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14.08.2009

Streit von Kuka und Grenzebach könnte bald personelle Folgen haben

Von Nico Schmidt

DOW JONES NEWSWIRES

FRANKFURT (Dow Jones)--Im Streit des Roboter- und Anlagenbauers Kuka mit dem Großaktionär Grenzebach sind baldige personelle Konsequenzen an der Führungsspitze der Augsburger nicht unwahrscheinlich. Die Frage sei, wie lange sich die amtierenden Vorstände "das noch antun wollen", sagte Kuka-Aufsichtsratsvorsitzender Rolf Bartke am Freitag in einer Telefonkonferenz. Für den Fall ihres Rücktritts schaut sich das Kontrollgremium nach seinen Worten bereits nach geeigneten Nachfolgern für den Vorstandsvorsitzenden Horst Kayser und Finanzchef Matthias Rapp um.

Beiden Vorständen versicherte Bartke seine "ganz klare Unterstützung". "Was die beiden Vorstände machen, ist professionell und gut", führte der Aufsichtsratsvorsitzende aus.

Vor zwei Tagen war der Streit zwischen dem Kuka-Management und Hauptaktionär Grenzebach eskaliert. Das schwäbische Familienunternehmen, das knapp 30% an Kuka hält, beantragte eine außerordentliche Hauptversammlung, um dem dem Kuka-Management das Vertrauen zu entziehen. Auf dem Aktionärstreffen, das im Herbst stattfinden dürfte, wird es nicht nur um die Ablösung der Vorstände Kayser und Rapp gehen, sondern auch um die Abwahl von Bartke.

Möglicherweise wird der Kuka-Chefkontrolleur dem allerdings zuvorkommen und schon früher seinen Hut nehmen: Sollte Grenzebach ein freiwilliges Übernahmeangebot abgeben, würde er seinen Posten sofort räumen, erklärte Barkte am Freitag. "Dies habe ich auch schon mehrfach gegenüber Grenzebach bekundet".

Ansonsten machte Bartke seine persönliche Zukunft vom Entscheidung des Vorstands zur beantragten außerordentlichen Hauptversammlung abhängig. Sollte sich erweisen, dass der Antrag rechtmäßig sei, "kann man davon ausgehen, dass ich nicht bis zur außerordentlichen Hauptversammlung im Amt bleiben werde", so Bartke.

Der Antrag auf Einberufung eines außerordentlichen Aktionärstreffens wird laut Gesetz direkt an den Vorstand einer Gesellschaft gerichtet. Stimmt der Vorstand zu, kann die Hauptversammlung stattfinden. Wenn die Führung eines Unternehmens dem Antrag dagegen nicht nachkommt, muss die Sache vor Gericht geklärt werden.

In den vergangenen Wochen und Monaten war es hinter den Kulissen des Augsburger Roboterspezialisten immer wieder zu Streit mit den Großaktionären Grenzebach und Guy Wyser-Pratte gekommen. Dem schwäbischen Maschinenbauer und dem US-Investor, die gemeinsam rund 40% an der Kuka AG halten, kam der Strategiewechsel bei den Augsburgern zuletzt zu langsam voran. Kuka will sich künftig stärker in der Energie-, Medizintechnik- und Luftfahrtbranche engagieren, um die Abhängigkeit von der kriselnden Automobilindustrie zurückzufahren.

Grenzebach warf dem amtierenden Kuka-Management zudem vor, nicht "rechtzeitig geeignete Maßnahmen" ergriffen zu haben, um den massiven Auftragseinbruch auszugleichen und die Finanzierung zu sichern. Dem Aufsichtsratsvorsitzenden Bartke kreidet das Familienunternehmen an, "die Versäumnisse des Vorstands tatenlos hingenommen" zu haben.

Grenzebach war Ende vergangenen Jahres bei Kuka eingestiegen und hat die Beteiligung zur Überraschung der Augsburger und gegen deren Willen bis auf knapp 30% ausgebaut. Bereits kurz nach Ankündigung der ersten Aufstockung kam es zu ersten Differenzen: Grenzebach pochte auf zwei Sitze im Kuka-Aufsichtsrat. Die Augsburger fühlten sich überrumpelt und wollten dem lange ersehnten Ankeraktionär eigentlich nicht so viel Spielraum zur operativen Einflussnahme einräumen.

Aufsichtsratsvorsitzender Bartke wies am Freitag die erhobenen Vorwürfe des größten Aktionärs zurück. Vorstand und Aufsichtsrat haben die Krise nach seiner Aussage durchaus früh genug kommen sehen und angemessen reagiert. Auch der Vorwurf an Kayser und Rapp, der Ausbau alternativer Kundenkreise gehe zu langsam voran, sei nicht sachlich. Schließlich seien die beiden noch nicht lange im Amt und hätten die Kuka-Führung in der Krise übernommen.

Kayser ist seit rund neun Monaten Vorstandsvorsitzender, Finanzchef Rapp bekleidet sein Amt etwa ein Jahr. Laut Bartke ist es aber nur mittelfristig möglich, die strategische Ausrichtung eines Unternehmens zu ändern. In der Krise sei ein solches Vorhaben umso schwieriger umzusetzen.

Was hinter den Vorwürfen von Grenzebach aber auch von Wyser-Pratte stecken könnte, bezeichnete der Kuka-Aufsichtsratsvorsitzende als unklar. "Es muss Motive geben, die bisher noch nicht auf den Tisch gekommen sind", so Bartke. "Konflikte jeglicher Art" hält er allerdings für denkbar, da Grenzebach nicht nur Großaktionär von Kuka sei, sondern auch Kunde und sogar Konkurrent in der Solarbranche.

Bartke äußerte die Vermutung, dass Grenzebach eine "Salamitaktik" verfolgt. Auf der ordentlichen Hauptversammlung Ende April, wo Management und Aufsichtsrat mit großer Mehrheit bestätigt wurden, hätten die Schwaben wohl noch keine Mehrheit für eine Ablösung des Vorstands gefunden, mutmaßt der Chefkontrolleur.

Jetzt, da die Kuka-Führungsriege in den vergangenen Wochen immer stärker unter Beschuss geriet, dürfte dies allerdings anders sein, sollte dem Antrag auf Einberufung eines außerordentlichen Aktionärstreffens stattgegeben werden: "Sie haben die faktische Mehrheit in der Hauptversammlung", räumte Bartke ein. Grenzebach und Wyser-Pratte halten 40% der Kuka-Stimmrechte.

Webseiten: www.kuka.com www.grenzebach.com -Von Nico Schmidt, Dow Jones Newswires, +49 (0)69 - 29725 114, nico.schmidt@dowjones.com DJG/ncs/rio Besuchen Sie auch unsere Webseite http://www.dowjones.de

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