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26.10.2001 - 

McKinsey gewährt Teilnehmern der Summer Academy seltene Einblicke

Studenten erleben Beratertraining hautnah

McKinsey rief und alle kamen: Insgesamt 450 Teilnehmer pilgerten kürzlich nach Passau zur "Summer Academy". 100 Studenten waren zu der Mischung aus Talentsuche und Beratertraining eingeladen. Zusammen mit 300 Beratern, die noch kein ganzes Jahr für McKinsey arbeiten, und 50 Seniorpartnern tauschten sie Wissen aus und lernten Neues über die Arbeitsweise des Unternehmens. Von CW-Mitarbeiterin Bettina Wirth

Das Beratungshaus hoffte, mit dem dreitägigen Treffen besonders solche Studenten neugierig zu machen, die sich bisher nicht für eine Beraterlaufbahn interessiert hatten. Die Rechnung ging offenbar auf: Studenten aus allen wissenschaftlichen Bereichen bewarben sich. McKinsey wertet dies als Erfolg, denn so bunt wie die Passauer Kandidatentruppe präsentiert sich die Belegschaft der Unternehmensberatung keineswegs: Geisteswissenschaftler, Mediziner und Juristen machen zusammen lediglich zwölf Prozent der Belegschaft aus.

Die Kandidatenauswahl für ein solches Treffen ist hart, obwohl es noch um keinen Job geht: Von 1300 Bewerbern wurden 100 Teilnehmer handverlesen. Auf der Summer Academy erlebten die geladenen Studenten dann hautnah die Schulungsmethoden und Vorgehensweise der Berater. Sie durften Fallstudien, Trainings und Vorstellung der "Functional Practices" - so heißen bei McKinsey die Fachbereiche - genauso besuchen wie die 300 Mitarbeiter. Also verteilten sich der frisch rekrutierte McKinsey-Nachwuchs der vergangenen zwölf Monate und die Studenten in kleinen Gruppen über den Campus und erarbeiteten gemeinsam Business-Pläne, schulten ihr Präsentationsverhalten oder erprobten ihre Kreativität.

Beispiel: eine Fallstudie zur IT-Integration. Peter Peters, Associate Principal, überlegt zusammen mit einer Gruppe von Studenten und Beratern, welche Auswirkungen die Fusion zweier Großbanken auf die IT-Systemlandschaft des neuen Konzerns haben wird. Peters, mit 206 Zentimetern Körperlänge der wahrscheinlich größte McKinsey-Berater Deutschlands, verdeutlicht, dass die Systemfrage kein rein technisches Problem ist, sondern strategische Bedeutung aufweist. Als Mitbegründer des "Business Technology Office" (BTO) nutzt er die Arbeit an der Fallstudie, um für McKinseys IT-Kompetenzzentrum zu werben. Nach ihren ersten Joberfahrungen sollen sich schließlich weitere Jungberater für das BTO begeistern. Auch den anwesenden Studenten versucht Peters das Technik-Center schmackhaft zu machen. Der promovierte Informatiker betont, dass spezifische IT-Kenntnisse für die Mitarbeit im BTO unnötig seien, auch wenn er schmunzelnd einräumt: "Mir hat die Informatikausbildung nicht geschadet."

Die jungen McKinsey-Berater reisen eigentlich gern nach Passau, um Wissen auszutauschen und bundesweit Kontakte mit anderen Neulingen zu knüpfen. Aber der volle Terminkalender bremst bei dem einen oder anderen Nachwuchs-Consultant schon mal die Freude über den dreitägigen Schulungstrip. Dann achten die Seniorpartner darauf, dass die Neulinge das Trainingstreffen doch noch zwischen ihre Termine zwängen.

Wichtigstes Auswahlkriterium für die teilnehmenden Studenten sind und bleiben die sehr guten Noten, auch wenn Ulrich Fincke, Seniorpartner und verantwortlich für das Beratertraining, sich bemüht, deren Bedeutung abzuschwächen: "Gute Noten allein machen uns nicht neugierig." Auslandsaufenthalte und politisches, soziales und kulturelles Engagement würdigen die Berater bei der Auslese der Teilnehmer ebenfalls. Auffallend viele Studenten, die auf dem Passauer Unicampus eifrig von Workshop zu Workshop eilten, frönen vielseitigen Freizeitinteressen.

Sportliche Erfolge überzeugenValerie Viehoff beispielsweise nahm letztes Jahr in Sydney an den Olympischen Spielen teil und errang für die deutsche Damenrudermannschaft eine Silbermedaille. Die Studentin der Literaturwissenschaften, Kulturgeografie und Romanistik bewarb sich im Internet für die Summer Academy: "Das Online-Formular auszufüllen hat zwar auch eine Stunde gedauert, aber die Hemmschwelle, sich zu bewerben, war viel niedriger, als wenn ich den vorgefertigten Lebenslauf hinschicken hätte müssen."

Ihr Beispiel zeigt, dass die Unternehmensberatung sich zunächst erfolgreich bei einer neuen Zielgruppe vorgestellt hat. Die Studentin der Geisteswissenschaften stuft die Berater nun als weniger elitär ein als zuvor angenommen. "Außerdem bringt die Veranstaltung einem auch etwas, wenn man nicht BWL studiert", stellte Viehoff fest. Ob diese Erkenntnis so nachhaltig wirkt, dass die Studenten sich später tatsächlich bei McKinsey bewerben, bleibt fraglich: Die 70-Stunden-Woche, von der schon junge Berater auf dem Event erzählten, schreckt selbst eine engagierte Leistungssportlerin ab. Denn eins ist klar: Wer sich für eine Beraterkarriere entscheidet, muss sämtliche Freizeitaktivitäten hintanstellen.