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01.02.1980 - 

Umstellungsquerelen schreckten Schwaben nicht:

Stromversorger EVS wechselt von ICL zu Univac

STUTTGART - Mit "nicht gerade unerheblichem Umstellungsaufwand" (Mitarbeiterzitat) verabschiedete sich die Energie-Versorgung Schwaben AG (EVS) von einer ICL-Anlage und wechselte zu einem System vom Typ Sperry Univac 1100/12.

Mit der Inbetriebnahme des neuen Großrechners, so Vorstandsvorsitzender Dr. Lilienfein, gehöre die EVS zu den wenigen Versorgungsunternehmen, die ihre Kraftwerksinvestitionen künftig so aussteuern könnten, daß eine bestmögliche Anpassung der Stromversorgung an einen sich ändernden Bedarf sowie eine Minimierung der Energiekosten erreicht werde.

Die Entscheidung für den Univac-Rechner fiel den Schwaben nach eigenem Bekunden "nicht ganz leicht". Von ursprünglich zehn zur Angebotsabgabe aufgeforderten Herstellern blieben zum Schluß lediglich noch Univac und Siemens im Rennen. Marktführer IBM schied bereits in der "Aufwärmrunde" aus. "Die schickten uns zwar sechzig oder siebzig Seiten ihrer >Bausteinbriefe<", stichelt ein EVS-Sprecher, "aber wir hatten den Eindruck, daß man weder auf unsere Fragen noch auf unser konkretes Problem einging."

Für die Übernahme der Programme mußten rund 500 000 Programmzeilen in Cobol und Fortran umgestellt werden. Hierzu brauchte die EVS-Crew unter dem Streß "nahezu unzähliger Überstunden" einen Zeitraum von etwa einem Jahr. Der Manpower-Einsatz seitens Univac beliefe sich auf zehn Mann-Jahre.

Bei der "Einweihung" des geleasten Univac-Rechners (Gesamtwert der Anlage 10,5 Millionen Mark) wies Lilienfein auf eine "optimale Strombeschaffungs-Strategie" hin, bei der freilich eine Fülle von Imponderabilien berücksichtigt werden müßten. Die Grenzen der Rechenbaren seien hier nahezu erreicht. Das neue System berücksichtige für das Unternehmen positive Alternativen, wie beispielsweise die Änderung des Stromverbrauchs, die Kosten der Strombezüge von anderen Unternehmen sowie wechselnde Finanzierungskonditionen.

Bei der EVS arbeitet man seit etwa 40 Jahren mit Hilfe der Datenverarbeitung. Ursprünglich wurden die aufwendigen Stromabrechnungen noch mit Hollerith-Maschinen und Lochkarten gemacht. Später wurden dafür Computer eingesetzt. Die erste Großrechneranlage wurde 1967 bei der Stuttgarter EVS-Hauptverwaltung installiert.

Derzeit gibt es bei der Energie-Versorgung Schwaben AG etwa 700 verschiedene Programme, wovon mehr als die Hälfte für den kaufmännischen Bereich benötigt wird (132 umfaßt allein die allgemeine Stromabrechnung). Das Unternehmen geht allerdings davon aus, daß lediglich aus dem laufenden Wachstum der jährliche, durch Computer zu erledigende Rechenbedarf um rund 20 Prozent zunehmen wird. Eine weitere Inanspruchnahme der durch das neue System verdreifachten Rechen- und Speicher-Kapazität wird die Umstellung auf Bildschirmbedienung bringen. Die EVS wird an die neue Sperry Univac-Anlage demnächst rund 40 Bildschirmterminals anschließen. Außerdem muß die zentrale Datenverarbeitungsanlage in der Stuttgarter Hauptverwaltung auch noch die Satellitenrechner bei den vier EVS-Betriebsverwaltungen in Öhringen, Herrenberg, Tuttlingen und Biberach mit Daten versorgen und die von dort nach Stuttgart über Standleitungen verschickten Informationen verarbeiten.

Auch der Dialog mit dem Rechner bei der zentralen Lastverteilung der EVS in Wendlingen gehört zum täglichen Pensum der Stuttgarter Anlage.

Wegen zunehmender Bildschirmarbeiten wurde insbesondere Wert darauf gelegt, daß das neue System eine hohe Betriebssicherheit aufweist. Alle lebenswichtigen Komponenten seien deshalb doppelt vorhanden, so daß der Ausfall einer Komponente nicht zum Zusammenbruch der gesamten Anlage führe. So sind beispielsweise neben zwei Zentralrechnern auch die Platten- und Band-Kanäle mindestens in doppelter Version vorhanden. Eine Störung führe zwar zu einer Leistungsminderung, jedoch nicht zum Gesamtausfall.

Für die Tarifkunden der EVS soll die Univac-Anlage die Voraussetzung zur Einführung der sogenannten "Bestabrechnung" bringen. Vorstandsvorsitzender Lilienfein kündigte abschließend an, daß jetzt die automatische Einstufung in den jeweils günstigsten Strompreis für den Stromverbrauch des Jahres 1981 eingeführt werden soll.