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26.02.1982

Streicheleinheiten auf Raten besser als Backpfeifen am Ende

26.02.1982

DV-Leiter sind häufig enttäuscht, wenn die Zeiträume für Anwendungsentwicklungen statt kürzer immer länger werden. Frust macht sich bei den Praktikern vor allem breit, wenn Hersteller und DV-Propheten von Konzern- und weltumspannenden Informationssystemen träumen, während sie sich selbst noch weitgehend mit Tagesproblemen herumschlagen müssen. Und doch sind viele DV-Manager eher erleichtert, daß insbesondere benutzerfreundliche Telekommunikations-Applikationen vorerst noch Zukunftsmusik sind. Erläutert Klaus Franke aus Düsseldorf: "Wir können doch froh sein, daß Entwicklungen länger dauern, als manche Pseudo-Insider voraussagen. Bei der Anzahl von Purzelbäumen, die wir sonst schlagen müßten, würden wir den Wettlauf mit der Zeit allemal verlieren."

Michael Moerike, Geschäftsführer, GDV Gesellschaft für elektronische Datenverarbeitung mbH, Tübingen

DV-Leiter, die enttäuscht sind über langsame Fortschritte, sollte man fragen, ob es ihnen denn immer noch nicht schnell genug geht. Unseren meisten Mitbürgern erscheint der Einzug der intelligenten Maschinen, der Mikroprozessoren in die Arbeitswelt viel zu rasant. Es wächst die Furcht, nicht mehr mitzukommen und eines Tages als

Opfer auf der Strecke zu bleiben.

Vor Jahren gab es den gleichen Effekt schon einmal. Zunächst Euphorie und dann Enttäuschung bei Rechnerkopplungen. Damals galt V.24 als alles verbindende einheitliche Schnittstelle. Mit X.25 ist heute zwar eine weitere Norm geschaffen, aber von der totalen gegenseitigen Verständigung der anzuschließenden Geräte ist die Norm auch damit nach wie vor weit entfernt.

Bisher sind die angebotenen Systeme zunächst nur Daten

Transportsysteme. Sie sind anbieterspezifisch und untereinander nicht kompatibel. Ein offenes Informationssystem mit Komponenten verschiedener Hersteller gibt es nicht und bleibt trotz technischer Realisierungsmöglichkeit vorerst ein schöner Traum. Wer aufwacht, ist oft enttäuscht, es sei denn, er erkennt die Ähnlichkeit zur V.24-Träumerei von damals.

Das rasante Entwicklungstempo hat zunächst technisch im Labor und in den Fachzeitschriften stattgefunden. Es überfordert aber nicht nur die nicht beteiligte Bevölkerung sondern in entsprechenden Bereichen auch die Hersteller/ Entwickler und die Anwender. Für welches System soll der Benutzer sich dann eigentlich entscheiden. Es werden täglich neue, bessere, preiswertere Modelle auf dem Markt vorgestellt - sagen die Entwickler und was wird tatsächlich vorgestellt - fragt sich der Anwender. Wer sich aber keine Entscheidung zutraut, darf sich nicht wundern, wenn nichts vorangeht. Vielleicht ist es aber auch gut zu zögern, solange die Aufregung sich noch nicht gelegt hat. Eine wichtige Ursache für die Enttäuschung einiger DV-Leiter liegt in der mangelnden internationalen Normung und in der bisher fehlenden Durchsetzung eines Systems.

Mit der Einführung der Bürokommunikation ist unabdingbar eine Förderung der Firmenorganisation verbunden. Solange viele sich scheuen, die nötigen organisatorischen Maßnahmen zu treffen, bleibt der Einsatz der Bürokommunikation problematisch. Man darf dem Anwender nicht nur eine gute Technik bieten, sondern muß ihm auch mit Unternehmensberatung zur Seite stehen, was oft vergessen wird.

Klaus Franke, Leiter der Anwendungsentwicklung, Kaufring eG, Düsseldorf

Wenn heute DV-Leiter enttäuscht darüber sind, daß die Zeiträume für Anwendungsentwicklung trotz moderner Verfahrens techniken statt kürzer immer länger werden, so gibt es hierfür zwei Hauptgründe.

Der erste Grund ist eng verbunden mit dem Hang und stetigem Streben der Anwendungsentwickler nach Perfektion.

Hier drängt sich doch die Frage auf, ob wir dem Benutzer das zu erstellende Haus immer erst dann übergeben müssen, wenn das Dachgeschoß, die Kellerbar sowie die Einliegerwohnung ausgebaut und eingerichtet sind.

Ganz bestimmt nicht.

Den Lösungsansatz, die Zeiträume bei der Anwendungsentwicklung zu verkürzen, finden wir in den modernen Software-Engineeringsmethoden. Der Grundgedanke dieser Methoden zur erfolgreichen Durchführung von Software-Großprojekten liegt darin, komplexe Strukturen so lange in kleinere Betrachtungs- und Verarbeitungsvorgänge zu zerlegen, bis sie überschaubar und verständlich und damit leichter lösbar sind.

Dieser richtige Grundgedanke ist gleichermaßen übertragbar auf die Überlegung, in welchen Stufen neue Anwendungen eingeführt werden sollen.

Holen wir uns doch in kürzeren Zeitabständen unsere "Streicheleinheiten", statt uns der Gefahr auszusetzen, durch lange Entwicklungs- und Implementierungszeiträume am Ende Backpfeifen zu bekommen.

Der zweite Hauptgrund, warum der Zeitraum für ein Projekt nicht kürzer ist als früher, hegt in den heutigen Aufgabenstellungen.

Sicherlich habe ich Verständnis dafür, daß manch sensibler DV-Leiter Frustrationen bekommt, wenn er hier und da hört oder liest, daß alle Probleme, bei der Implementierung von konzern- oder weltumspannenden Informationssystemen bereits gelöst sind, während sich der Mitarbeiter an der DV-Front täglich mit einfachsten Schnittstellen-Problemen herumschlagen muß.

Der sprichwörtliche Satz vom Unterschied zwischen Theorie und Praxis mag hierfür als Erklärung genügen.

Keinen Zweifel lassen aber realisierte Anwendungen in der Luftfahrtbranche oder im Bankengewerbe daran, daß derartige Informationssysteme möglich sind - welch immenser Aufwand auch immer für derartige Applikationen betrieben worden ist.

Unser Unternehmen unterhält für seine Mitarbeiter ein Service-Rechenzentrum. Den Kaufring-Häusern werden Programmpakete angeboten, die sich von Auftragserfassung bis zur umfassenden Unternehmensplanung einschließlich Soll-/Ist-Vergleich erstrecken. Aus dem besonderen Verhältnis der Mitglieder zu ihrer Zentrale ergibt sich zwangsläufig ein reger Datenaustausch. Ein nicht geringer Anteil dieses Datenaustausches wird bereits per DFÜ vollzogen.

Bei realistischer Bewertung dieser zwar modernen Art der Kommunikation von einem "genossenschaftsumspannenden Informationssystem" zu sprechen, wäre wohl verfrüht.

Das derzeit praktizierte Verfahren ist der Schritt in Richtung des gesteckten Zieles.

Gedanklich habe ich diese Entwicklung für unser Unternehmen bereits voll realisiert. Die allseits bekannten technischen Neuerungen, die auf uns zukommen, werden den Weg zu einem umfassenden Informations- und Kommunikationssystem (Integration von Daten, Text, Bild und Sprache) ebnen. Ich weiß, daß es sich hierbei um einen Prozeß handelt, der mich bis zum Ende meines Berufslebens begleiten wird.

Nicht die Schnelligkeit des technischen Fortschrittes bestimmt in der Wirtschaft, wann und in welchem Umfang Dinge angegangen und eingeführt werden, sondern das Ergebnis nüchterner Kosten-/Nutzenanalysen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Akzeptanz in den Fachabteilungen. Dieses Problem, das sehr stark im emotionalen Bereich der Mitarbeiter verhaftet ist, müssen wir in Zukunft wesentlich mehr in unsere organisatorischen Überlegungen einbeziehen.

Wir, die Mitarbeiter in der DV, können doch nur froh darüber

immer, Entwicklungen länger dauern als es manche Pseudo-Propheten voraussagen.

Bei der Anzahl der Purzelbäume, die wir sonst schlagen müßten, werden wir den Wettlauf mit der Zeit allemal verlieren.

Helfried Plenk, Bereichsleiter für Automation und Stellvertretender Direktor der Salzburger Sparkasse, Salzburg

Die Hardwareentwicklung ist der Softwareentwicklung im Eiltempo davongeeilt. Wir können mit wenig Geld relativ viel Hardware kaufen, aber mit sehr viel Geld sehr wenig Software beschaffen. Was mich bei dem Informationssystem sehr beeindruckt hat, ist das Gelingen des Swift-Systems (Society of Worldwide International Financial Traffic). Es handelt sich hier um ein weltweites Informationssystem, das wunderbar funktioniert. Es wäre damit beispielsweise technisch möglich, eine Zahlung von Frankreich nach Österreich in wenigen Millisekunden durchzuführen.

Dem stehen allerdings die Devisenbestimmungen in Frankreich entgegen, da es drei Monate dauert, bis die Überweisung überhaupt einmal genehmigt ist. Wir haben mit dem Timesharing Service, auch unserer eigenen Herstellerfirma, Zugriff auf Daten, die uns gar nicht mehr interessieren. Bei uns herrscht kein Mangel an weltweiten Informationssystemen. Unser eigenes System haben wir seit dem Jahr 1962 kontinuierlich aufgebaut und sind damit halbwegs in Schuß. Dafür liegt die Integration der Büroautomation im argen.

Die Ursachen hierfür sind auch beim mangelnden Engagement der einzelnen Fachabteilungen zu suchen. Viele Textverarbeitungsmaschinen wurden wieder verkauft, da sie nicht richtig eingesetzt wurden.

Ansonsten ist die Entwicklung der Hardware so gigantisch fortgeschritten, daß ich keine Probleme sehe. Für mich gibt es Schwierigkeiten auf dem Gebiet der Software. Hier gelten wir sozusagen als "Rufer in der Wüste", da wir einer der wenigen Anwender von Strukturierter Programmierung nach der Warnhier-Methode oder nach Jackson sind. Sogar in unserer eigenen Benutzergruppe gibt es nur sehr wenige, die hier mitmachen. Unsere Erfahrungen mit dieser Programmierung sind gut. Es gibt eine drastische Verlängerung der Design-Zeiten, der Bestzeiten und eine wirklich große Erhöhung der Betriebssicherheit der Programme. Der Weg dahin ist zwar mühsam aber er lohnt sich.