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15.04.1977

Strukturveränderungen

Halbjährlich legt die Diebold Deutschland GmbH die "Diebold-Statistik" der installierten EDV-Anlagen in der Bundesrepublik vor und halbjährlich lernen Mr. Automation`s Frankfurter Mannen dazu. Nunmehr hat es tatsächlich damit ein Ende, daß Minis und Jumbos wahllos zusammengezählt werden. Auch die strikte Trennung von universellen Computern, Kleinrechnern und Terminalsystemen wurde in der "halboffiziösen" Statistik endlich aufgegeben. Dennoch werden die Diebold-Zahlen umstritten bleiben, weil sie vor allem auf Schätzungen oder auf interessengefärbten, nicht überprüfbaren Eigenangaben der Hersteller beruhen. IBM veröffentlicht prinzipiell keine Zahlen über den installierten Maschinenpark und die anderen Hersteller lügen bei den werbeträchtigen Angaben über ihre Marktanteile wie gedruckt.

Interessanter als die Zahlen erscheint deshalb, wie Diebold Deutschland die Entwicklung auf den Teilmärkten der Branche kommentiert. Auch hier bestätigt sich, daß der Markt erheblichen strukturellen Änderungen unterliegt. Diese rechtzeitig erkannt zu haben, kann für die Anwender sehr wertvoll sein.

Dedizierte Mittelklasse-Dialogsysteme

Der Anteil der Großrechner (Kaufpreis über 1 Million Mark) am Wert der "gesamten Installationen" ist seit 1975 rückläufig. Das liegt einmal am Abbau vergleichsweise "teurer" Altanlagen, ferner an den Preissenkungen für neuere Modelle, an der Saturierung des Marktes und schließlich am wachsenden Gewicht der Kleinrechner im Gesamtmarkt. Daraus folgt, daß die Hersteller in diesem stark umkämpften, weil weniger expandierenden Teilmarkt stärker denn je langfristige Kundenbindungen anstreben, und zwar vornehmlich durch die Verlagerung vom Mietgeschäft zum Kaufgeschäft - zum Leidwesen der unabhängigen Leasing-Firmen. Das mittelfristige jährliche Wachstum im Großrechner-Geschäft wird mit nur 5 Prozent prognostiziert, gegenüber 10 Prozent bei den "Mittelgroßen Rechnern" und etwa 25 Prozent bei Kleincomputern (Kaufpreis bis 250 000 Mark).

Bei den "Mittelgroßen Rechnern" ist zu bemerken, daß sie nicht mehr als "Einstiegsmodell" bei neuen Anwendern zum Einsatz kommen. Interessant ist die Diebold-Betrachtung, daß es einen Trend gibt, Mittelklasse-Rechner zunehmend als dedizierte Dialogsysteme zu nutzen.

Postmonopol als Hemmnis

Bei den Kleinrechnern ist eine Verlagerung vom Kauf zum Leasing zu verzeichnen und die Benutzerfreundlichkeit der Systeme führt dazu, daß die Händlerorganisationen zunehmend Bedeutung für den Vertrieb zurückerlangen. Dadurch werden sich wohl freiwerdende Vertriebsmannschaften - nach erfolgreicher zusätzlicher Schulung - auf die Großbetriebe einschießen können, wo das Geschäft mit dem Distributes Processing winkt. Deshalb auch sind Terminals der zweite Wachstumsmarkt - mit etwa 30 prozentigen Zuwachsraten trotz erwarteter drastischer Preissenkungen. Ein kräftiger Diebold-Seitenhieb auf das DFÜ-Post-Monopol: "Tarif- und Benutzungsvorschriften der Bundespost hemmen den Aufbau von Rechnerverbundsystemen."

Auch die Bemerkungen zur Software-Entwicklung verdienen Beachtung: Diebold sieht einen Trend zu physikalischer Einbindung der System-Software in die Maschine (vor allem als Schutz gegen die Konkurrenz) und prophezeit einen Rückgang der Absatzchancen für übertragbare, sehr komplexe Software-Lösungen. Softwarehäuser werden so zunehmend zu Systemhäusern. Und bei der EDV-Beratung wird es eine zunehmende Verknüpfung mit allgemeiner Organisationsberatung geben.

Keineswegs mehr ein Eldorado wird der Markt für Service-Rechenzentren sein, wo es mittelfristig für die etwa 400 deutschen RZ-Unternehmen nur noch 5 Prozent Wachstum geben dürfte. Hier die wichtigsten strukturellen Merkmale: Anhaltende Spezialisierung und Konzentration. Abwanderung von Kunden zu eigenen Rechnersystemen. Verstärkte Akquisition und Betreuung durch kundennahe Vertretungen.

Wie sehr die Computerindustrie und ihre Teilmärkte im Wandel sind, wird deutlich, wenn man sich daran zurück erinnert, welche teilweise arg falschen Prognosen für die Branche vor fünf Jahren gang und gäbe waren.