Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.


31.01.1992

Strategische IV der 90er Jahre: Das Ziel muß Flexibilität sein

Der Kommentar basiert auf dem einleitenden Vortrag des Verfassers auf dem Outsourcing-Kongreß in Böblingen am 17. September 1991

Die Datenverarbeitung und Organisation steht heute in vielen Unternehmen auf dem Prüfstand und muß einer kritischen Betrachtung standhalten. Die Ursache dafür läßt sich nicht isoliert betrachten, sondern muß aus der jetzigen Unternehmens-, Markt- und Wettbewerbsrealität heraus beurteilt werden. Diese Beurteilung ist nicht primäre Aufgabe der Datenverarbeitung und Organisation nach heutigem Verständnis, sondern Aufgabe des Unternehmers beziehungsweise der obersten Unternehmensleitung.

Der kompetenten Führung von Konzernen, Unternehmen und Geschäfts- beziehungsweise Fachbereichen kommt heute und in naher Zukunft die entscheidende Bedeutung zu, und Fehler, Sünden, Nachlässigkeiten im Management aller Organisationseinheiten werden eine größere Tragweite in den Konsequenzen für die Unternehmenseinheit und deren Existenz erfahren.

Sehr viele Prozesse sind automatisiert, einige bedürfen noch der Technikunterstützung, manche eignen sich nicht dafür oder sind zu unrecht automatisiert. Im Gegensatz zur technischen Informatik, bei der zum Beispiel durch Meßdaten Steuerungsprozesse und Entscheidungen vielfach ohne menschliches Zutun erfolgen können, impliziert die Unternehmens-Informationsverarbeitung immer das Mitwirken des Menschen als Akteur und Entscheidungsträger oder als "Zielsystem".

Dies unterscheidet im wesentlichen die Datenverarbeitung von der Informationsverarbeitung. Dieser unterschied erfährt in manchen Unternehmen nur, einen begrifflichen, aber keinen inhaltlichen Wandel.

Die Informationsverarbeitung im Unternehmen, und dazu zählt natürlich auch die technische Informatik, hat per se strategischen Charakter ohne im einzelnen dafür eine Beweisführung antreten zu müssen -, wenn es ihr Auftrag ist, für die Optimierung der internen wertschöpfenden Abläufe direkt oder indirekte technikunterstützt oder konventionell zu sorgen.

Während die Datenverarbeitung bislang schwerpunktmäßig technische Infrastrukturen und Verfahren zur Verfügung stellt, behandelt die informationsverarbeitung an erster Stelle die Organisation und Koordination der Resultate des Zusammenspiels, der Ressourcen Technik und Personal unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten.

Diese Veränderung ist also kein quantitativer, sondern ein qualitativer Wandel. An allererster Stelle des Zielhorizonts steht dabei der notwendige Zuwachs an Flexibilität, um Strukturren, Abläufe und vor allem menschliche Einstellungen - nicht nur im Osten - den sich schnell ändernden von den Märkten verursachten Gegebenheiten anzupassen

Es sind die Informationen und deren Verarbeitung (Handeln), nicht mehr nur die Daten, um die man sich kümmern muß. Viele technische Neuerungen und Verfahren bedürfen der wirtschaftlichen und flexibilitätssteigernden Implementierung im Unternehmen.

Schnelle und sichere ISDN-Kanäle mit der Nutzung dahinterliegender Kommunikationsdienste, wie externe Datenbanken, Rechnerankoppelung und -integration, Daten-, Text-, Bild- und Sprachkommunikation mit internen und externen Partnern, müssen Einsparungen und/oder Erfolgs- sowie Ertragsverbesserungen für die Geschäftstätigkeiten verursachen.

So ließen sich durch den Einsatz dieser Techniken die Kundenorientierung verbessern, Auftrags- und Produktionszyklen verringern, materielle Ressourcen besser auslasten, teure Mitarbeiter beispielsweise durch Tele- und mobile Arbeit besser nutzen, Beschaffungsvorgänge durch Internationalisierung optimieren etc.

All das erzielt man nicht durch das Installieren dieser technischen Lösungen allein, sondern nur durch das nachhaltige Um- und Einsetzen der Möglichkeiten bei den Nutzern entsprechend der Ziele mittels, organisatorischer Anpassungen.

Outsourcing bedeutet, durch Verringerung der "Fertigungstiefe" Nichtstrategisches, Operationales, Instrumentelles besser und effektiver erzeugen zu lassen, um die Aufwendungen dafür in ein Mehr an Erträgen für das Unternehmen münden zu lassen. Die Prüfung des Einzelfalls muß ergeben, was dazu gehört und was nicht.

Die Vergabe von zusammenhängenden Funktionen der Datenverarbeitung an externe Partner - Auslagerung, nicht Ausgliederung -, um technische und operative Leistungen zu erhalten, kann nicht bedeuten, sich der Umsetzung dieser Leistungen im Unternehmen mit Hinblick auf die Steigerung der Flexibilität und dem Erreichen der Unternehmensziele zu entziehen.

Informationsverarbeitung im Unternehmen läßt sich niemals auslagern. Nur kaputte Unternehmen verarbeiten Informationen nicht mehr selbst. Es kann nie ein vollständiges Outsourcing geben, keine Quelle, aus der die Informationen von allein sprudeln und Handlungen vorgegeben werden.

Outsourcing richtig verstanden und umgesetzt - ist ein probates Mittel, die Qualität, Effizienz und Zielorientierung der Unternehmens-Informationsverarbeitung zu erhöhen, weil hochwertige Spezialressourcen beim Partner besser ausgelastet werden können.

Im Bereich der heutigen Datenverarbeitung und Organisation allerdings trifft dieser Wandel hierzulande meist auf festgefahrene Einstellungen und gewohnte Strukturen und Abläufe. Outsourcing wird jedoch für viele unumgänglich sein, wobei es unterschiedliche Formen und Ausmaße der Auslagerung.

Schon allein die Diskussion hierüber im Unternehmen kann heilsam sein und eine Veränderung bewirken Outsourcing darf nicht apodiktisch gefordert werden und ist sicher nicht a priori für jede Unternehmen gleichermaßen geeignet.

Es hängt von vielen Faktoren ab, etwa von Standort, Mitarbeiterstruktur, Produkten, Absatz märkten, Marktposition, Unternehmensgröße, bestehenden organisatorischen Strukturen und Ressourcenausstattung und - last but not least - von der Unternehmenskultur und der Unternehmensentwicklung. Entscheidend ist für die Mehrzahl der Unternehmen - ob unter Zuhilfenahme des Outsourcing, jetzt oder später oder gar nicht -, daß der Einsatz jeder Informationstechnologie im Unternehmen so aktiv gestaltet w den muß, daß die Anwender und Nutze damit eine Flexibilitätssteigerung für das Unternehmen herbeiführen können.

Man wird sich mit Unternehmen messen lassen müssen, die vielleicht nicht die besseren Produkte haben, aber dennoch in der sind, höchst flexibel Nachfragepotentiale abzuschöpfen und neue Märkte vorzudringen. Outsourcing schafft die Möglichkeit - in manchen Fällen gibt es keine Alternative -, in das Stadium einer effizienten, mit einer verringerten "Fertigungstiefe" arbeitenden Informationsverarbeitung kurzfristig einzutreten. Je eher man sich darauf vorbereitet, desto besser.

Franz C. Bürger Selbständiger Unternehmensberater und Fachjournalist in Fürth/Bayern.