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25.01.1991 - 

Digital Equipment steht vor einem wichtigen Jahr

Strategie bei Mainframes und Unix entscheidend für Zukunft

MAYNARD (CW) - Technische Probleme, die bei DECs Flaggschiff-Rechner, der als Mainframe klassifizierten "VAX9000", aufgetreten sind, stellen nur ein, allerdings gewichtiges, Problem dar, mit dem sich Digital im Jahr 1991 konfrontiert sieht. Neben abnehmenden Absatzzahlen und in deren Folge Entlassungen in größerem Ausmaß muß man sich in Maynard auch über die Unix-Strategie klar werden, um Anwender aus der momentanen Irritation über DECs Politik zu entlassen.

Obwohl Sprecher von DEC die Schwierigkeiten mit ihrem VAX-Top-end-Rechner herunterzuspielen versuchten und andeuteten, die Verkaufszahlen für die VAX9000 blieben stabil, geben Marketing-Manager zu, daß es bei bestimmten Anwendungen zu Systemabstürzen gekommen ist. Von den zwischen Juli und September 1990 ausgelieferten 75 Systemen seien allerdings lediglich vier oder fünf Mainframes betroffen.

Aus diesem Grund startete der Mini-Marktführer im November 1990 ein Programm zur Ausstattung des Prestigeprodukts, dessen Markteinführung im Oktober 1989 mit hohen Umsatzerwartungen verbunden war, mit neuen Multichip-Schaltkreisen, die absolute Zuverlässigkeit gewährleisten sollen. Bei dieser Chip-Einheit ist die Kerntechnologie der VAX9000 betroffen, die mit IBMs Thermal-Conduction-Modules (TCM-Architektur) in deren 3090-Mainframes verglichen werden kann.

Nach Auskünften von Peter Ross, dem Produkt-Manager für die VAX9000, seien die Systemabstürze jeweils dann aufgetreten, wenn massive I/O-Aktionen und Rechenaktivitäten gleichzeitig durchgeführt wurden. Neben diesem Kernproblem an DECs Topmodell frustrierten manchen Anwender Schwierigkeiten, die mit zusammenbrechenden Netzteilen verbunden gewesen sein sollen.

Bis Ende Januar 1991 soll die "Rückhol-Aktion" abgeschlossen sein. Anwender der VAX9000 in den USA betonten allerdings, daß Digitals Unterstützung bei den Problemen außerordentlich gut gewesen sei, weswegen keine Betriebsunterbrechungen hingenommen werden mußten. Möglicherweise wegen der aufgetretenen technischen Probleme trat Robert Glorioso, verantwortlicher Manager für den Großrechner-Bereich bei DEC, seine Zuständigkeit für die Technologie-Belange betreffs der VAX9000 ab. Als Nachfolger wird William Demmer gehandelt, Vice-President und Verantwortlicher für die Midrange-VAX-Systeme sowie die VMS-Entwicklung.

Schwerer als die jetzt aufgetretenen technischen Probleme, die möglicherweise die Kaufbereitschaft von potentiellen Interessenten an DECs Mainframe drosseln, wiegt nach Meinung von Analysten ein grundsätzlicheres Manko bei den Strategen aus Maynard. Danach vertreten einige Marktforscher die Meinung, DEC habe es bereits vor zwei Jahren versäumt, für die VAX8000 ein leistungsstärkeres Nachfolgemodell zu präsentieren. Der Bedarf für eine solche Maschine wäre vorhanden gewesen, und Digital habe durch dieses Versäumnis möglicherweise bis zu eine Milliarde Dollar selbstverschuldet in den Wind geschrieben.

Eine gewisse Irritation unter DEC-Kunden und bei Analysten besteht auch wegen der Unix-Strategie des Computerherstellers. Drei verschiedene Angebote des Multiuser-Betriebssystems stellt man bislang mit AT&Ts System V, SCOs Unix-Version und dem DEC-eigenen Ultrix zur Wahl. Hinzu kommen wird nun noch die Verschmelzung von Ultrix mit dem OSF/1-Kernel. In der Theorie sind DECs Marktpläne klar definiert: Nach Worten von Glenn Johnson, Corporate Software Engineering Manager des Unternehmens, will man die unter der AT&T-Variante laufenden Rechner im Telekommunikations-Marktsegment absetzen: "Genau das fragen die Kunden nämlich nach", begründet Johnson die anwendungsspezifische Ausrichtung der AT&T-Unix-Variante.

Die SCO-Version hingegen sei den auf Basis der Intel-Prozessoren laufenden sogenannten "Application"-Rechnern vorbehalten. Das macht auch insofern Sinn, als DEC gerade erst mit dem "Application-DEC-433MP"-System einen Mehrprozessor-Server vorgestellt hat, der unter der SCO-Systemerweiterung "MPX" der Corollary Inc. läuft. Verständlich wird in diesem Zusammenhang auch die Äußerung von Johnson, daß in der Entscheidung zugunsten von SCO-Unix für den Small-Business-Bereich nicht DECs Unix-Strategie zu sehen ist: "SCO ist vielmehr Teil unserer übergreifenden Systemkonzeption", erklärt der Digital-Mann.

Problematisch für DEC könnte es nach Ansicht von Marktbeobachtern allerdings werden, wenn sich die Intel-Basis beim Anwender als beliebte Plattform für Ultrix herausstellen sollte. Eine portierte Version von DECs Unix-Version für diesen Rechnerbereich wäre nämlich nicht binärkompatibel zu der für die High-end-Rechner.

Auch die zum Ende dieses Jahres zu erwartende Ultrix-OSF/1-Version - in DEC-Kreisen auch Ultrix 5.0 genannt - könnte beim Anwender Schwierigkeiten bereiten. Zwar vertrat Johnson die Ansicht, daß Anwender für den System-Übergang ihre Applikationen lediglich zu rekompilieren hätten. Er konzertierte allerdings, daß "einige" Anwendungen neu geschrieben werden müßten, um auf der erweiterten Ultrix-Version ablauffähig zu sein.

Analysten wie Rikki Kirzner von Dataquest sehen in der vielfältigen Verzweigung der Aktivitäten des krisengeplagten Unternehmens Ansatzpunkte zur Kritik. "Digitals Produktpolitik ist schlicht und einfach verwirrend, und es steht zu befürchten, daß sie eher noch undurchsichtiger wird." Kirzner gibt zu bedenken, daß DEC sich mit dieser Strategie übernehmen könnte. "Sie wollen in jedem Marktsegment präsent sein, obwohl ich nicht sicher bin, ob ihre momentane finanzielle Situation solch ein Vorgehen überhaupt erlaubt", unkt der Marktbeobachter.

Auch Chuck Barney, Director von Workgroup Technologies in Hampton, New Hampshire, glaubt, daß der IBM-Konkurrent auf zu vielen Hochzeiten tanzen könnte. Argumentativ unterstützt wird er von Roy Schulte, dem Direktor bei der Gartner Group Inc. für den Bereich Software Management Strategien. "Müßte DEC seine Unix-Strategie heute festlegen, ihr Vorgehen wäre ein anderes. So aber ist es historisch gewachsen und nur in diesem Sinn erscheint es auch logisch", so Schulte, der allerdings seine Zweifel hat, wenn es um DECs Konkurrenzfähigkeit am Unix-Markt geht.

Besonders das Fehlen eines unter Ultrix laufenden Transaktions-Monitors sieht er als Manko und Wettbewerbs-Nachteil. "Da hat die Konkurrenz immerhin Produkte angekündigt, wenn auch noch nicht ausgeliefert", gibt Schulte zu Bedenken, Digital könnte ins Hintertreffen geraten, wenn man nicht in allernächster Zeit diesen Vorsprung der Mitbewerber aufholen würde.

Kontraproduktive Kräfte scheinen auch innerhalb des Unternehmens zu wirken: So vertritt Chris Christiansen von der Meta Group die Meinung, prinzipiell sei Unix respektive Ultrix bislang für DEC nicht mehr als ein Stiefkind - dies, obwohl man zumindest im unteren Rechnersegment gar keine andere Wahl habe, als Unix zu fördern, das diesen Bereich in Zukunft dominieren werde.

Christiansen sieht jedoch auch hoffnungsvolle Zeichen für DEC: Im Marktsegment fehlertoleranter und transaktionsorientierter Systeme sei man zwar noch ein bis anderthalb Jahre hinter den Konkurrenten Tandem und Stratus zurück und in puncto Preis-Leistungs-Relation werde man diesen beiden auch nicht das Wasser reichen können. Wenn DEC jedoch, wie Christiansen schätzt, Ende 1992 dedizierte VAX/Rdb-Prozessoren in einem Cluster-System anbieten könne, werde es ein ernst zu nehmender Konkurrent für die beiden den Markt fehlertoleranter Systeme beherrschenden Anbieter.