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17.09.1993

Strategische Informationen nicht quantifizierbar? Es muessen Masseinheiten fuer den DV-Nutzen gefunden werden

Datenverarbeitung, in den vergangenen Jahrzehnten vorrangig ein wichtiges Mittel der Rationalisierung, wird heute auch als nicht zu vernachlaessigender Kostenerzeuger betrachtet und in dieser Hinsicht immer kritischer unter die Lupe genommen. Robert Huerten* befasst sich mit der Frage, wie sich der Nutzen strategischer Informationssysteme quantifizieren laesst.

Das wachsende Kostenbewusstsein im Hinblick auf die DV fuehrt dazu, dass Kennzahlen zur Beurteilung ihrer Wirtschaftlichkeit entwickelt werden. Sie beziehen sich nicht nur auf die Leistungen der Rechenzentren, sondern auch der Software-Entwicklung. Sie erfassen zum Beispiele die Kosten pro Druckzeile oder Transaktion und den Aufwand pro Programmzeile. Derartige Zahlen werden zum Beispiel ueber Rechenzentren erstellt, um ihre Wirtschaftlichkeit und Produktivitaet zu ueberwachen und zu steuern. Aus der Sicht des Anwenders stellt sich die Frage, ob Produkte beziehungsweise Leistungen, die von der Datenverarbeitung bezogen werden, das gezahlte Geld wert sind. Dieses Verhaeltnis wird im englischen Sprachraum als "Value for money" (VFM) bezeichnet. Die Schwierigkeit dabei ist, dass Masseinheiten fuer den Nutzen gefunden werden muessen.

Beim heutigen Stand der Informationstechnik sind drei Bereiche der Nutzenermittlung zu unterscheiden: der operative, der kommunikative und der strategische.

Die operative Informationsverarbeitung ist der aelteste Bereich. Hier wird die Informations- technik unter dem Gesichtspunkt der Rationalisierung von Arbeitsablaeufen betrachtet. Beispiel: Das Auftragswesen oder die Fertigung koennen weniger personal- und material- oder kapitalintensiv gestaltet werden. Ein Nutzen laesst sich hier rechnerisch ermitteln als Kostendifferenz zwischen unterschiedlichen operativen Verfahren.

Als kommunikativer Bereich wird der Datenaustausch und -transport zwischen internen und externen Stellen bezeichnet. Hier liegt der Nutzen etwa in einer rechnerisch nachweisbaren Senkung von Transport- und Finanzierungskosten bei unterschiedlichen technischen und organisatorischen Loesungen.

Mit grossen Informationssystemen lassen sich immer haeufiger "strategische Informationen" gewinnen. Ihnen wird leicht ein nicht bewertbarer und quantifizierbarer Nutzen zugesprochen, der sich weder nach operativen noch nach kommunikativen Gesichtspunkten messen laesst. Typisches Beispiel sind Informationen ueber den Mitbewerb. Laesst man diese Argumentation zu, gehen die Moeglichkeiten der Kosten-Nutzen-Analyse verloren. Wenn aber keine rationellen Vorteile zu ermitteln sind, wie soll dann der Nutzen eines Informationssystems bewertet werden?

Bedeutung und Nutzen einer Information koennen an folgenden Eigenschaften gemessen werden: Dichte, Aktualitaet, Alter und Nutzungsgrad.Dichte: Informationen bilden Vorgaenge, Tatbestaende oder Ergebnisse ab. Je mehr Vorgaenge etc. eine Information abbildet, um so dichter ist sie. Man spricht zum Beispiel von verdichteten Zahlen. Ein Bilanzkonto hat eine groessere Informationsdichte als ein einzelnes Sachkonto, da es ueber sehr viele Umsaetze mehrerer Konten Auskunft gibt. Eine Masszahl fuer die Informationsdichte ist die Zahl der in ihr verdichteten Einzelinformationen. Sie ist eine Zahl groesser 1.

Aktualitaet: Informationen, die nicht synchron die abzubildenden Vorgaenge etc. darstellen, verlieren an Bedeutung, je groesser die Zeitdifferenz zwischen der Realitaet und deren Abbildung ist. Die Informationen Monatsendsaldo, Tagesabschluss und Real-time-Buchung koennen die gleichen Vorgaenge abbilden, aber sehr unterschiedlich aktuell sein.

Die Aktualitaet kann gemessen werden an der zeitlichen Differenz zwischen realem Ereignis und dessen Abbildung. Je geringer diese Differenz ist, um so hoeher ist die Aktualitaet. Die Masszahl liegt zwischen 1 und 0.

Alter: Aktuell erstellte Informationen verlieren an Bedeutung, je spaeter sie verwendet werden. Je hoeher das Alter einer Information ist, um so geringer ist in der Regel ihr Nutzen. Der durch Alter bedingte Wertverlust einer Information kann je nach dem Interesse des Betrachters sehr variieren. (Der Wert von Geschichtsschreibung etwa kann mit dem zeitlichen Abstand zum Ereignis sogar zunehmen.) Die Masszahl liegt zwischen 1 und 0.

Nutzungsgrad: Die Bereitstellung einer Information mit hoher Dichte und Aktualitaet ist nutzlos, wenn sie nie benoetigt wird.

Je oefter eine Information verwendet wird, um so groesser ist ihr Nutzen. Die Masszahl ist eine Zahl groesser 1.

Um den Gesamtnutzen einer Information zu ermitteln, ist das Produkt aus den Masszahlen fuer Dichte, Aktualitaet, Alter und Nutzungsgrad zu bilden. Es ist jedoch zu beachten, dass die Skalierungen fuer die Masszahlen von Anwendungsbereichen abhaengen werden. Eine Information ueber ein Verbrechen hat fuer die Justiz nach 30 Jahren den Altersfaktor 0 (Verjaehrung). Fuer einen Schriftsteller dagegen kann die gleiche Information noch einen Wert nahe bei 1 haben.

Der Nutzen eines Systems

Der Informationsnutzen eines Anwendungssystems ergibt sich aus dem Verhaeltnis der Summe der Nutzen aller im System gespeicherten Informationen zu deren Anzahl.

Die Ueberlegungen zur Ermittlung des Nutzens von gespeicherten Informationen auf der beschriebenen Basis stehen erst am Anfang. Vielfache statistische Untersuchungen werden notwendig sein, um Wertetabellen fuer unterschiedliche Anwendungsbereiche erarbeiten zu koennen.

*Robert Huerten, Huerten & Partner Unternehmensberatung, 64560 Riedstadt