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18.02.2000 - 

Turbulenzen an der Führungsspitze, unzufriedene Kunden

"Strato zu verkaufen, war ein Fehler"

Mit Norbert Stangl, Ex-Vorstand der Strato Medien AG, sprachen die CW-Redakteure Wolfgang Miedl und Frank Niemann.

CW: Wieso haben Sie Strato an Teles verkauft?

Stangl: Das Unternehmen ist trotz einiger Probleme in seinem Sektor eines der erfolgreichsten weltweit. Uns wurde von der Teles eine sehr hohe Summe geboten. Außerdem fürchteten wir den Wettbewerb, denn auch die Telekom und die 1&1-Gruppe wollten in den Web-Hosting-Markt vordringen. Ursprünglich hatten wir nicht vor, die ganze Firma zu verkaufen, Teles wollte aber alles. Wir sind schließlich auf das Angebot eingegangen, was sich im Nachhinein natürlich als Fehler herausstellte.

CW: Hat sich das Wachstum noch beschleunigt?

Stangl: Zu meiner Zeit haben wir 20000 bis 30000 Domains pro Monat angemeldet, zur Zeit liegt die Rate etwa bei 30000 bis 40000. Damals haben wir die Wachstumsprobleme gemeinsam mit Xlink gelöst. Heute scheint das nicht mehr der Fall zu sein. Es nutzt nun mal nichts, einen Lieferanten ausbluten zu lassen.

CW: Sigram Schindler, Vorstandsvorsitzender der Strato-Mutter Teles, behauptet, schuld an den Problemen sei der Provider Xlink, deshalb wolle er einen Vertrag mit der Muttergesellschaft KPN Qwest in Amsterdam.

Stangl: In diesem schnell wachsenden Business muss man partnerschaftlich miteinander umgehen. Offenbar hat nach unserer Abberufung die Kommunikation zwischen Strato und Xlink nicht mehr gestimmt. Der Provider war während unserer Amtszeit immer ein guter und verlässlicher Partner. Wir haben stehts eine Lösung für die aus dem schnellen Wachstum resultierenden Probleme gefunden. Später wurden von Teles anscheinend nicht die erforderlichen Investitionsentscheidungen getroffen.

CW: Ist Ihnen bekannt, dass schon viele Kunden zur Konkurrenz gewechselt sind?

Stangl: Davon weiß ich nur aus Gerüchten. Nach meiner Überzeugung kann Strato die technischen Probleme in den Griff kriegen und den Kunden die Leistung liefern, die sie erwarten. Der Web-Hoster hat ja auch in den ersten zwei Jahren sein Wachstum gemeistert.

CW: Der jetzige Strato-Vorstand Rochus Wegener behauptet, Sie hätten nach der Übernahme durch Teles das Unternehmen nicht weiter vorangebracht. Laut dem Berliner "Tagesspiegel" seien Sie an einem wirtschaftlichen Erfolg nicht interessiert gewesen, da Sie die Firma billig zurückkaufen hätten wollen.

Stangl: Nach der Übernahme haben wir härter gearbeitet als je zuvor. Unser Interesse war es ja, Strato an die Börse zu bringen.

CW: Hatten Sie das Gefühl man wollte Sie aus dem Unternehmen drängen?

Stangl: Nein. Im Gegenteil. Nach unserer plötzlichen Abberufung wurde ich immer wieder seitens Teles gefragt, ob ich nicht in den Strato-Vorstand zurückkehren möchte. Teles war aber nicht bereit, sich mit mir auf faire Konditionen zu einigen.

CW: Gab es, nachdem Sie das Unternehmen verlassen haben, eine Fluktuation beim Web-Hoster?

Stangl: Ein Teil der Führungsmannschaft ist zu Herrn Ullrich gewechselt. In meiner heutigen Firma arbeitet jedoch kein ehemaliger Strato-Mitarbeiter. Ich beschäftige bewusst keine ehemaligen Mitarbeiter in meinem neuen Unternehmen, um Konfrontationen zu vermeiden.

CW: Gab es schon zu Ihrer Amtszeit Personalprobleme?

Stangl: Ja, so wie bei jedem schnell wachsenden Unternehmen. Aber man kann mir heute - mehr als sechs Monate nach meinem Ausscheiden aus der Strato AG - sicher nicht anlasten, dass die Hotline nicht funktioniert. Gegenüber der Presse hat sich Teles-Chef Schindler jedoch dahingehend geäußert, dass die jetzigen Probleme auf Fehler in der Vergangenheit zurückzuführen und vom damaligen Management gemacht worden seien.

CW: Wie war denn das Verhältnis zwischen Ihnen und Schindler?

Stangl: Schindler und ich kennen uns schon seit vielen Jahren. Kennen gelernt habe ich ihn in meiner Funktion als Geschäftsführer bei 1&1. Damals war Teles unser Lieferant für ISDN-Karten. Schindler und ich haben jahrelang geschäftlich zusammengearbeitet und schätzen uns gegenseitig. Noch in einem Gespräch im September letzten Jahres hat er mir versichert, dass das von mir aufgebaute Marketing und die Operations der Strato AG exzellent funktionieren. Die Leitungsebene werde er jedoch massiv ausbauen und mir mal zeigen, wie man ein solches Unternehmen richtig managt.

CW: Wird sich Ihrer Meinung nach die Situation für die Strato-Kunden verbessern?

Stangl: Man wird sich mit Xlink zusammenraufen müssen. Erste Anzeichen dafür sind, dass KPN Qwest, die Muttergesellschaft von Xlink, mit im Boot ist und zugesagt hat, die technische Infrastruktur auszubauen.

CW: Wie beurteilen Sie den Zukauf von ABC Telemedia?

Stangl: Es ist ein Unternehmen mit einem großen Marktanteil, mit dem Strato weiter wachsen kann.

CW: Was raten Sie den Strato-Kunden?

Stangl: Bei der Firma zu bleiben. Die Technik ist in den Griff zu bekommen, wenn man partnerschaftlich mit dem Lieferanten nach Lösungen sucht. Die große Masse der Kunden ist aber eher zu leidensfähig. Ich würde da als Kunde wesentlich mehr Druck ausüben.

CW: Auf welche Weise denn?

Stangl: Ich habe kein Standardrezept. Es ist natürlich schwierig, als Mieter einer Domain für 49 Pfennig im Monat gegen eine Firma vorzugehen.