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09.11.1984 - 

Gläubigerschutz nach dem US-Konkursrecht könnte den PCM noch einmal retten:

StorageTek muß "Chapter-eleven"-Bad nehmen

LOUISVILLE/FRANKFURT - Die Storage Technology Corp., Louisville Hersteller von IBM-kompatibler Speicherperipherie, hat Antrag auf Reorganisation unter Chapter 11 des US-Konkursgesetzes gestellt. Nicht betroffen sei die International Group, deren Ableger die deutsche StorageTek GmbH in Frankfurt ist, versichert ihr Geschäftsführer Hartmut Bödefeld.

Ein Verlust der Muttergesellschaft im dritten Quartal, der zunächst auf 20 Millionen geschätzt worden war soll sich nun auf spektakuläre 60 Millionen belaufen und dies nach roten Zahlen seit 1983, aber extremen Gewinnen zuvor. Jesse I. Aweida, Gründer und Präsident des 17 Jahre alten Unternehmens, ist unbestätigten Meldungen zufolge zurückgetreten; 150 Millionen Dollar seien inzwischen nach Einreichen des Vergleichsantrages der Nachfolge-Gesellschaft bereits wieder zur Verfügung gestellt worden.

Für sich ins Feld führen die StorageTek-Leute, die ihre Umschuldungsvorhaben offenbar nicht ohne personelle Konsequenzen und die Einleitung des Vergleichsverfahrens durchsetzen konnten, "unbelastete Vermögenswerte" von rund einer Milliarde Dollar. Sie könnten zur Finanzierung eines Gesundschrumpfungsprozesses eingesetzt werden, so der hoffnungsvolle Tenor. Im Verzug ist die Corp. eigenen Angaben zufolge mit 125 Millionen; im Chapter-11-Antrag indes wird die Höhe der Verbindlichkeiten, Agenturmeldungen zufolge, zum 31. August 1984 mit 694,5 Millionen angegeben.

Hintergrund des Finanzdesasters dürften neben der Marktdominanz der IBM und ihres "mörderischen Preiskampfes" im Markt der 3380-Diskettenlaufwerke (CW 43 vom 19. Oktober 1984) Managementfehler und Investitionen sein, die einesteils in die verfehlte Entwicklung eines eigenen Großrechners, andernteils in die Zukunftstechnologie optischer Speicher, speziell von Laser-Disks gesteckt wurden.

Davon, wie stark das Vertrauen der Banken oder der potentiellen Käufer noch in die Richtigkeit dieser Investition ist, wird das Weiterbestehen des als zu einseitig IBM-abhängig beschriebenen großen PCMs wesentlich mitabhängen. So sehen es jedenfalls High-tech-Analysten mit Börsenerfahrung.

Zweifel an der Qualität, Verfügbarkeit und praktizierten IBM-Kompatibilität der neuen optischen Platten aus der Entwicklung in Louisville, sie sind zur Zeit in den USA bereits bei IBM-Kompatiblen im Test, werden "Computergram International" zufolge von der IBM geschürt. Der Marktführer, dem kürzlich schon Control Data (CDC) im Sektor der PCM-Platten-Laufwerke das Feld geräumt hatte, verfüge nämlich nicht über eine derartige Technologie für seine Anwender. (Bei CDC sprach die Finanzwelt von 70 Millionen Verlusten in diesem Zusammenhang.)

Wie Hartmut Bödefeld, Geschäftsführer der Frankfurter Niederlassung der StorageTek, betont, funktioniert die neue Opto-Technik aus dem Staate Colorado. Die noch getrennten Einzelfunktionen sollen Mitte November auf ein oder zwei Maschinen zusammen geführt werden. Erste Auslieferungen vermutet er zwischen Frühjahr und Dezember 1985. Aufträge lägen bereits vor, er jedoch nehme für 85 keine an, denke hingegen, daß man nächstes Jahr durchaus liefern könne "auch in Deutschland". "Wirkliche Umsatzzahlen" erwartet der Optimist jedoch erst 1986.

STC erfüllt Verträge

Weitere Gründe zum Durchhalten, auch seiner Kunden, sieht Bödefeld darin, daß die International Group der StorageTek weder durch das Chapter-11-Verfahren direkt betroffen ist, noch rote Zahlen schreibt. Die Gruppe habe den Break-even-Punkt erreicht, sein Haus selbst sei in der Gewinnzone. Lieferungen aus den USA treffen laufend ein: "Wir kriegen Ware und ich komme meinen Miet- und Wartungsverträgen nach". Auch verfüge er über eine Bankzusage für 20 Millionen Mark zur Erhöhung des Grundkapitals der GmbH von 20 auf 40 Millionen.

Die amerikanische StorageTek hat wie aus VWD-Meldungen hervorgeht, immer noch freie Valenzen, um im internationalen Markt unbeeindruckt von dem heimischen Desaster zu verhandeln. Die neue Laser-Disk-Technologie wird bereits in die Gespräche um Kooperationen mit dem australischen Unternehmen Computer Power Group mit einbezogen. Der Partner vom fünften Kontinent beabsichtigt, mit spezieller Software die StorageTek-Technolgie weiterzuentwickeln, wozu in den nächsten drei Jahren 20 australische Dollar aufgewendet würden.

Börse reagiert eher positiv

Auch die Börse reagiert eher wieder positiv auf die Reorganisationsabsichten der Corp., die sich unter Chapter 11 möglicherweise einfacher gestaltet, als ohne den Schutz dieses Gesetzes, das in einem Drittel aller darunter fallender Fälle die Unternehmen konsolidiert wieder auf die Beine bringt - anders als i n deutschen Recht etwa. Mit "extremen

Schwierigkeiten" sei nur dann zu rechnen, wenn erst einmal der Goodwill zerstört sei.

Davon kann nach neuesten Berichten des Wall Street Journal nicht die Rede sein. Das Investment- und Emmissionshaus Goldman, Sachs & Co., New York, habe sich in die "Beschaffung" neuer Mittel und/oder Käufer eingeschaltet und will bereits eine S stark interessierte "Institution" ausfindig gemacht haben, die zu einer Stützungsaktion bereit sei; konkretere Angaben wurden nicht gemacht.

Die US-Gerüchteküche handelt als Interessenten aus der Branche selbst neben der obligatorischen AT&T, die immer für eine Spekulation gut ist, die britische Plessey, aber auch japanische Konkurrenten im Platten-Markt wie Hitachi und last but not least Fujitsu.

Die New Yorker Stock Exchange verkaufte am Freitag vergangener Woche das Krisenpapier mit 3,375 Dollar, einen halben Dollar höher als am Vortag. Derzeit bewerten Börsenjobber dem "Wall Street Journal" zufolge die Aktie als exquisiten Tip, "falls StorageTek seine Verluste verkraftet". Die Chancen stünden letztlich nicht schlecht. Das weltweite Vertriebsnetz der Corp., die immer noch an 15ter Stelle der größten Computerfirmen der USA steht, sei hervorragend ebenso wie der Support der Service-Organisation.

An installierter Basis stehe das Unternehmen mit seinen Bändern fast so gut da wie der Marktführer selbst, errechnete das Marktforschungsunternehmen IDC. Es sei auch ein attraktiver Kundenstamm zu erwerben - in der Bundesrepublik erste Adressen. Bödefeld nannte Bayer Leverkusen und die Hamburg Mannheimer.

Postwendend zur Vergleichsmeldung des großen Mitbewerbers beeilt sich die deutsche Niederlassung der Burroughs-Tochter Memorex, dem deutschen Markt mitzuteilen: "Durch die positive Geschäftsentwicklung stehen bei Memorex Mittel und Mitarbeiter zur Verfügung, in einem jetzt bereinigten PCM-Markt die dominierende Rolle zu übernehmen."

Noch vor knapp einem Monat "ruhten" in den USA "wegen fertigungstechnischer Mängel" die Produktionsbänder der PCM-Tochter der Nummer 3 im USA-Computermarkt zirka 14 Tage lang, und das Unternehmen mußte sich selbst einer interessierten Fachöffentlichkeit mit dem Rücken zur Wand präsentieren.