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06.12.1985

Studentenandrang zur FH-Informatik rüde gestoppt

BONN - Defizite allerorten für die Informatikausbildung in Fachhochschulen meldet eine Initiativgruppe der Gesellschaft für Informatik: Es mangelt so sehr an Personal und Equipment, daß die Hälfte aller Bewerber abgewiesen werden muß. Ein Memorandum mit einem Katalog von Sofortmaßnahmen soll diese Situation entschärfen helfen.

Im Juni 1985 legte eine Initiativgruppe der Gesellschaft für Informatik (GI) das "Memorandum zum Ausbau der Informatik an den wissenschaftlichen Hochschulen - Empfehlungen für Sofortmaßnahmen" vor. Maßnahmen zum Ausbau des infolge des fehlenden Numerus clausus überlasteten Hauptfaches Informatik müssen auch den Ausbau dieses Faches an den Fachhochschulen (FH) einschließen. Die Gesellschaft für Informatik hat deshalb Anfang Oktober ein zweites "Memorandum über den Stand und Entwicklungsmöglichkeiten der Informatik an Fachhochschulen" nachgereicht. Auch dieses zweite Memorandum basiert unter anderem auf Vorschlägen zur Verbesserung der Gerätesituation, die Professor Dieter Haupt am 19. und 20. November 1984 auf der Tagung "Zur Lage der Informatik" in Bonn vorgetragen hat.

Im Sommersemester 1985 gab es an 31 Fachhochschulen 42 selbständige Informatik-Studiengänge mit etwas über 10 000 - Studenten. Eine Aufschlüsselung nach den Informatik-Studienrichtungen ergab 14 Studiengänge Allgemeine Informatik, 13 Studiengänge Technische Informatik, zehn Studiengänge Wirtschaftsinformatik sowie sonstige Studiengänge der Informatik. Dabei ist der Anteil der Allgemeinen Informatik tatsächlich geringer, da viele Fachhochschulen, zum Beispiel alle Fachhochschulen in Bayern, nach einem allgemeinen Grundstudium die Studienschwerpunkte " Technische Informatik" oder" Wirtschaftsinformatik" zur Wahl anbieten.

Die Situation in der Informatik ist gekennzeichnet durch einen beträchtlichen Bewerberüberhang - etwa die Hälfte der sich bewerbenden Studienanfänger muß abgewiesen werden - und ein noch beträchtlicheres Defizit an Personal-, Geräte- und sonstiger Ausstattung. Der erhebliche Mangel an Professoren wird verstärkt durch das fast völlige Fehlen von wissenschaftlichen Mitarbeitern und Verwaltungspersonal. Die Geräteausstattung ist weitgehend veraltet, wie die viel zu geringe Ersatzinvestitionsrate deutlich zeigt. Zudem sind die laufenden Mittel eindeutig zu gering, um alle vorhandenen Geräte ordnungsgemäß zu warten. Die Weiterbildung der Professoren leidet unter anderem an zu geringen Mitteln für Fortbildungsreisen und Literatur.

Es wird vorgeschlagen, die Studienanfängerzahl in Informatik an Fachhochschulen von derzeit zirka 2900 auf 4000 pro Jahr zu erhöhen. Dadurch ergibt sich bei einer angenommenen Erfolgsquote von 75 Prozent eine jährliche Absolventenzahl von 3000 Informatikern. Dies entspricht der vorgeschlagenen Absolventenzahl an wissenschaftlichen Hochschulen, wobei eine Bedarfsquote der Wirtschaft von 50 Prozent FH/ 50 Prozent Uni vorausgesetzt wird.

Sollwerte für die Personal- und Geräteausstattung sind für die vorgeschlagene Studienanfängerzahl von 4000 pro Jahr und für die derzeitige Ist-Studentenzahl von etwa 10 000 in Informatik an Fachhochschulen angenommen.

Der Personalbedarf gliedert sich in den Bedarf der Informatik-Fachbereiche an Professoren, wissenschaftlichen Mitarbeitern, technischen Mitarbeitern und Verwaltungspersonal.

Folgende Relationen werden bei Berücksichtigung internationaler Standards und der Dynamik der Informatik angestrebt:

- Professoren und wissenschaftliche Mitarbeiter: Studenten = 1: 13,5

- Professoren: wissenschaftliche Mitarbeiter = 2: 1

- Verwaltungsmitarbeiter: Studenten = 1:120

Zu den technischen Mitarbeitern wird keine exakte Relation genannt; diese dürfte in der Technischen Informatik höher als in der Allgemeinen Informatik/Wirtschaftsinformatik liegen. Die Ist-Stellenzahlen an technischen Mitarbeitern sind, auch mit Einbeziehung der personellen Ausstattung der zentralen Hoch schulrechenzentren, völlig unzureichend.

Mit der vorliegenden Ist-Studentenzahl ergibt sich bei der vorhandenen personellen Ausstattung ein Defizit von 201 Professoren und 200 wissenschaftlichen Mitarbeitern. 4000 Studienanfänger machen eine Aufstockung um insgesamt 493 Professoren- und 346 Stellen für wissenschaftliche Mitarbeiter erforderlich.

Für die erforderliche mengen- und wertmäßige Geräte- und Softwareausstattung werden je Professor und wissenschaftliche Mitarbeiter ein Arbeitsplatzrechner und für je fünf Professoren ein Rechner für spezielle Anwendungen vorgeschlagen. Dies ergibt bei Ist-Studentenzahlen notwendige Investitionen in Höhe von 43,575 Millionen Mark. Bei 4000 Studienanfängern und entsprechender Personalaufstockung erhöht sich diese Investitionssumme auf 69,125 Millionen Mark.

Je Student sind Investitionen in Höhe von 5000 Mark erforderlich. Das ergibt bei Ist-Studentenzahlen eine Investitionssumme von 50,42 Millionen Mark, bei jährlich 4000 Studienanfängern 80 Millionen Mark.

Für Wartung sind 7,52 beziehungsweise 11,93 Millionen Mark per anno bei aktuellen beziehungsweise Soll-Studentenzahlen angesetzt, für Softwarebeschaffung 1,0 beziehungsweise 1,6 Millionen Mark. Weitere Empfehlungen beziehen sich auf Raum: ausstattung, Reise- und Fortbildungs- und Literaturkosten.

Dringend notwendige Grundlagentausbildung in Informatik an Nicht-Informatik-Fachbereichen ist in diesen Zahlenansätzen nicht enthalten dasselbe gilt für die Wahrnehmung eines Weiterbildungsauftrages in Informatik durch die Fachhochschulen.

Ausgehend von der geschilderten Situation, dem anzustrebenden Ausbau und den unterbreiteten Empfehlungen werden folgende Maßnahmen als erster Schritt zur Konsolidierung der Informatik-Studiengänge an Fachhochschulen empfohlen:

- Ein Sofortprogramm für Investitionen im Umfang von 25 Millionen Mark für 1986. Dieser Vorschlag basiert auf dem Soll-Investitionswert von 95 Millionen Mark bei Ist-Studentenzahlen und einem (geschätzten) Wertansatz von maximal 40 Millionen Mark für vorhandene Geräte.

- Ein jährlicher Ersatzbedarf von 16 Millionen Mark. Die laufenden Mittel sind entsprechend anzupassen. Eine dem Personalausbau folgende Erhöhung aller Ansätze ist erforderlich.