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20.07.1984

Streikt das Unternehmen Bundespost?

Kaum haben wir unseren Wirtschaftsminister verloren, geht, wie man hört, in der Ökonomie einiges drunter und drüber. Genauer: in der wirtschaftlich genutzten Technologie. Stellen wir uns ein mittelständisches Unternehmen mit hundert arbeitenden Menschen vor, das fleißig investiert und sich sogar eine "Standleitung" vom eigenen Technikbereich zu einem Rechencenter in der bayerischen Landeshauptstadt geleistet hat. So eine Telefonstandleitung ist eine prima Sache, falls sie funktioniert. Da gibst Du über den Bildschirm Daten ein, beispielsweise die aus der Buchhaltung, ohne überhaupt eine Nummer wählen zu müssen. Dann kriegen die das im Rechenzentrum - und ab geht die Post, wie man so sagt . . .

Das Problem ist nur, daß die Post eben nicht abgeht, wenn Du sie mal dringend brauchst. Nehmen wir ein praktisches, ein passiertes Beispiel. An einem Dienstag ruft ein mittelständischer Unternehmer (sozusagen einer der "Augäpfel" unserer Bonner Parteien) bei der Deutschen Bundespost an und teilt ihr - weil sie dafür zuständig ist - mit, daß die Standleitung seines Betriebes "tot" sei.

Nun ist ja der Begriff "Post" für uns Deutsche etwas Gemütliches, Positives: Das Posthorn, die Postkutsche die Christl von der Post und schließlich kommt auch jede Liebespost irgendwie - via Briefkasten und Zusteller - mit diesem Unternehmen in Berührung. Okay, die Post wird also ihrem positiven Image zunächst gerecht, tröstet den Mittelständler: "Ja, wir kümmern uns drum!" - Der Unternehmer bringt seine Hände in frohlockenden Reibebewegungen und sagt zu seinen Standleitungskräften, es könne bald weitergehen. Das war an besagtem Dienstag um 14.30 Uhr. Eine Stunde später indessen läßt die Bundespost mitteilen, "jetzt" hätten die zuständigen Herren Feierabend, da liefe heute nichts mehr.

Wenn nun ein Unternehmer nicht auf den Kopf gefallen ist, dann beginnt er sofort von den phänomenalen Dienstleistungen jenes amerikanischen Paketdienstes mit den goldbeschrifteten dunkelblauen Autos zu träumen: Ach, wenn die doch helfen dürfen! Aber nein, sie dürfen nicht. Wegen "Monopoly". Klartext: Standleitungen betreut ausschließlich die Bundespost. Folglich läßt dieser monopolistische Treuhändler der Standleitungsarbeit beim Mittelständler anrufen und bestellen, man sei im Augenblick "überlastet", könne deshalb nicht "unverzüglich" nachschauen. Ja, es gelang dieser Poststelle nicht einmal, auf Anfrage überhaupt einen definitiven Reparaturtermin in Aussicht zu stellen.

Schöne Aussichten: Mal ganz abgesehen davon, daß die erwähnte Standleitung ihre runden 700 Mark Gebühren im Monat kostet. Soll nun der Unternehmer seine sechs für die Leitung zuständigen Mitarbeiter auf Kurzarbeit setzen oder gar "aussperren"? Und was ist mit den unmittelbar für 100 Menschen bevorstehenden Lohnzahlungen? Die Daten dafür laufen halt auch über die Bildschirme der Standleitung. Wir können nicht umhin, festzustellen, daß es eben nicht nur die Gewerkschaften Metall sowie Druck und Papier waren, die streikten. Sondern: Es hatte sich offenbar auch der Standleitungsservice der Bundespost in den Streik eingeschaltet; ganz nach Muster, nämlich "schwerpunktmäßig". Dabei glaubt das "dumme Volk" immer noch, Beamte dürften nicht streiken oder sollten es zumindest nicht. "Mäßigungsgebot" für Beamte, Lehrer. Und so weiter. . .

Fragt man nach den Gründen für diesen "Streik", so stößt man "sachzwanglich" auf den zuständigen Bonner Minister. Aufmerksame Leserinnen und Leser der Presse wissen, daß dieser Minister gerade in ein solches Gewirr von Kabeln (für antennenfreies Fernsehen) verstrickt ist, daß er offensichtlich mit dem Kopf nicht mehr darüber hinausschaut. Da sollte man ja (Achtung: Ironie, Spott!) wirklich Verständnis dafür haben, daß dieser Staatsdiener und das ihm unterstellte Dienstleistungsunternehmen sich nicht gleich um jeden Standleitungsdreck irgendeines Kunden kümmern können.

Eine andere Meinung sei ebenfalls angeführt. Wie man liest, ist der Postminister von Beruf Sinologe, also ein Freund der Chinesen und ihrer Sprache. Was ja nicht automatisch heißen muß, daß er "kommunistisch unterwandert" ist und deshalb ein anderes Verhältnis zur deutschüblichen "Leistung" hat. Nur eines: Dieses alte China, das eine so viel ältere Kultur als wir aufzuweisen hat, ist womöglich heute hinsichtlich seiner Standleitungen um eine dicke und philosophische Portion bescheidener in den Ansprüchen.

Fragt sich jedoch, ob wir mit dem von der Deutschen Bundespost hier vorgeführten Standleistungsservice, Modell "Schnecke", ausreichend rasch zum Ziel kommen. Die Antwort ist ein glattes Nein. Kurzum: Wer im vorgetragenen Fall weniger an die "Christl" von der Post denkt, sondern eher an "Saustall", dem sollte man das nicht verübeln dürfen. Und welcher perfide Kommerzlügner hat eigentlich den Augenwischerausdruck vom "König Kunden" in Umlauf gebracht? Das ist ja ein Hohn, ist das ja!

Michael Andries ist Herausgeber des "West-Anzeiger" in München.

Über den Pannenservice der Bundespost bei HfD- und sonstigen Datenleitungen erreichen die Redaktion der COMPUTERWOCHE in letzter Zeit mehr und mehr Klagen. Nur wenige Betroffene sind allerdings bereit, dies auch öffentlich - sprich in der Presse - anzuprangern, weil sie Konsequenzen des Monopolisten Bundespost befürchten. Es wäre erfreulich, wenn der Artikel von Michael Andries den Anstoß zu etwas mehr Mut geben würde.