die Pfeiffer-Company in absehbarer Zeit mit einer fertigen Gesamtlösung aufwarten kann. Derzeit sei nur die FC-Anbindung von Speichersystemen an Servern erreicht, erklärte Jonathan Eunice, Analyst der Illuminata Inc.

IBM steckt bei der SAN-Diskussion in einer Zwickmühle: Einerseits stellt die Festplattenabteilung von Big Blue Fibre-Channel-Produkte her, andererseits kann sich die Speichersysteme-Division nicht dazu durchringen, von der hauseigenen "Serial Storage Architektur" (SSA) Abschied zu nehmen und auf den FC umzuschwenken. Die Diskussion, ob SSA oder FC die bessere Technik sei, wird seit langem geführt. Einmal befanden sich beide Lager knapp vor einem Kompromiß, der beide Techniken zusammengeführt hätte. Doch nun steht IBM weiter fest zu SSA. Big Blue begründet seine Haltung mit dem Erfolg seiner Architektur. "Seit 1995 sind SSA-Speicher, die an Unix- und PC-Servern angeschlossen sind, mit einer Kapazität von über drei Milliarden MB (3 PB) ausgeliefert worden", beschreibt eine IBM-Informationsschrift die Situation. Man darf gespannt sein, ob IBM eine SAN-Lösung auf Basis von SSA anbieten wird.

Vom NAS zum SAN

Etwa vor einem Jahr entwickelte Michael Peterson, Chef der kalifornischen Strategic Research, eine Alternative zu Speichersystemen, die in ein LAN eingebunden sind (NAS = Network-Attached Storage). Seiner Meinung nach besteht in NAS-Konfigurationen die Gefahr, daß der Fluß der Speicherdaten unterbrochen werden könnte, da solche Speicher mit Netzprotokollen arbeiten müßten. Er schlägt vor, daß die Speichernetze zwar über Netzprotokolle wie Ethernet an die Unternehmensnetze angebunden, die Speichergeräte im SAN aber nicht mittels Netzprotokollen, sondern via Fibre Channel untereinander verbunden werden sollen.