Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

30.04.1999 - 

Erste europäische Speicherkonferenz in Berlin

Storagetek und IBM gehen demnächst getrennte Wege

BERLIN (kk) - IBM läßt die bis ins Jahr 2000 terminierte OEM-Vereinbarung mit Storagetek auslaufen. Der Speicherhersteller steht vor der schwierigen Aufgabe, einen eigenen Vertrieb aufbauen zu müssen.

Storagetek (STK) stellte in Berlin die nächste Generation seiner Speicher vor, die unter dem Namen "9393 Shared Virtual Array" vermarktet wird. Dazu muß der Hersteller aus Louisville, Colorado, allerdings eine eigene Vertriebsstruktur aufbauen, nachdem IBM die OEM-Vereinbarung mit STK nicht verlängert hat. Seit 1996 hatte Big Blue die Distribution der Mainframe-Speicher betrieben, die unter der Bezeichnung "Ramac Virtual Array Storage Systems" angeboten werden.

Nun haben sich die Armonker jedoch für eine engere Kooperation mit Marktführer EMC entschieden. Die OEM-Vereinbarung mit Storagetek war damals zustande gekommen, weil Big Blues eigenes Entwicklungsprojekt nicht recht gedieh und STK, das selbst enorme Verzögerungen bis zur Fertigstellung des ersten Produkts "Icebergs" hinnehmen mußte, nicht über das notwendige Vertriebs-Know-how verfügte. Zum Zeitpunkt der OEM-Vereinbarung betrug STKs Marktanteil bei Mainframe-Speichern 15 Prozent. IDC schätzt, daß IBM den Marktanteil seither verdoppelt hat.

Big Blue glaubt, nun auf das Know-how der Speicherspezialisten aus Louisville verzichten zu können, und entwickelt ein eigenes System (Codename "Shark"). Während Storagetek den Weg zu Multi-Plattform-Speichern top-down geht, also zuerst Unterstützung für S/390, jetzt für Unix, später vielleicht für NT anbietet, beschreitet IBM mit seinem Shark den umgekehrten Weg. Das zukünftige Speichersystem basiert nach Herstellerangaben auf dem "Versatile Storage Server" (VSS), der neben NT und OS/400 auch 15 Unix-Derivate unterstützt.

VSS wird nun um die Unterstützung für S/390-Mainframes erweitert und soll neben den bisherigen 64-SCSI-Verbindungen auch Escon- und Ficon-Kanäle bereitstellen. Im Gegensatz zur Lösung von STK, die auf einem Mikrocode basiert, stützt sich Shark auf einen Unix-Kernel, was die Verwaltung vereinfachen soll. IBM plant den Shark-Speicher (möglicher Name wäre "VSS-2") im Sommer anzukündigen und hofft, ab Herbst liefern zu können.

In jedem Fall wird IBM die OEM-Vereinbarung mit Storagetek, die bis zum Jahr 2000 terminiert ist, nicht verlängern. Auch ist laut IBM-Pressesprecher Christoph von Gamm nicht geplant, das neue SVA 9393 von STK zu vertreiben.

Zudem scheint sich IBM näher an die EMC Corp. anzulehnen, mit der kürzlich ein Technologietransferabkommen für die Gebiete Speicher und Software geschlossen wurde.

Dieses sieht unter anderem vor, daß beide Parteien einander ihre Schnittstellen für Remote Copy zugänglich machen. Welche Vorgehensweise, top-down oder bottom-up, die finanziell erfolgreichere ist, bleibt abzuwarten. IDC schätzt, daß in den Jahren 1998 bis 2002 die auf NT-Servern gespeicherte Datenmenge um 114 Prozent zunimmt, während der Bestand an S/390-Daten in diesem Zeitraum nur um 45,1 Prozent wachsen soll. Wegen des dann größeren Marktes und unter der Voraussetzung von weiter sinkenden Preisen, wird der Marktanteil dafür sogar abnehmen (siehe Grafik Seite 39).

Das Thema Speicher brennt den Anwendern unter den Nägeln, wie die gut besuchte Konferenz "Eurostorage ''99" bewies, die Storagetek zusammen mit den Sponsoren Siemens, Hewlett-Packard (HP), Legato und Veritas abhielt. Randy Chalfant, der in Vertretung von Storagetek-Chef David Weiss die Konferenz eröffnete, rechnete vor, daß zirka die Hälfte der IT-Budgets für den Bereich Speicher ausgegeben werden. Daß die Ausgaben dafür auch weiterhin steigen werden, erwartet Claus Egge, Analyst der IDC, der die neuesten Zahlen über den europäischen Markt für Plattensysteme vorlegte. Danach wuchs der Markt in den Jahren 1996 bis 1998 jährlich um 200 Millionen Dollar. In diesem Jahr aber sollen Disk-Systeme im Wert von sieben Milliarden Dollar und damit um 800 Millionen mehr als 1998 ausgeliefert werden. Eine ähnliche Explosion der Nachfrage wird für das nächste Jahr erwartet (siehe Grafik).

Zusätzlich zu den Hard- und Softwarekosten müssen DV-Manager in Zukunft auch mit steigenden Personalkosten für die Verwaltung der Systeme rechnen, denn die Datenmengen wachsen exponentiell. Verfügen die Unternehmen dabei nur über dezentrale Speichersysteme, wird es teuer. Dann schafft ein Mitarbeiter die Verwaltung von nur 100 GB; rund 55 Prozent des Speicherbudgets entfallen auf die Verwaltungskosten. Sind die Datensilos aber zentral aufgestellt, frißt die Speicherverwaltung nur 15 Prozent der Ausgaben und ein Manager bewältigt 750 GB, so IDC.

Als Gründe für die steigende Datenflut sieht Analyst Egge neben dem "normalen" kontinuierlich wachsenden Informationsbestand noch andere Faktoren, die teilweise erheblich zu Buche schlagen. So entsteht durch neue Datenquellen wie dem Internet und dem Trend zu anspruchsvollen, durch Grafik, Video oder Ton aufgepeppten Applikationen Zusatzbedarf an Speicherkapazität. Auch neuartige digitale Geräte wie PDAs, Digitalkameras oder Handies, die per Infrarot-Schnittstelle an den PC angedockt werden, produzieren Daten.

Einer der Hauptverursacher der explodierenden Datenvolumina ist aber die Replikation. Sie erfolgt nach Ansicht von Storagetek-Manager Chalfant sehr unproduktiv: "Daten werden in Unternehmen nicht nur einmal, sondern bis zu viermal repliziert." Damit gesammelte Daten mehrfach nutzbar sind, bieten Hersteller den Anwendern unter dem Begriff "Data Sharing" verschiedene Lösungen an. So kann der Datenzugriff von unterschiedlichen Host-Rechnern per I/O-Emulation erfolgen, aber dieses Verfahren ist zeitaufwendig. Schneller geht das mit dem simplen Kopieren der Informationen auf die Server, wobei aber jedesmal erneut gespeichert werden muß.

Egge erklärt die Replikationswut mit der Fülle an neuen Möglichkeiten: "Daten werden mehrfach verwendet, etwa für Data-Mining oder Web-Caching." Dazu kämen dedizierte Applikationen für Arbeitsgruppen, für die ebenfalls schon einmal gespeicherte Daten kopiert werden. Generell führe die Nutzung von Internet und Extranet zu Datenreplikation und damit zu steigenden Datenmengen und verstopften LANs. Zudem sorgen die Tests für die Umstellung auf das Jahr 2000 für weiteren Bedarf an Speicherplatz. Was die Anwender dringend bräuchten, so Storagetek-Manager Chalfant, sei ein einheitliches File-System; das aber sei nicht in Sicht.

Derweil behilft man sich mit Kunstgriffen. So soll beispielsweise die Funktion "Snapshot", die Storagetek und IBM in den "Virtual Disk Arrays" einsetzen, die Datenmenge beim Replizieren nur geringfügig erhöhen. Bei diesem Konzept wird ein Index über den Speicherplatz gelegt und nur dieser kopiert. Er verweist dann auf die Stelle der Festplatte, an der sich die Originaldaten befinden. Die Eins-zu-eins-Kopie entfällt, der Replikationsvorgang wird beschleunigt.

Neue Speicher

Storagetek nutzte die Konferenz dazu, das neue "Shared Virtual Array 9393" (SVA) vorzustellen, das die Nachfolge des "Iceberg" antreten soll. Das Speichersilo unterstützt erstmals sowohl S/390-Mainframes als auch Unix-Systeme. Zunächst soll die Version für Suns Betriebssystem Solaris, später für HP-UX und IBMs AIX auf den Markt kommen. Im Vergleich zum Vorgänger steigerte STK nach eigenen Angaben die Leistung des SVA um 50 Prozent, vervierfachte die Anzahl der virtuellen Speicheradressen auf 1024 und baute Zusatzfunktionen wie "Peer-to-peer Remote Copy" ein.