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10.01.1975 - 

Generatoren für Strukturierte Programmierung

Streit um die Erstgeburt

München - Als ADV/ORGA am 9. Dezember den Generator für Strukturierte Programmierung STRUKTOR ankündigte; war die einschlägige Konkurrenz sauer. Da bemühte man sich nun monatelang, die deutschen Anwender auf ihre strukturierte Zukunft vorzubereiten. Und ausgerechnet die Normierer aus dem kühlen Norden, die in ihrer leicht angestaubten NP-Philosophie zu erstarren schienen, bringen in einem überraschenden Marketing-Streich das erste Software-Tool der Strukturierten Programmierung auf den Markt. Oder besser: kündigen solches an.

Die Kritiker der (konkurrierenden) Fachwelt hatten sich denn auch bald auf Struktor eingeschossen.

Etwa wie folgt:

-nur eine Zeichenmaschine

-vergewaltigt die COBOL-Sprache

-eine Lochkarten-auf-Drucker-Umsetzmaschine

-unzureichende Insellösung

-verträgt sich nicht mit NP

-noch lange nicht marktfähig

-generiert lediglich Steuerfluß etc.

Der Ärger der Kritiker, wenn auch teilweise polemisch artikuliert, war verständlich. Meldet ADV/ ORGA doch einen ihrer Ansicht nach ungerechtfertigten Anspruch auf den vordersten Platz in den Annalen der Tool-Entwicklungen für Strukturierte Programmierung an. Ein voller Erfolg also für das ADV/ORGA-Marketing? Dem scheint nicht so. Denn man hatte die Rechnung ohne den Witt gemacht. Dr. Jan Witt, Siemens, trug sein Konzept des COLUMBUS am 11. Dezember beim Garchinger Treffen der ACM-Software-Esoteriker vor und wollte nicht so recht an eine zufällige Ähnlichkeit des STRUKTOR mit seinem COLUMBUS glauben. Witt: "ADV/ORGA erhielt über die Zweigniederlassung Düsseldorf im Rahmen von für Siemens anzufertigenden Implementierungsarbeiten unseren COLUMBUS-Assembler-Standard mit Urheberschutzhinweis und strengen Auflagen". (Siehe in diesem Zusammenhang auch CW Nr. 5/74 vom 11. 12. S. 9 "Erste Generatoren ...") Den Verdacht, ein Plagiat vermarkten zu wollen weist ADV/ORGA entschieden zurück. Dazu Horst Neunert: "Um auch auf der Seite von Siemens jegliche Zweifel auszuschließen, haben wir Dr. Witt vorgeschlagen, sich unser Produkt im Detail anzusehen. Wir hoffen, daß dann ein für alle Mal klar ist, daß unser Struktor weder mit den Witt'schen Makros, noch mit dem COLUMBUS irgend etwas gemeinsam hat."

Einiger Ärger hätte sich wohl vermeiden lassen, wenn ADV/ORGA auf den kleinen Triumph der ersten Vorankündigung verzichtet und den Zeitpunkt der Marktfähigkeit des STRUKTOR abgewartet hätte.

Das Ergebnis dieses Jahres-Abschluß-Software-Happenings: Ein gekränkter Wissenschaftler und ein unfertiges STRUKTOR, das erst Mitte 75 marktreif sein düfte. (Lesen Sie die Stellungnahmen der Beteiligten im Thema der Woche auf Seite 5)