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10.03.1989 - 

Spielen die Ermittlungsbehörden den Fall herunter?

Streit um Gefahr durch Hacker-Spione

HANNOVER (CW) - An der Bewertung des jüngsten Hacker-Falls, der als schlimmster Spionagefall seit Guilleaume" dargestellt worden war, scheiden sich die Geister. Während die Bundesanwaltschaft sich zurückhaltend äußert, ist für DV-Experten klar: Vor allem die Industriespionage östlicher Geheimdienste ist sehr wohl ein ernstes Thema.

Nach hohen Wellen kam sehr schnell die Ebbe. Hatte die "Panorama"-Redaktion des Norddeutschen Rundfunks in der vergangenen Woche nach der Razzia gegen mehrere deutsche Hacker die Affäre noch sehr hoch aufgehängt, folgte schon am nächsten Tag die Beschwichtigung von amtlicher Seite. Alexander Prechtel, der Sprecher der Bundesanwaltschaft, bedauerte, daß der Fall so "hochgejubelt" worden sei.

Ex-Verfassungsschützer Heribert Hellenbroich hielt das Thema, wie in der Tagespresse zu lesen war, für "drei Nummern zu hoch gehängt". Denn die Datenbank-Knacker waren nicht sehr tief in ihre Zielrechner eingedrungen, waren an die echten Verschlußsachen gar nicht herangekommen.

Auch die alternative Berliner "Tageszeitung" titelte schadenfroh: "Keine Super-Guilleaumes am Heimcomputer". Jedes Jahr vor der CeBIT würden "alte Sachen wieder aufgekocht", zitierte das Blatt "hannoversche Computer-Freaks", zum Nutzen und Frommen der Anbieter von Datensicherheitsprodukten.

Solche Schelte will der NDR nicht auf sich sitzen lassen. Im Panorama-Team, das für den ARD-"Brennpunkt" verantwortlich war und die, KGB-Hacker-Affäre in dem Magazin am Dienstagabend noch einmal aufgriff, glaubt man, daß die Bundesanwaltschaft vor allem wegen eines Mangels an gerichtlich verwertbaren Beweisen daran interessiert ist, den Medienrummel zu bremsen. Die ZDF-Sendung "WiSo" am Montag brachte es auf den Punkt: Es gehe vor allem um Industriespionage, aber "der Datenklau hinterläßt kaum Spuren". Durch den illegalen Know-how-Transfer von West nach Ost entstünden der bundesrepublikanischen Wirtschaft jährlich Schäden in Milliardenhöhe.

Der Bonner Sicherheitsberater Rainer von zur Mühlen schlägt in die gleiche Kerbe. Man dürfe nicht glauben, daß der von der Hackergruppe um Markus Hess angerichtete Schaden gering sei. Doch die festgestellten illegalen Datenreisen seien nicht immer protokolliert worden, nicht zuletzt wegen mangelhafter Sicherheitsvorkehrungen seitens der ausgespähten Einrichtungen. Selbst wenn die einzelnen Informationen, die die Hacker an den KGB weitergegeben haben, nicht sicherheitsrelevant seien, könnten sich Geheimdienste aus den Einzeldaten ein Mosaik zusammenlegen, das sehr wohl wertvoll sein könne.

Für von zur Mühlen sind allerdings die Hacker nicht das ernsteste Problem für die Datensicherheit: "Die Vergabe von Softwareentwicklungsaufträgen in Ostblockländer kann mit noch größeren Risiken behaftet sein." Es gebe Softwarehäuser, die, ohne ihre Kunden zu informieren, Aufträge an "Subunternehmen in Budapest und anderen Orten und Ländern hinter dem eisernen Vorhang weitergeben".