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15.06.2001 - 

Unternehmenskommunikation und E-Learning via Web

Streaming-Media erobert das Firmennetz

Was im Internet fast schon selbstverständlich ist, wächst nun auch in unternehmensweiten Intranets heran: Site-Betreiber peppen ihre Webpages mit Streaming-Media für Video und Ton auf. Zu den Anwendungsgebieten zählen vor allem E-Learning sowie die Unternehmenskommunikation. CW-Bericht, Frank Niemann

Neben Texten und Grafiken stellen immer mehr Website-Betreiber Audio- und Videoinhalte online. Surfer konsumieren diesen Content mit Abspielprogrammen wie "Realplayer" des Streaming-Pioniers Real Networks, "Windows Media Player" von Microsoft oder Apples "Quicktime" - vorausgesetzt, die Netzbandbreite lässt bewegte Bilder zu. Bedient werden diese Player von Streaming-Servern, die Audio- und Videosignale in einem kontinuierlichen Datenstrom übertragen, vergleichbar mit der Ausstrahlung von Fernsehprogrammen.

Waren es bisher vor allem Medienunternehmen sowie Webshop-Betreiber, die ihre Klientel mit Streaming-Media-Inhalten versorgten, gehen nun vermehrt Firmen dazu über, Video- und Tonsequenzen im Intranet beziehungsweise Extranet zugänglich zu machen.

Viele große Unternehmen verfügen über eine Vielzahl an Videomaterial, gespeichert auf Kassetten, CDs, DVDs oder Datenbanken. Da finden sich Schulungskassetten, auf Video aufgezeichnete Dokumentationen, Vorträge sowie Handbücher und Vorschriften. Durch das "Streamen" dieser Inhalte ersparen sich die Firmen die Produktion und den Versand dieser Datenträger sowohl an interne Abteilungen als auch an Händler oder Geschäftspartner. Es drängt sich eine Analogie zu den frühen Tagen des Internet auf: Vor einigen Jahren haben Unternehmen damit begonnen, Informationsmaterial für Händler, wie beispielsweise Produktdatenblätter, Preislisten oder Dokumentationen, nicht mehr zu drucken, sondern auf Extranet-Sites zu stellen. Nun vollzieht sich ein ähnlicher Sinneswandel mit Videos.

Vor allem Banken, Versicherungen und die Automobilbranche starten solche Projekte, da sie einerseits über eine Vielzahl an Niederlassungen und Handelsverbindungen, andererseits über eine Fülle an Schulungs- und Trainingsmaterial auf Videos verfügen. Ein deutscher Automobilhersteller beispielsweise produzierte bisher VHS-Kassetten mit Anleitungen in verschiedenen Sprachen, die vierzehntägig per Post an die einzelnen Zweigstellen verschickt wurden. Nun baut das Unternehmen eine Streaming-Lösung im Intranet auf.

Gern verweisen die Anbieter von Streaming-Software und -Dienstleistungen auf die vielfältigen Einsatzgebiete der Technik im Unternehmen. Statt Heerscharen von Angestellten auf Kurse zu schicken, sollen sie an ihrem PC das Wissen im Vortragsstil eingetrichtert bekommen. Hierbei setzen Site-Betreiber Techniken ein, die Präsentationssoftware mit Streaming-Video verknüpfen. Den Lerninhalt kann der Schüler dann immer wieder abrufen. Die Lufthansa beispielsweise bereitet ihre Stewarts und Flugbegleiterinnen mittels Streaming-Technik auf den Einsatz im Linienjet vor.

Auf einen boomenden Markt für E-Learning hofft unter anderem der Computerhersteller SGI, der in diesem Markt mit dem israelischen Anbieter von Lernsoftware Arel kooperiert. Arel entwickelt Interactive-Distance-Learning-Systeme, mit denen Firmen sowohl Live-Schulungen abhalten als auch Lerneinheiten auf Abruf im Netz zur Verfügung stellen können. SGI bringt dabei seine "Origin"-Server sowie die hauseigene Streaming-Software "Kasenna Mediabase" ins Spiel. Mit diesem Programm, eine Art Content-Management-System für Streaming-Media, verwalten und verbreiten Unternehmen multimediale Inhalte.

Live-Streaming

Streaming-Übertragungen eignen sich darüber hinaus für neue Formen der Unternehmenskommunikation. Die Live-Übertragung von Hauptversammlungen im Internet zählt schon zur Pflichtübung vieler Aktiengesellschaften. Einige Firmen gehen einen Schritt weiter und planen ein hauseigenes Business-TV im Intranet. Allerdings sind so manchem Unternehmen, das bereits ein eigenes TV-Studio betreibt, die hohen Kosten sowie die aufwändige Herstellung der Sendungen ein Dorn im Auge. Einen Firmenkanal auf Basis von Streaming-Media-Technik könnten Anwender aber schon für 25000 bis 50000 Mark einrichten, verspricht Heimo Adamski, Geschäftsführer des in Hallbergmoos bei München ansässigen Anbieters von Streaming-Software Media 100. Allerdings lassen sich für einen solchen Betrag nur weniger aufwändige Inhalte präsentieren. Denkbar wäre etwa die Präsentation des Firmenchefs, der seinen Mitarbeitern am PC-Arbeitsplatz per Video die Lage des Unternehmens schildert.

Für die technische Realisierung müssen zum einen Programme angeschafft werden, um die Inhalte zu erstellen und zu verwalten, sowie Server zum Speichern und Publizieren. Hinzu kommen Netzkomponenten, um den breitbandigen Content in guter Qualität zum Empfänger zu transportieren, denn wegen der hohen Datenraten für den Transport von Videos über IP-Netze müssen Firmen ihre Netzinfrastruktur ausbauen. Wenn beispielsweise 10000 PC-Anwender gleichzeitig einen Film mit einer Übertragungsbandbreite von 128 Kbit/s "streamen" wollen, müsste der Server mehr als ein Gigabit an Daten pro Sekunde liefern - was kaum wirtschaftlich wäre. Deshalb ist es zweckmäßger, die Nutzer von dem ihnen am nächsten liegenden Server zu bedienen, wobei alle diese Streaming-Rechner über ein Content Delivery Network (CDN) miteinander verbunden sind.

CDNs werden heute bereits im Internet verwendet, und zwar überwiegend zum Aussenden von statischen Inhalten wie Grafiken oder umfangreiche Download-Dateien. Die Betreiber dieser Infrastrukturen erhoffen sich zusätzliche Einnahmen durch das Geschäft mit Streaming-Media. Deshalb haben Firmen wie Akamai, Enron, Ibeam, Digital Island und Mirror Image Internet aus den USA spezielle Server-Netze beziehungsweise Rechenzentren errichtet, die neben statischen auch Streaming-Inhalte verarbeiten können. Zudem tummeln sich einige europäische Anbieter in diesem Marktsegment, unter anderem Intellivision, Colt, Deutsche Telekom, KPN Qwest und Servecast.

Content-Delivery

Firmen, die im Intranet Streaming-Media nutzen wollen, müssen jedoch ihre eigene Infrastruktur entsprechend ausbauen. Sie suchen daher Hard- und Softwarelösungen, um die Übertragungsqualität im internen Netz zu verbessern. Über solche Content-Delivery-Systeme lassen sich ähnliche Infrastrukturen aufbauen, wie sie Akamai und Co. für das Internet geschaffen haben. Mitarbeiter in Außenbüros erhalten ihre Streaming-Daten von einem lokalen Content-Server, statt sie vom Rechner in der Firmenzentrale zu laden.

Für diese Klientel hält beispielsweise der auf Content-Delivery-Produkte spezialisierte US-Hersteller Cacheflow ein Produkt-Bundle namens "Ciq Starter Kit" bereit, mit dem Unternehmen, insbesondere solche mit vielen Niederlassungen, ihre bestehenden LANs und WANs für die Übertragung von Audio- und Video-Inhalten fit machen können. Der Hersteller schnürte seine Hardware-Caches sowie eine Verwaltungssoftware für das Einpflegen der Streams in die Caching-Systeme zu einem Gesamtpaket zusammen.

Auch Infolibria, britischer Konkurrent von Cacheflow, spricht verstärkt Firmenkunden an, die mit Streaming-Media für den Hausgebrauch liebäugeln. Ebenso richtet sich Network Appliance an Unternehmen, die ihre IT-Infrastruktur zu Content-Delivery-Netzen (CDN) ausbauen wollen. Mit den Netcache-Systemen des Herstellers realisierte beispielsweise General Bandwidth, Anbieter von Switches für die Sprachvermittlung aus Austin, Texas, ein eigenes CDN für Streaming-Video. Die Angestellten in verschiedenen Niederlassungen sollen via PC an Online-Trainingskursen teilnehmen.

Das Abspielen von Video- und Audioinhalten allein reicht heute bereits manchen Unternehmen nicht mehr aus. Sie möchten vermehrt Streaming-Media-Inhalte in Web-Anwendungen einbetten. So lassen sich mittels spezieller Tools Präsentationsunterlagen mit einem Film synchronisieren. Der Web-Betrachter verfolgt dann den Vortrag im Videofenster, während in einem anderen Bildschirmausschnitt die Folienpräsentation läuft. Noch scheuen die meisten Unternehmen jedoch die enormen Kosten für das Erstellen solcher Videos. Wie die Cache-Hersteller locken deshalb Internet-TV-Anbieter wie Inetv aus München potenzielle Kunden mit Einsteigerpaketen. Hierzu gehört der Service "I-Fox", der die Produktion eines Videofilms unter Einbeziehung von "Powerpoint"-Präsentationen beinhaltet. Mit diesem Komplettangebot für 12 000 Mark sollen Unternehmen Erfahrungen mit der neuen Medienform sammeln können, ohne umfangreiche Investitionen in Hard- und Software tätigen zu müssen. Ähnlich wie im Desktop-Publishing werden am Anfang viele Firmen auf externes Know-how zugreifen, erwartet Inetv. Mit der Zeit würden die Anwender jedoch dazu übergehen, die Streaming-Produktion selbst in die Hand zu nehmen.

Das hoffen auch die zahlreichen Anbieter von Software für die Erstellung von Streaming-Inhalten. Neben Microsoft und Real Networks, die sich bei Playern, Streaming-Servern und Entwicklungs-Tools ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern, geht hierzulande eine Reihe weiterer Softwarehersteller verstärkt auf Kundenfang. So vertreibt beispielsweise Media 100 mit "Cleaner 5" eine umfangreiche Applikation zum Erzeugen von interaktiven Web-Inhalten. Der Anwender codiert mit dem Programm Videos in die Formate von Real Networks, Windows Media, Quicktime sowie MPEG-1 und -2, um sie dann in seine Webpages einzubinden. Beim Erstellen von HTML-Seiten kann der Autor eine Reihe von Web-Design-Tools anderer Anbieter integrieren, etwa Adobes "Golive", "Dreamweaver" oder "Flash" von Macromedia.

Interaktive Streams

Soll der Streaming-Nutzer sich nicht nur von einem Video berieseln lassen, sondern an einer bestimmten Stelle im Film selbst eine Aktion auslösen, gibt es auch dafür erste Lösungen. Das Verschmelzen von Streaming-Video und Web-Anwendungen hat sich das französische Softwarehaus Hypnotizer aus Paris auf die Fahnen geschrieben. Im einfachsten Fall, so der Anbieter, versieht der Content-Anbieter seinen Film mit einem "Kaufen"-Knopf, über den der Betrachter ein gezeigtes Produkt erwerben oder Online-Bestellungen aufgeben kann. Umfangreicher sind da schon E-Learning-Applikationen: Während eines Lehrfilms können Schüler zusätzliche Informationen über eingeblendete Menü-Icons abfragen. Mit dem "Hypnotizer Editor" erstellt der Designer die interaktiven Elemente, die im Video gezeigt werden sollen. Ein spezielles Plugin von Hypnotizer, geschrieben für die Player von Microsoft, Real Networks oder Quicktime, sorgt für die Einblendung der Schaltflächen sowie das Ausführen der dahinter liegenden Funktionen, während das Video läuft.

Statt auf Buttons klicken zu müssen, kann der Surfer mit einer von 24scope Productions aus Berlin vorgestellten Technik direkt die Gegenstände im Film auswählen. In einer Demonstration auf der Website des Unternehmens lassen sich in einem Modenschau-Video Models per Mausklick auswählen, um weiterführende Informationen über das dargestellte Kleidungsstück zu erfahren.

In den meisten Fällen müssen sich Streaming-Media-Nutzer aber ihre Filme noch immer passiv bis zum Ende anschauen - es fehlt an geeigneten Suchfunktionen für das Medium. Ein erster Schritt zur Behebung des Dilemmas sind speziell aufbereitete Streams, die es dem Zuschauer erlauben, beispielsweise bei einer ins Web übertragenen Hauptversammlung einer Aktiengesellschaft nur diejenige Passage auszuwählen, in der die Ziele für das nächste Geschäftsjahr präsentiert werden. Statt die gesamte Rede des Vorstandsvorsitzenden abspielen zu lassen, klickt er auf eine vorher definierte Einsprungstelle, die ihn direkt zum gewünschten Vortragsabschnitt führt. Ein Beispiel unter vielen ist die Streaming-Konserve der Hauptversammlung der Knorr Capital Partner AG auf der Website www.it-tv.de, die von der auf Internet-TV spezialisierten Feedback AG aus Regensburg konzipiert wurde.

Automatische Indizierung

Solche Präsentationen muss eine Agentur zunächst einmal aufbereiten und mit Sprungstellen versehen - ein enormer Aufwand, wenn eine Fülle an Videos zu bearbeiten ist. Abhilfe verspricht der Softwarehersteller Virage aus San Mateo. Er hat eine Technik entwickelt, die Videos in Streaming-Medien umwandelt und gleichzeitig indiziert. Das Programm "Smartencode" überträgt Videosignale von einer Kassette oder einer Liveübertragung in Streaming-Formate, gleichzeitig erkennt die "Videologger"-Software alle während eines Films gesprochenen Worte und erzeugt daraus einen Index. Anwender sind so in der Lage, in Video-Streams nach Informationen zu suchen, um sich gezielt Sequenzen herauszupicken. Mit der Virage-Software hat beispielsweise die Harvard Business School ihre Videobibiliothek im Intranet ausgestattet. Durch Eingabe eines Stichworts erhält der Anwender eine Liste von Videoclips präsentiert, in denen der Begriff ausgesprochen wird. Dabei stellt ihm die Web-Seite genau die Einsprungstellen in den Videofilmen als Link zur Verfügung, die vom gewünschten Thema handeln. Mit dem in Kassel ansässigen Unternehmen Cobion entwickelte Virage eine Bilderkennung für Videofilme. Auf diese Weise soll der Anwender ein Videoarchiv nach Logos, Gesichtern von Personen oder Gegenständen durchforsten können.

Mit welcher Player-Software die Nutzer Streaming-Media konsumieren, ist unerheblich. Microsoft und Real Networks liefern sich einen Wettstreit um die Vorherrschaft, wobei zurzeit der Herausforderer aus Redmond an Boden gewinnt - dies weckt Erinnerungen an den Browser-Krieg, den Microsoft für sich entschied. Inhalteanbieter im Internet sind gegenwärtig aber noch gezwungen, Streaming-Server beider Hersteller anzuschaffen, um die verschiedenen Formate bedienen zu können. Besser dran sind Unternehmen, die nur im Intranet Streaming-Media-Content vorhalten: Sie können selbst bestimmen, mit welcher Abspielsoftware die Angestellten arbeiten.

Streaming-Markt

Trotz viel versprechender Anwendungsfelder hat sich in Sachen Streaming-Media im Unternehmensumfeld bisher noch nicht allzu viel getan. Das Beratungs- und Marktforschungsunternehmen Jupiter MMXI aus New York beziffert die Ausgaben für Streaming-Technik im Business-to-Business-Bereich im Jahr 2000 auf 140 Millionen Dollar. Die Zahlen beziehen sich nur auf die USA, und es ist anzunehmen, dass in Europa weit weniger investiert wurde. Nichtsdestotrotz soll dieser Wert im Jahr 2005 auf 2,8 Milliarden Dollar steigen, sagen die Analysten voraus. Eine Zunahme von Streaming-Media-Anwendungen erwartet auch die Meta Group. Nach deren Analysen werden im Jahr 2004 etwa 80 Prozent aller global agierenden Unternehmen von dieser Technik Gebrauch machen.

Speicherung

Neben der Verbreitung von Inhalten über das Netz spielt beim Streaming auch die Speicherung der Daten eine wichtige Rolle. Videos beanspruchen trotz ausgefeilter Kompressionsalgorithmen nach wie vor sehr viel Speicherkapazität. Dies erfordert ein geeignetes Daten-Management sowie leistungsstarke Server, um gleichzeitig mehrere Streaming-Nutzer bedienen zu können. Avid Internet Solutions, ein Geschäftsbereich des auf die Medienbranche spezialisierten Hard- und Software-Herstellers Avid Technology, hat eine abgespeckte Version seines "Trilligent Cluster" für Unternehmen auf den Markt gebracht, die Streaming-Technik intern nutzen wollen. Beim Avid-Produkt beziehen die Streaming-Server ihre Videodaten nicht von einem Fileserver, sondern aus einem Storage Area Network (SAN) auf Basis der Fibre-Channel-Technologie. Abgelegt werden Audio- und Videoinhalte in ein spezielles Dateisystem. Mit dem Trilligent-Produkt sollen Firmen in die Lage versetzt werden, Streaming-Daten an verschiedenen Stellen in ihrer Netzumgebung vorzuhalten - eine Voraussetzung für Content-Delivery-Networks.