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10.04.1998 - 

Firmen testen Datenübertragung via Steckdose

Stromschlag für Telcos und Internet-Provider

10.04.1998

"Internet aus der Steckdose" - diese Zukunftsvision wird für Kunden der Stromlieferanten RWE und ENBW in Deutschland, Vattenfall und Sydkraft in Schweden, Edon in den Niederlanden sowie Singapore Power schon bald Realität sein. Grundlage für die Datenübermittlung über Stromleitungen ist die sogenannte "Digital-Powerline-Technologie". Es handelt sich dabei um eine gemeinsame Entwicklung von Northern Telecom (Nortel) und Norweb, einer Tochter des britischen Energieversorgers United Utilities. Beide Firmen haben ein Joint-venture namens "Nor.Web" für die weltweite Entwicklung und Vermarktung der Technologie gegründet.

Digital Powerline ermöglicht nach Herstellerangaben eine Internet-Anbindung mit einer Bandbreite von einem Megabit pro Sekunde - einer zehnmal höheren Übertragungsrate im Vergleich zu ISDN. Weitere Vorteile sind die nahezu allumfassende Verfügbarkeit von Stromanschlüssen sowie die damit verbundene kostengünstige Infrastruktur. Nor.Web-CEO Steve Pusey spricht nach Angaben des "Wall Street Journal" von einer Massentechnologie, mit der das Web-Surfen so einfach wie Fernsehen werde.

Wettbewerbsvorteile nicht zum Nulltarif

Sollte Digital Powerline tatsächlich so verläßlich und billig sein, wie die Anbieter versprechen, könnten vor allem in Europa ganz neue Marktsegmente erschlossen werden. Zusätzlich werden den Telcos und ISPs möglicherweise von hohen Telefon- und Zugangsgebühren gebeutelte Kunden in Scharen davonlaufen. Allerdings ist die Installation durchaus mit einigen Hürden verbunden. So müssen die Stromversorger beispielsweise Schaltkästen an allen Umspannstationen anbringen, die über die Hauptstation an das öffentliche Telefonnetz angeschlossen werden. Nutzer ihrerseits müssen spezielle, modemähnliche Geräte kaufen, die mit einer Datenkommunikationsbox im Stromzähler verbunden werden. Ganz ohne Software kommt der Service natürlich auch nicht aus.

Tesion, ein Stuttgarter Tochterunternehmen des baden-württembergischen Stromlieferanten ENBW, wird innerhalb der nächsten zwei Monate einen Testbetrieb mit ausgewählten Nutzern starten. Laut Pressesprecher Hans Gäng geht es dabei in erster Linie darum, die technische Funktionalität und Stabilität der Technologie auszuloten. Über konkrete Einführungsdaten oder Preismodelle habe man sich daher noch keine Gedanken gemacht, so Gäng. Im Gespräch war der Tesion-Sprecher überrascht zu hören, daß mit der RWE bereits ein deutscher Konkurrent im Boot sitzt. Gäng wähnte die Firmenmutter ENBW noch allein auf nationaler Flur. Offensichtlich teilen die RWE-Verantwortlichen die Ansicht des ENBW-Vorstandsvorsitzenden Karlheinz Bozern, daß die Nutzung der Stromnetze für die Datenkommunikation den Energieunternehmen eine interessante Perspektive bei der Ausweitung und Diversifizierung ihrer Dienstleistungen biete.

Nortel und United Utilities denken indes schon weiter. Sie wollen andere Dienstleistungen über den Internet-Zugang hinaus anbieten. So hat Nortel jüngst ein Gerät in der Größe eines Anrufbeantworters angekündigt, mit dem sich über die Steckdose sowohl Internet-Zugang als auch Internet-Telefonie sowie zusätzlich die Steuerung von Alarmanlagen oder Lichtschaltern realisieren lassen. Über Wunsch oder Wirklichkeit wird der jetzt gestartete Feldversuch in Europa und Asien entscheiden.