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10.03.1978

Streik auf der Spitze des Eisberges

Seit Tagen - zumindest in München - keine Zeitungen. Auch die COMPUTERWOCHE erscheint diesmal als "Notausgabe". Streiks und Aussperrungen im Druck- und Verlagsgewerbe. Mußte das so kommen?

Vor Jahren schon haben Fachleute darauf hingewiesen, daß genau die Situation eintreten wird, die jetzt Anlaß zu Arbeitskämpfen gibt. Die einsamen Mahner hat keiner beachtet. Der Karren mußte erst in den Dreck gefahren werden. Dann allerdings war Problembewußtsein da. Aber auch nur in der Druck- und Verlagsbranche, - mit nunmehr verhärteten Fronten.

Ansonsten hört man auch weiterhin die herkömmlichen Argumente gestriger Sonntagsreden: EDV-Einsatz und Automation würden "auch weiterhin" in dem gleichem Maße neue Jobs schaffen, wie sie bestehende Arbeitsplätze wegrationalisieren. Dabei weiß es doch jeder Fachmann besser. Es läßt sich nun einmal nicht wegdiskutieren, daß die Kosten neuer Elektronik-Verfahren nur durch Einsparungen von Lohn- und Gehaltskosten zu rechtfertigen sind und daß solche Verfahren auch weiterhin eingeführt werden, wenn entsprechende Einsparungen möglich sind.

Problembewußtsein durch Arbeitskampf

Drucker, Setzer, Metteure und Korrektoren erfahren dies am eigenen Leib. Anderen Berufen steht dergleichen noch bevor, - vor allem Fließbandarbeitern, Büro- und Schreibkräften und Sachbearbeitern für Routine-Aufgaben. Durch Einführung von EDV-Verfahren werden auch weiterhin Arbeitsplätze verschwinden - auch wenn dies keiner gerne hört. Bei etwa gleichem Angebot auf dem Arbeitsmarkt wird die Nachfrage immer geringer, je mehr in den Büros Computerleistung an den Arbeitsplatz kommt und in den Fabriken Rechner Automaten steuern.

Auch heute gibt es "einsame Mahner", die dartuf hinweisen, daß bei Festhalten an der üblichen 40-Stunden-Woche das Problem der Arbeitslosigkeit nicht mehr gelöst werden kann. Umdenken tut not. Allumfassend müßte das Arbeitskräfte-Angebot der neuen Situation angepaßt werden, nämlich durch Umstellung auf die 35S-Stunden-Woche für alle Arbeitnehmer.

Indes, keiner hört zu, wenn dergleichen Unpopuläres verlautet. Vielleicht aber schaffen Streiks und Aussperrungen im Druck- und Verlagsgewerbe nun doch das Problembewußtsein dafür, daß die Situation in mehreren Berufen und Branchen bald schon ganz ähnlich sein wird.