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15.06.1990 - 

Eine einheitliche Tendenz ist nicht erkennbar

Strahlungsarme Monitore sind Stiefkinder in den Unternehmen

Die Gelehrten streiten darüber, inwieweit die Abstrahlung von Bildschirmen Folgen für den menschlichen Organismus hat. Nachdem sich nicht einmal die Wissenschaftler über den Umfang der gesundheitlichen Belastungen einig sind, scheint das Thema für die Unternehmen nur am Rande interessant. Sogar Betriebsräte hegen noch Zweifel, ob der vorsorgliche Umstieg auf strahlungsarme Monitore nach der schwedischen Norm sinnvoll ist.

Bisher haben sich die Experten noch keine einheitliche Meinung gebildet, ob die Bildschirmstrahlung Gesundheitsschäden verursacht. Dadurch lassen sich mögliche Auswirkungen auf den Anwender nicht von der Hand weisen. In Schweden wurden schon vor Jahren strenge Sicherheitsnormen erlassen, deren Grenzwertvorgaben für die elektrostatische Aufladung sowie für die elektromagnetische Feldemission deutlich unter den Werten liegen, die der Verband deutscher Elektrotechniker für unbedenklich hält.

Bei den Skandinavieren soll die Aufladung des elektrostatischen Feldes 1 kV/m nicht übersteigen, der VDE setzt die Höchstgrenze bei 40 kV/m an. Die magnetische Induktion steht mit 0 - 25 mT/s (millitesla) einem deutschen Wert gegenüber, der frequenzabhängig zwischen 60 und 1900 Tesla betragen kann. Und obwohl in der Bundesrepublik keine zwingenden Richtlinien existieren, kommt der Schweden-Standard immer wieder auf den Tisch.

In vielen Fällen äußern Benutzer den Wunsch nach strahlungsarmen Monitoren, die dieser Norm entsprechen. Die Anwender informieren sich aus Artikeln und Gutachten in Zeitschriften über das Thema und treten dann an den Betriebsrat oder die Personalabteilung heran.

Die Betriebsräte der Unternehmen treten erst zum Teil voll für strahlungsarme Monitore ein, einige sind immer noch skeptisch ob der Aufwand dem Nutzen Rechnung trägt. Bei der Bayerischen Hypotheken- und Wechsel-Bank AG in München kamen die Anfragen von seiten der Mitarbeiter - und das Engagement scheint sich gelohnt zu haben. Nach Auskunft von Heinz-Peter Kreuser, Betriebsratsvorsitzender des Geldinstituts, befaßt sich ein Organisationsausschuß mit dem Thema und ist mit der Arbeitnehmervertretung "permanent am werkeln". Zudem hat laut Kreuser auch die Führungsetage ein offenes Ohr für die Probleme der Mitarbeiter. Der Betriebsrat weiter: "Wir sind in diesem Bereich in unserem Unternehmen sehr fortschrittlich, die Geschäftsleitung kommt uns sehr entgegen. Wenn wir etwas Neues erfahren, wird das geprüft und man geht auf unsere Wünsche ein. Wir haben uns entschieden, in Zukunft Bildschirme anzuschaffen, die strengsten Anforderungen entsprechen."

Auch bei der Essener Ruhrkohle AG werden neugekaufte Monitore dem schwedischen Standard entsprechen. Doch starkes Engagement für die Angelegenheit läßt das Betriebsratsmitglied Hans-Jürgen Schneider nicht erkennen: "Wir versuchen natürlich, die Belastung am Arbeitsplatz jedweder Art so gering wie möglich zu halten. Aber auf der anderen Seite spielen da natürlich finanzielle Aspekte eine Rolle, die ein Betriebsrat auch im Auge behalten muß, da er schon wirtschaftliche Mitverantwortung trägt. Wenn Gerätschaften da sind, die nicht eindeutig als gesundheitsgefährdend ausgewiesen werden, dann ist es natürlich schwierig, Bildschirme besserer Qualität zum Einsatz zu bringen, vor allem, wenn letztendlich die Gefährung nicht einwandfrei bewiesen ist. Da streiten sich die Gelehrten. Das Problem in dem Bereich liegt darin, daß man eine einheitliche wissenschaftliche Aussage letztlich nicht bekommt." Sollten jedoch bei Schwangeren Bedenken wegen möglicher gesundheitlicher Auswirkungen auftreten, wird laut Schneider Rücksicht genommen: "Die Kollegin kann dann solange andere Tätigkeiten übernehmen."

Mit anderen Schwierigkeiten haben die Universitäten zu kämpfen. Hier ist die permanente Etatknappheit der Lehrstühle das größte Problem. Elisabeth Mehrlich, Personalratsvorsitzende an der Universität Augsburg, kommentiert die Bemühungen der Mitarbeitervertretung: "Die Situation des Personalrates an der Universität gestaltet sich noch schwieriger als die des Betriebsrates in der freien Wirtschaft, weil das für uns gültige Personalvertretungsgesetz schwächere Beteiligungsrechte einräumt. Erst seit 1. April 1988 hat sich durch die Inkraftsetzung des Tarifvertrags über Bildschirmarbeitsplätze die rechtliche Situation gebessert. Es war ein jahrelanger Kampf, bis die Problematik der Gesundheitsgefährdung durch PC-Arbeitsplätze in das Bewußtsein der Mitarbeiter und der Entscheidungsträger gelangt ist. Wir haben Informationsschriften zum Thema strahlungsarme Monitore an alle Stellen versandt. Es wird darüber auch diskutiert. Doch bei den meist zu knappen Etats tritt oft die Kostenfrage in den Vordergrund. Statt der besseren, aber teuren strahlungsarmen Monitore wird oft die Beschaffung billigerer beziehungweise leistungsfähigerer Rechner mit einem ergonomisch vollkommen unzureichenden Monitor beantragt. Meist bedarf es großer Überredungskunst, um strahlungsarme und dadurch im Sinne des Arbeitsschutzes sichere Geräte zu erhalten. Langsam erst zeigt sich der Trend zum Besseren. Es wird noch ein ganzes Stück Arbeit und eine Menge Geld kosten, bis die gesundheitsgefährdenden Monitore ausgetauscht sind. Darüber ist demnächst eine Dienstvereinbarung zwischen Universitätsleitung und Personalvertretung abzuschließen."

Weil die Aktivitäten der Betriebsräte und deren Erfolge so unterschiedlich sind, läßt sich auch bei den Unternehmen keine eindeutige Tendenz feststellen. Bei der Frankfurter Dresdner Bank AG vertritt der Konzernstab Personal zwar die Ansicht: "Solange die Unschädlichkeit der Strahlung am Bildschirm, und seien sie noch so gering, nicht mit letzter Sicherheit bewiesen ist, sind die Hersteller gefordert. Darum sollte das technisch Mögliche getan werden, um jegliche Abstrahlung auf ein Minimum zu reduzieren. Die in unserer Organisation eingesetzten Fachkräfte für Arbeitssicherheit sind neben den Experten für Hardware ständig mit diesem Thema beschäftigt." Inwieweit sich diese Mitarbeiter jedoch explizit mit der Bildschirmstrahlung beschäftigen, bleibt fraglich. Die Bank bevorzugt eigenen Angaben zufolge bei der Gerätebeschaffung Monitore, für die eine Bauartzulassung nach der Röntgenverordnung vorliegt und die mit dem Zeichen für geprüfte Sicherheit versehen sind. Über die schwedische Strahlenschutznorm, die heute als Optimum gilt, verlieren die Banker kein Wort.

Anders sieht es dagegen bei der Robert Bosch GmbH aus. Dort hat sich der Stuttgarter Gesamtbetriebsrat schon vor zehn Jahren mit einer Studie des Bundesarbeitsministeriums befaßt. Der Einsatz hat sich gelohnt. So wurden bei Bosch München bereits vor rund anderthalb Jahren überall Nixdorf-Terminals und PCs installiert, die dem schwedischen Standard entsprechen.

Auch bei der Bayerischen Landesbank in München setzen sich die Chefs mit den Sorgen und Nöte der Mitarbeiter auseinander. Bisher wurden zwar noch keine strahlungsarmen Monitore eingesetzt, jedoch bekamen Anwender, die auf Berichte in Zeitschriften reagierten, für ihre Bildschirme sogenannte Abschirmfilter installiert. Die Organisationsabteilung gibt sich mit dieser Art von Strahlenschutz noch nicht zufrieden. Als Ziel wird der Einsatz von Monitoren formuliert, die dem schwedischen Standard entsprechen. Eine endgültige Entscheidung hierüber hat die Direktion noch nicht gefällt, aber ein gut unterrichteter Mitarbeiter meinte, es sei ziemlich sicher, daß die Bank künftig auf diese Linie einschwenken werde. Der Trend gehe in diese Richtung und wahrscheinlich entsprächen die Bildschirme, die demnächst angeschafft werden sollen, der Schweden-Norm.

Wie beträchtlich die verschiedenen Ansichten zum Thema Strahlenschutz divergieren, zeigt sich an der Wiesbadener R + V Versicherungsgruppe. Dort scheint die Monitorstrahlung kein Thema zu sein, weder bei den Anwendern noch bei der zuständigen EDV-Abteilung. Das Unternehmen hatte zwar schon frühzeitig bei den Monochrom-Monitoren Abschirmfilter installiert, der Hauptgrund dafür lag aber nicht im Strahlenschutz, sondern in der Vermeidung von Spiegelungen. Diese Bildschirme sind mittlerweile gegen Farbmonitore ausgetauscht. Im Zuge der Neuinvestitionen wird jetzt mit den neuen strahlungsarmen IBM-Monitoren geliebäugelt. Ein möglicher Einsatz dieser Geräte sei aber vor allem auf ihre bessere Auflösung zurückzuführen, so jedenfalls Gerhard Örter von der Abteilung Anwender-PCs. Man lege kein besonderes Augenmerk auf die Minderung der Strahlenbelastung. Sie sei höchstens ein angenehmer Nebeneffekt.

Die noch schwach ausgeprägte Sensibilität in den deutschen Unternehmen bleibt auch den Herstellern nicht verborgen. Für Holter Utermark, Leiter der Presseabteilung bei der Tandberg Data GmbH, liegen die Probleme in den fehlenden gesetzlichen Vorschriften. Als Vorbild führt er Schweden an: "Dort gibt es zwar kein Gesetz, das bestimmt, wie die Bildschirme zu sein haben, aber in Schweden ist das soziale Bewußtsein sehr hoch. Wenn ein Institut empfiehlt, beim Kauf auf besondere Kriterien zu achten, werden die Hersteller nur noch Produkte an den Mann bringen, die diesen Anforderungen entsprechen." Doch auch in Deutschland gebe es mittlerweile viele Leute mit diesem Bewußtsein. Seiner Ansicht nach werden neben Gewerkschaften, Arbeitnehmer- und Arbeitgeberverbänden langsam auch die Anwender sensibel dafür. Und die Tatsache, daß sich selbst Wissenschaftler nicht einigen können, ob die Strahlung nun Gesundheitsschäden verursacht, ist für Utermark kein Thema: "Sicher mag es sein, daß sich die Gelehrten streiten. Aber warum soll das zu Lasten der Anwender gehen, wenn es doch technisch möglich ist, strahlungsarme Monitore herzustellen."