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12.10.1984 - 

Informationspolitik anhand der Unternehmensziele definieren:

Strategische DV-Planung nicht ohne DV-Chef

DV-Manager, die nach wie vor an Bits und Bytes kleben, haben wenig Chancen, in der Zukunft beruflich zu überleben. In den Beiträgen der COMPUTERWOCHE vom 24.08.1984, Seite 37 sowie vom 28.09.1984, Seite 4, wird Mut zum Risiko und vor allem ein Umdenken in unternehmensstrategische Kategorien gefordert. Nur: Warnungen sind gut, Hilfestellung ist besser. Deshalb tut es not, die DV-Chefs mit Anregungen für eine eigene Problemlösungsstrategie zu unterstützen.

Um Mißverständnissen vorzubeugen: Es geht nicht darum, Überlebensstrategien zur Konservierung heutiger Verhältnisse zu entwickeln - vielmehr soll der Bedeutung des Faktors Information im Rahmen unternehmensstrategischer Ziele Rechnung getragen werden. Dem Vorstand oder der Geschäftsführung werden die Notwendigkeiten über kurz oder lang schon klar werden - die Frage ist nur, ob durch den DV-Chef, mit ihm zusammen oder über seinen (unbeteiligten) Kopf hinweg.

DV als wichtigstes Organisationsmittel

Wie muß der DV-Chef argumentieren? Welche Erkenntnisse sollen an oberster Stelle im Unternehmen hervorgerufen werden? Dies ist einfach zu definieren: Datenverarbeitung hat sich vom reinen Werkzeug zum wesentlichen Organisationsmittel gemausert. Wesentlich insofern, weil einige existenzbedingende Faktoren direkt oder indirekt von ihr abhängen. Die Wirtschaftlichkeit des unternehmerischen Handelns ist heute ebenso stark von der Form der angewandten Datenverarbeitung abhängig wie die Reaktionsfähigkeit auf Marktveränderungen, das rasche Bedienen von Marktforderungen (wie Anfragen, Bestellungen), die Forschung und das rechtzeitige Erkennen von Entwicklungen, die aus dem Ruder laufen. Zudem ist in vielen Betrieben der Kern des Unternehmens-Know-hows durch DV-Verfahren dargestellt oder in ihnen abgebildet.

Datenverarbeitung darf deshalb aus der Sicht der Unternehmensführung nichts sein, was

- den Technikern überlassen werden kann

- von "oben" her nicht transparent wirkt

- sich nach dem Gusto unterer und mittlerer Entscheidungsebenen weiterentwickeln darf

- eine ungesicherte Existenz fristet.

Aus diesem Grund sind in einigen großen Unternehmen schon seit längerer Zeit Bemühungen im Gang, eine Art "Informationspolitik" aus der Sicht der Unternehmensführung zu definieren. Der Weg dorthin ist schwierig. Um Ziele für die DV-Organisation vorzugeben, Ziele die nicht nur kurzfristig gelten sollen, müssen zunächst die Unternehmensziele daraufhin abgeklopft werden, inwieweit sie Vorgaben für die Organisation enthalten, oder inwieweit sich solche Vorgaben unmittelbar ableiten lassen. Gelingt das nicht, so sind die Unternehmensziele kritisch zu revidieren. All das ist nicht einfach - kaum die Hälfte der Unternehmen haben schriftlich fixierte Ziele. Wie schwierig ist es dann, Unterziele zu definieren. Aber: Wenn sich die DV-Organisation in Übereinstimmung mit den Absichten des Unternehmens entwickeln soll, sind dergleichen Überlegungen - Zielvorstellungen - erforderlich.

Zentrale Anlaufstelle

Sodann muß durch Richtlinie angeordnet werden, daß DV-Anlagen in allen Anwendungsbereichen (kaufmännisch, technisch, Produktion, Forschung, Verwaltung) nur angeschafft werden dürfen, wenn die beabsichtigte Verwendung sowie die Frage der Kompatibilität zu anderen Systemen und Bereichen vorher durch eine fachkundige Stelle im Unternehmen geprüft wurde. Eine solche Stelle darf sich nicht als Mittel der Obstruktion verstehen - sie muß Automationsbemühungen der dezentralen Stellen rasch behandeln und dabei prüfen, inwieweit sich die geplante Entwicklung in Einklang mit den festgeschriebenen Zielen befindet.

Diese zentrale, fachkundige Stelle hat deshalb auch eine starke Stimme wenn es um Verfahren wie Sprachen, Compiler oder Generatoren geht. Sie ist zu befragen, wenn Standardsoftware angeschafft oder Sicherheitsmaßnahmen eingeführt werden sollen.

Prüfprogramm entscheidend

Eine solche Einrichtung wirkt nur dann erfolgreich, wenn es Kontrollmöglichkeiten gibt. Denn was hilft die schönste Richtlinie, wenn an der Front gemacht wird, was der Einzelne für richtig und nützlich hält. Die interne Revision ist deshalb stärker in die Prüfung der DV-Einrichtungen einzubeziehen. Dabei steht dann auch die Einhaltung der betriebsinternen Spielregeln mit auf dem Prüfprogramm.

Die hier skizzierte Entwicklung enthält ein ehrgeiziges Programm, das dürfte feststehen. Gilt es doch, Rivalitäten zwischen der Datenverarbeitung und den immer unabhängiger werdenden Nutzern auszugleichen, den Kontrollanspruch der Revision durchzusetzen, Benutzer in ihren Anwendungswünschen zu beschneiden und gleichzeitig eine neue Superbürokratie zu verhindern. Erfolgreich kann ein solches Vorgehen nur dann sein, wenn

- Vorstand oder Geschäftsführung die Ordnung der Datenverarbeitung zur Chefsache erklären;

- die Vorteile einer mehr dezentralen Datenverarbeitung mit den Vorteilen einer zentralen Koordination so verknüpft werden, daß typische Nachteile eines dezentralen Wildwuchses ebenso ausgeschlossen werden, wie die Nachteile einer zu starken Zentralisierung;

- die mit der DV arbeitenden Bereiche (und das sind heutzutage nahezu alle Unternehmensteile) auf die Organisationsziele eingeschworen werden;

- Kontrollmaschinen installiert werden.

* Hans Gliss ist Mitarbeiter der Scientific Control Systems GmbH (SCS), Bonn