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16.03.1990 - 

Analysten warnen vor "Ein-Produkt-Strategie"

Storagetek droht Wettbewerb in Sachen Kassetten-Bibliothek

LOUISVIILE/FRANKFURT (IDG/CW) - Nach acht Gewinn-Quartalen hat sich die Storage Technology- Corp. (Storagetek) aus der wirtschaftlichen Talsohle wieder herausgearbeitet. Dennoch äußern einige Analysten Bedenken, da das Unternehmen den Löwenanteil seiner Gewinne mit nur einem Gerät - dem Automatischen Kassetten. Archivierungssystem (ACS) - erwirtschaftet.

Von dem ACS, das bis zu 6000 Tape-Cartridges verwaltet, konnte Storagetek in den letzten zwei Jahren weltweit rund 1300 Systeme absetzen, davon etwa 125 in Deutschland. Der Preis für ein System liegt bei rund 1,2 Millionen Mark. Die Bedenken vieler US-Analysten haben ihren Grund darin, daß gerade in Sachen ACS ein verstärkter Wettbewerb bevorsteht. So bietet Memorex Telex mittlerweile in den USA ein Fujitsu-System als OEM-Produkt an. Aus IBM-nahen Kreisen hört man, daß Big Blue ein Gerät aus deutscher Herstellung testet und demnächst als OEM-Produkt anbieten wird.

Storagetek-President Ryal Poppa räumte auch ein, daß sein ACS zwar die "Lokomotive in Sachen Kassettenarchiv" sei, der Rest des Zuges mache aber allmählich Druck von hinten. Deshalb hob Poppa auch hervor, daß Storagetek keineswegs ein "Ein-Produkt-Untemehmen sei. Auch bei einem Rückgang bei den ACS-Verkäufen, bliebe sein Unternehmen wettbewerbsfähig. Außerdem stellen die Geräte der Wettbewerber nach Poppas Ansicht keine Gefahr für Storagetek dar.

So sei das IBM-Gerät, das angeblich von der deutschen Haushahn AG hergestellt wird, viel langsamer und dem ACS in allen Punkten unterlegen. Dennoch räumt er ein, das er im Falle der Auslieferung Marktanteile an Big Blue verlieren würde. Schließlich habe IBM große Marketing-Power, um so ein Gerät seinen Kunden schmackhaft zu machen. Ähnlich schätzt auch Klaus D. Beier, Geschäftsführer der deutschen Storage Technology GmbH in Frankfurt, die Situation ein. Gerade in der Bundesrepublik wurde das ACS ein voller Erfolg, der alle überraschte. Die Auftragsbücher seien von und ein IBM-Gerät dürfte hierzulande keinen großen Einfluß auf das ACS-Geschäft haben.

Bis 1991 ein fehlertolerantes Laufwerk

Gerade wegen der Gerüchte um ein IBM-Gerät setzt die US-Konzernleitung alles daran, mit neuen Geräten konkurrenzfähig zu bleiben. So sollen in den nächsten zwei bis drei Jahren sowohl kleinere, schnellere als auch größere ACS-Bibliotheken auf den Markt gebracht werden. Bis 1991 will Storagetek ein fehlertolerantes Laufwerk mit dem Codenamen "Iceberg" vorstellen, das soviel wie ein 3390. Laufwerk von IBM kosten soll. Damit wäre Storagetek nach Analystenansicht IBM und dem übrigen Wettbewerb um rund vier Jahre voraus.

Sollte es aber nicht rechtzeitig gelingen "Iceberg" herauszubringen und es zu einem Einbruch beim ACS kommen, dann erwartet Byron Walker, Analyst bei Moody`s Investor Service in New York, Probleme für das Unternehmen. Storagetek-President Poppa hat dies auch erkannt und hofft, daß es ihm gelingen wird, seine Kunden bis zur Einführung von "Iceberg" bei der Stange zu halten, daß sie in der Zwischenzeit keine anderen Laufwerke kaufen. Gerade diese Fähigkeit Poppas wird von allen US-Analysten hervorgehoben: Er habe selbst dann das Vertrauen seiner Kunden gehabt, als ein Konkursverfahren gegen Storagetek lief und das Unternehmen nach Kapitel 11 des US-Konkursgesetzes Gläubigerschutz beantragen mußte. Die Kunden glaubten damals an Poppas Ankündigungen in Sachen ACS, was sich für beide Seiten gelohnt hat. Auf dieses Vertrauen setzt das Unternehmen jetzt auch in Sachen fehlertolerante Laufwerke.

Für PCMer gibt es keine Ruhepausen

Mit der automatischen Kassettenbibliothek ACS konnte Storage Technology im Markt der PCM-Peripherie einen Volltreffer landen. Das ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, in welchen wirtschaftlichen Schwierigkeiten sich das Unternehmen noch vor drei Jahren befand - der Konkurs schien damals vielen unabwendbar. ACS brachte die Rettung und ist jetzt das umsatzstärkste Produkt im Storagetek-Angebot.

Die Unternehmensleitung tut jetzt gut daran, die Analystenwarnungen, sich allzusehr auf dieses Produkt zu verlassen, ernst zu nehmen. Auch wenn das IBM/Haushahn-Gerät - über das zwar nur Gerüchte kursieren - in seiner Leistung dem ACS unterlegen ist, so gibt es immer noch zu viele "blauäugige" Anwender, die so ein Gerät kaufen werden, weil Big Blue dahintersteht. Die PCMer müssen eben den Kampf immer wieder von neuem aufnehmen: Bessere Produkte als IBM zu liefern und das zu einem wesentlich günstigeren Preis. zek