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02.06.2000 - 

Anwender geben sich noch zurückhaltend

Storage on demand soll Speicherhunger stillen

MÜNCHEN (ba) - Ein neuer Typ von Dienstleistern versucht, sich auf dem IT-Markt zu etablieren. Storage-Service-Provider (SSPs) vermieten Speicherplatz über das Netz. Doch während einige Analysten das Modell bereits überschwänglich loben, stehen viele Anwender der Idee skeptisch gegenüber. Die entscheidende Frage: Wie riskant ist es, unternehmenskritische Daten einer externen Firma anzuvertrauen?

Das Dienstleistungsangebot rund um den Storage-Bereich wächst. Die neueste Variante sieht vor, Speicherplatz von einem externen Anbieter anzumieten. Dabei wird der Kunde via Netzwerk an ein Rechenzentrum des SSP angebunden. Hier soll er alles erhalten, was das Herz eines Storage-Administrators begehrt: Flexible Kapazitäten und verschiedenste Dienstleistungen zur Speicherverwaltung.

Bezahlt wird letztendlich nur die Kapazität, die der Kunde wirklich benötigt. Investitionen für Speicherplatz, der vielleicht in Zukunft gebraucht wird und zunächst ungenutzt bleibt, entfallen damit. Das heißt aber nicht zwangsläufig, dass SSP-Modelle günstiger sind als herkömmliche Storage-Installationen. Das Angebot richtet sich in erster Linie an Firmen, die keine Speicherinfrastruktur besitzen und auch in Zukunft ohne eigenes Equipment planen möchten.

Eine der ersten Firmen, die sich das SSP-Konzept auf die Fahnen geschrieben haben, war Storage Networks. Das 1998 in Waltham, Massachusetts, gegründete Unternehmen bietet verschiedene Dienstleistungen an, die unter dem Oberbegriff "Pacs" vermarktet werden (Protection, Availability, Continuity and Service & Security). Das Angebot der US-amerikanischen Company umfasst drei Service-Pacs: Die Data-Pacs-Services bedienen die Kunden mit der notwendigen Speicherinfrastruktur. Je nach Bedarf kann via Netz auf flexible Speicherresourcen zugegriffen werden. Mit den Back-Pacs-Services können Anwender verschiedene Backup- und Restore-Funktionen ordern. Über die Safe-Pacs-Services definieren Kunden Verfügbarkeitsansprüche und können sich mit Replikationsfunktionen gegen Datenverluste absichern.

Storage Networks plant, ein globales Speichernetz einzurichten, das verschiedene Knotenpunkte, so genannte Storage Points of Presence (Spops), miteinander verbindet. Bislang sind etwa 20 dieser Speicherknoten in Betrieb, hauptsächlich in den USA.

Das erste europäische Storage-Zentrum wurde vor kurzem in London eingerichtet. Weltweit agierende Unternehmen können sich mit Büros, die in der Nähe solcher Speicherzentren liegen, in das Netz einklinken und auf ihre Daten zugreifen. Der Datenbestand eines Kunden lässt sich zwischen den Spops kontinuierlich replizieren und bleibt damit immer auf dem neuesten Stand.

Ein neuer Anbieter in diesem Markt ist Electronic Data Systems Corp. (EDS). Der Servicegigant hat Mitte Mai bekannt gegeben, drei verschiedene Dienstleistungsvarianten für das Storage-Outsourcing anzubieten. Mit dem ersten Paket will das Unternehmen junge Internet-Startups adressieren. In diesem Segment mit explodierenden Speicheranforderungen verspricht sich EDS die größten Umsätze.

Das zweite Paket richtet sich an mittlere und große Firmen, die bereits eine installierte Storage-Infrastruktur besitzen, aber zusätzliche Funktionen wie zum Beispiel ein leistungsfähigeres Backup benötigen. Das dritte Paket zielt auf Kunden, die kurzfristig oder saisonal ihre Speicherkapazität aufstocken müssen, aber keine Zeit und Mittel haben, neue Systeme in die bestehende IT-Struktur einzubinden.

EDS baut seine SSP-Initiative auf Systeme von EMC. Für den im texanischen Plano ansässigen Serviceanbieter spricht seine Erfahrung im Web-Hosting. Bereits heute verwaltet der Dienstleister in mehr als 80 weltweit verteilten Rechenzentren über 6 Petabyte an Daten für seine Kunden.

Speicherspezialist EMC selbst hegt bislang keine Pläne, in das Geschäft mit via Netz vermieteten Speicherressourcen einzusteigen. Allerdings schließe das Unternehmen Verträge mit Firmen ab, die entsprechende Services anbieten, erklärt der deutsche Marketing-Leiter Malte Rademacher. Es gebe mehr Sinn, die Dienstleister als Kunden zu gewinnen, als in dem jungen Markt, den Rademacher erst im Trendstadium sieht, gegen die SSPs zu konkurrieren.

Etablierte Speicheranbieter wie EMC warten erst einmal ab, wie sich der Markt für gemieteten Speicher im Netz entwickelt. Allerdings bieten Compaq, Hewlett-Packard, EMC oder IBM ebenfalls Mietmodelle für ihre Speichersysteme und Management-Dienstleistungen an. Einziger Unterschied: Diese Dienstleistungen basieren auf Speichersystemen, die nach wie vor beim Kunden stehen. Dieser muss sich nicht mehr um die Verwaltung seiner Storage-Anlage kümmern. In diesem Segment gibt es die verschiedensten Modelle, erklärt Rademacher. Sie reichten vom Kauf über Leasing bis zur Miete des Systems.

Auch Compaq bietet ein ähnliches Modell an. So kann der Kunde beispielsweise mit der im Februar 2000 von Compaq auf den Weg gebrachten "Pay-as-you-go"-Strategie Speicher anmieten, der nach wie vor beim Kunden installiert wird. Die Preise richten sich danach, welche Kapazität tatsächlich benötigt wird, erklärt Johannes Schröder, Produkt-Manager für den Speicherbereich bei Compaq. Serviceangebote für "Kapazitäten aus der Steckdose" gebe es noch nicht.

Vor allem die jungen Internet-Companies dürften von dem SSP-Modell profitieren, glaubt Doug Chandler, Senior Analyst bei International Data Corp. (IDC). Der ständig wachsende Speicherbedarf in diesem Geschäft würde vom Dienstleister aufgefangen, ohne dass sich die Dotcom-Company um den Kauf oder das Management der Speicheranlagen kümmern müsste. Außerdem seien die Storage-Spezialisten in der Lage, kurzfristig eine hohe Kapazität zur Verfügung zu stellen. Diese Leistung ist gerade für Internet-Firmen interessant, die meist von Beginn an einen großen Speicherbedarf haben.

Allerdings gebe es keinen Sinn, nur seine Speicherinfrastruktur auszugliedern, wenn die anderen IT-Komponenten im Haus bleiben, erklärt Norbert Deuschle von der Meta Group. Deshalb würden Firmen mit einer kompletten Infrastruktur kaum Kunden von SSPs. Erst wenn größere Umstrukturierungen anstünden, wie zum Beispiel die Anlage eines zweiten Rechenzentrums im Sinne einer verbesserten Ausfallsicherheit, könnten Service-Provider-Modelle auch für solche Firmen in Frage kommen. Wenn aber ein junges Startup-Unternehmen ohne jede IT-Vorbelastung seinen Marktauftritt plant, seien SSPs von Anfang an ein sinnvolle Alternative.

IDC-Analyst Chandler warnt jedoch davor, das SSP-Modell zu euphorisch zu beurteilen. So hätten viele Chief Information Officers (CIOs) Bedenken wegen der Sicherheit der Daten. Außerdem gebe es Vorbehalte, ob die Performance beim Zugriff auf die Daten ausreiche. Auch das Kostenargument spreche nicht mehr ohne weiteres für den Mietspeicher. Durch den wachsenden Konkurrenzkampf im Speichergeschäft sei augenblicklich ein beständiger Preisverfall bei den Speichergeräten zu beobachten.

Die Storage-Experten glauben dennoch, dass das Geschäft mit ausgelagerten Speicherservices in den nächsten Jahren deutlich wachsen wird. Setzten die Anbieter im letzten Jahr weltweit etwa elf Millionen Dollar mit SSP-Geschäften um, sollen es im Jahr 2003 bereits knapp 5,5 Milliarden Dollar sein.

Die Auguren des US-amerikanischen Marktforschungsunternehmens Dataquest erwarten sogar höhere Zahlen. Nach deren Untersuchungen wird das Marktvolumen bei Speicherservices im Netz in drei Jahren auf acht Milliarden Dollar jährlich anwachsen.

Die Anwender stehen der Idee vom Mietspeicher im Netz noch skeptisch gegenüber. Vor allem die hohen Preise schrecken im Augenblick viele ab. Jordan Olin, CTO der US-amerikanischen Internet-Firma Computer.com, argumentiert, dass die Kosten bei einem externen Anbieter um 20 bis 40 Prozent höher lägen, als wenn die Systeme im eigenen Haus stünden. Nach Angaben von Storage Networks liegt der Preis für ein Terabyte gemieteten und verwalteten Speicher bei etwa 50000 Dollar pro Monat. EDS will diesen Preis nach eigenen Angaben mit seinem im Juni startenden Angebot unterbieten.

Damit dürfte ein harter Preiskampf zu erwarten sein, von dem letztendlich die Anwender profitieren könnten. Andererseits werden nicht alle Anbieter überleben. So schrieb Storage Networks letztes Jahr noch rote Zahlen und muss auf Investitionen von Partnern wie Dell und Global Crossing hoffen, die zusammen 103 Millionen Dollar in die Firma pumpten. Nicht viel angesichts der Investitionen in Höhe von über 700 Millionen Dollar für den Aufbau der notwendigen Infrastruktur. Außerdem soll der Börsengang Geld in die Kasse bringen. Wie lange die Reserven reichen, steht in den Sternen.

Der angeschlagene Speicherspezialist Storagetek hat seine SSP-Initiative vorsorglich in eine separate Firma ausgelagert und sich mit Great Hill Partners LLC einen potenten Finanzpartner an Bord geholt. So kann sich das Unternehmen die Entwicklung des neuen Trends aus sicherer Entfernung ansehen und nebenbei versuchen, sein Kerngeschäft wieder in die schwarzen Zahlen zu hieven.

Anwender aus der deutschen Banken- und Versicherungsszene können dem SSP-Modell im Augenblick noch nichts abgewinnen. Nachdem sich diese Firmen jahrelang damit beschäftigt haben, eigene Rechenzentren aufzubauen, dächten sie nicht im Traum daran, jetzt wieder alles über den Haufen zu werfen, erklärten verschiedene IT-Manager, die nicht namentlich genannt werden mochten. Vielmehr spekulierten sie darüber, selbst Serviceangebote aufzubauen, um die eigene IT auszulasten und nebenbei noch ein paar Mark zu verdienen.

PrivatspeicherAuch für den Privatanwender bieten verschiedene Firmen Speicherplatz über das Internet an. Bei Freediskspace.com, I-drive.com oder Driveway. com bekommen Interessierte meist zwischen 20 und 25 MB Speicherkapazität umsonst. Für alles, was darüber hinausgeht, müssen die Kunden zahlen. Der Platz ist in der Regel auf etwa 100 bis 300 MB pro Anwender beschränkt. Das reicht zwar für den Privatgebrauch, Unternehmen mit umfangreichen Datenbanken dürften damit aber nicht auskommen. Ferner bieten die genannten Adressen keine Services wie zum Beispiel automatisierte Backup- oder Recovery-Funktionen an. Anwender müssen die Dateien per Mausklick auf den Weg zum Server im Netz bringen.

Speicher für PalmsDie Vermieter von Speicherplatz haben auch mobile Anwender als Kunden entdeckt. Die Firma X:Drive bietet Kapazitäten für mobile Endgeräte an. So können Anwender beispielsweise mit einem Handheld via Browser und Funkmodem auf Speicherressourcen des Anbieters zugreifen. Von dort können Texte und andere Daten auf das mobile Gerät geladen werden. Die Transferregeln bestimmt das Wireless Application Protocol (WAP). Das Dienstleistungsangebot soll in Zukunft weiter ausgebaut werden. So soll es bald möglich sein, mit dem Mobilrechner Daten aus dem Netzspeicher direkt als E-Mail oder Fax zu versenden.

Abb: Machte der Anteil des SSP-Geschäfts im vergangenen Jahr gerade einmal 0,05 Prozent vom Gesamtmarkt mit Speicherservices aus, so soll dieser Wert laut den Analysten bis im Jahr 2003 auf 13,6 Prozent ansteigen. Quelle: IDC