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11.01.2002 - 

Walter Hewlett warnt Aktionäre vor dem Zusammenschluss

Streit um Fusion zwischen Compaq und HP eskaliert

MÜNCHEN (CW) - Walter Hewlett hat in einem offiziellen Schreiben an die US-Börsenaufsicht um die Unterstützung der HP-Aktionäre gebeten. Der Sohn von Firmengründer William Hewlett fordert die Anteilseigner auf, der Fusion von Hewlett-Packard (HP) und Compaq die Zustimmung zu verweigern.

Hewlett hat in einer offiziellen Aktionärsinformation (Proxy Statement) an die US-Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) die HP-Aktionäre gebeten, gegen die Fusion zu stimmen. Sollte das SEC dem Proxy Statement stattgeben, wird dieses an alle Aktionäre ausgesandt. Es wird dann mit einer Karte versehen sein, die im Prinzip einem Wahlzettel gleichkommt. Auf diesem können die Anteilseigner gegen die geplante Fusion stimmen.

In dem Proxy Statement argumentieren die Fusionsgegner, der Zusammenschluss sei zu riskant. Er werde das Management von seiner Konzentration auf wichtige Aufgaben ablenken. Zudem würden die Interessen der HP-Aktionäre, die vor allem durch das blühende Geschäft der HP-Division Printing and Imaging gewährleistet sind, durch die Fusion geschädigt. Durch die Verschmelzung mit Compaq setze sich HP darüber hinaus vermehrt dem unsicheren PC-Geschäft aus, was wiederum den Interessen der HP-Aktionäre völlig zuwiderlaufe.

Die Kritik des Hewlett-Erben blieb nicht unbeantwortet: In einem offiziellen Schreiben des Hewlett-Packard-Direktoriums an die US-Aufsichtsbehörde heißt es, Walter Hewlett habe ausgerechnet an den drei Sitzungen des Topmanagements im Juli 2001 nicht teilgenommen, in denen die wesentlichen Aspekte und Strategien für die Fusion durchgearbeitet wurden. Bei sechs weiteren Versammlungen sei er zwar anwesend gewesen, die für das Verständnis des Zusammenschlusses wichtigen Treffen habe er aber verpasst. Das Direktorium zeigte sich auch irritiert über die Äußerung von Walter Hewlett, er sei vom Direktorium im Sommer des vergangenen Jahres mehr oder weniger zur Zustimmung zu der Fusion genötigt worden. Hätte er sein Plazet nicht gegeben, wäre HP gezwungen gewesen, wegen des dann nicht einstimmigen Beschlusses einen höheren Preis für Compaq zu zahlen. Das HP-Direktorium konterte demgegenüber mit dem Hinweis, über die Höhe des Übernahmepreises sei zum damaligen Zeitpunkt überhaupt noch nicht geredet worden.

Die Familienstiftung William and Flora Hewlett Foundation hat derweil bekannt gegeben, dass sie 5,5 Millionen Aktien aus ihrem HP-Wertpapierbestand verkauft hat. Ingesamt sind weltweit rund zwei Milliarden HP-Aktienanteile am Markt. Es ist bislang nicht bekannt, ob das Stiftungs-Aktienpaket am freien Markt verkauft wurde. Sollte dies der Fall sein, könnten die 5,5 Millionen Anteile auch von einem Befürworter der Fusion aufgekauft worden sein. Hewlett, der Vorsitzender der Foundation ist, hat auf die Veräußerungen und Investitionen der Stiftung keinen direkten Einfluss.

HP-Firmenchefin Carleton Fiorina geht andererseits unbeirrt ihren Weg Richtung Fusion mit Compaq. Einen formaljuristischen Schritt hierzu unternahmen die beiden Firmen jetzt, als sie bei der EU-Kartellrechtsbehörde einen Antrag auf Genehmigung des Firmenzusammenschlusses einreichten, wie eine Sprecherin von Wettbewerbskommissar Mario Monti bestätigte. Bis zum 31. Januar soll eine Entscheidung darüber getroffen werden, ob die Kommission dem Zusammenschluss zustimmt. Alternativ kann die Behörde bis zu diesem Zeitpunkt auch festlegen, weiter in die Materie einzusteigen und die Prüfung um vier zusätzliche Monate zu verlängern.

Offensichtlich haben beide Firmen mittlerweile auch ihre Verlautbarungen wieder aneinander angepasst. Bis vor kurzem waren Berichte von Seiten Compaqs aufgetaucht, man habe auch einen "Plan B" für den Fall des Scheiterns der Fusion parat. Nach diesem hatten die Texaner auch die Optionen geprüft, als eigenständiges Unternehmen weiterzumachen. In einer aktuellen Erklärung drückten beide Unternehmen aber nunmehr aus, sie hätten sich "ohne Abstriche auf einen erfolgreichen Abschluss des Deals festgelegt". (jm)