Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

11.03.1994

Studien von IDC und Dataquest kommen zu unterschiedlichen Resultaten Vobis fuehrt deutschen PC-Markt deutlich vor IBM und Escom an

MUeNCHEN (jm) - Waehrend sich Vobis 1993 in Deutschland als Spitzenreiter im PC-Segment etablieren konnte, stehen Atari und Commodore als die grossen Verlierer fest: Ihre Verkaufszahlen gingen drastisch zurueck. Als Shooting-Star der Branche darf sich Actebis feiern lassen: Mit 200 000 verkauften PCs katapultierte sich das Soester Unternehmen unter die ersten zehn der deutschen PC-Bestenliste. IBM und Compaq verkauften nur unwesentlich mehr Rechner.

Allerdings ergeben sich fuer den deutschen PC-Markt unterschiedliche Resultate, je nachdem, welches Marktforschungsinstitut man konsultiert. Die International Data Corp. (IDC) und die Dun & Bradstreet-Tochter Dataquest Inc. benutzen andere Fragemethoden und Definitionen, um zu ihren Ergebnissen zu gelangen.

Nach den Zahlen der IDC wuchs der PC-Markt in Deutschland von acht auf 8,5 Milliarden Mark. Insgesamt setzten die PC-Hersteller in Deutschland 1993 gegenueber dem Vorjahr allerdings nur 1,4 Prozent mehr Rechner ab. Brachte die Industrie 1992 2,7 Millionen Geraete an den Mann, waren es ein Jahr spaeter laut IDC 2,75 Millionen Stueck.

Anders sieht Dataquest den deutschen PC-Markt: Erwirtschafteten die Rechneranbieter 1992 noch 8,3 Milliarden Mark Umsatz, mussten sie im gerade abgelaufenen Jahr einen Umsatzrueckgang um 700 Millionen Mark auf 7,6 Milliarden Mark hinnehmen.

Waehrend IDC 1993 also beim Umsatz eine Steigerung von 6,9 Prozent fuer ausgemacht haelt, konfrontiert Dataquest die Hersteller mit einem Rueckgang von 7,5 Prozent. Die Differenz zwischen beiden Prognosen liegt bei immerhin 900 Millionen Mark.

Auf den ersten Blick scheinen dabei die IDC-Zahlen unlogisch: Bei ungebremstem Preisverfall im PC-Segment und einer nur geringen Steigerung an verkauften Rechnern duerfte die PC-Branche keinen - schon gar nicht einen um 6,9 Prozent gestiegenen - Wertzuwachs erfahren.

Andreas Zilch, Research Manager bei der IDC in Kronberg/ Taunus, erklaert den Widerspruch mit dem "extremen Einbruch" sowohl bei den Motorola-basierten Home-PCs von Atari als auch bei Commodores "C64"-Auslaufmodellen. "Ausgehend von einem relativ hohen Anteil dieser Maschinen" an den gesamten Auslieferungszahlen fuer 1992, so Analyst Zilch weiter, "hat der Verkaufsrueckgang dieser Rechner das Marktbild etwas verzerrt".

Als weitere Faktoren, die die deutsche PC-Landschaft beeinflussen, nannte Zilch den gegenueber 1992 hoeheren Marktanteil teurer Rechner: Hierzu gehoeren Notebooks mit 486SX-Prozessoren.

Auch die Zahl der Rechner mit 486DX-CPU sei 1993 im Vergleich zum Vorjahr erheblich gestiegen. Alle diese Systeme liegen vom Preis her deutlich ueber den "Amiga"- und Atari-Modellen. Konzentriere man sich auf Rechner mit Intel-Prozessoren, so ist die Zahl der ausgelieferten Rechner laut IDC sogar um 14,5 Prozent gestiegen.

Zudem seien die divergierenden Ergebnisse, so Zilch, in unterschiedlichen Fragemethoden der beiden Marktforschungsunternehmen begruendet. Im Gegensatz zu Dataquest, die nur bei den nationalen Hersteller-Dependancen recherchieren wuerden - diese Aussage wird von Brancheninsidern allerdings bestritten -, frage IDC auch bei den jeweiligen Europazentralen nach. Diese tendierten dazu, die Ergebnisse der lokalen Organisationen in ein besseres Licht zu ruecken.

Verwirrende Definitionen: Was ist ein Home-PC?

So wuerden sich etwa die unterschiedlichen Apple-Ergebnisse erklaeren, assistiert der fuer 1993er PC-Studie Deutschland zustaendige IDC-Analyst Michael Wille: Zwischen beiden Instituten driften die Apfel-Zahlen fuer 1993 weit auseinander: Nach IDC verkaufte das Spindler-Unternehmen 91000 Macs, Dataquest notierte demgegenueber 119000 Stueck.

Eine weitere Erklaerung, die Insider fuer die doch unterschiedlichen Marktaussagen der Analysten finden, sind die Adressaten der Befragungen. Meinte Ex-IDC-Marktforscher Peter Sondergaard von der Gartner Group in Kopenhagen: "IDC eruiert praktisch ausschliesslich bei den Herstellern."

Dataquest, so ein Brancheninsider, hake hingegen zudem bei Haendlern und Wiederverkaeufern nach, um den tatsaechlichen Verkaufszahlen auf die Spur zu kommen. Eine Sisyphusarbeit, wie IDC-Mann Wille meint, "weswegen wir Haendler nur in gewissem Rahmen befragen".

Erhebliche Differenzen ergeben sich darueber hinaus wegen der unterschiedlichen Produktdifferenzierung in professionelle und Home-Systeme. So verwirren beide Marktforschungsunternehmen die Interpreten ihrer Zahlen regelmaessig mit unterschiedlichen Zuordnungen der Rechner von Commodore und Atari.

Mit den in der Regel als Home-PCs eingestuften Computern machte vor allem PC-Oldie Commodore in der Vergangenheit glaenzende Geschaefte. Noch 1992 fuehrten die Frankfurter laut IDC mit einem Marktanteil von 16 Prozent aller in Deutschland verkauften Rechner - das entspricht einer Stueckzahl von 425 000 - die Hitliste der "PC-Anbieter" (IDC-Definition) klar vor Vobis an.

Dataquest sah im Gegensatz dazu nur 275 750 neue Commodore-Systeme am Markt. Allerdings sicherte diese Zahl dem Unternehmen 1992 nach Dataquest-Lesart immer noch Rang zwei hinter Vobis.

Erklaerung fuer die Diskrepanz: In die IDC-Zahl gingen auch 170000 8-Bit-Systeme der legendaeren Marke "C64" ein. Dataquest hingegen vernachlaessigt bei ihrer Hitliste diesen Rechnertyp. Diese Billigcomputer berechtigen wegen ihres Leistungsvermoegens und ihrer proprietaeren Eigenschaften eindeutig zur Klassifizierung als Home-Computer gegenueber professionellen PCs.

Schon bei Commodores Amiga-Systemen greift die Differenzierung in Home- und professionelle Maschinen jedoch nicht mehr ganz. Sowohl bezueglich der eingesetzten Prozessortypen (Motorola 680X0) als auch der Gesamtleistung koennen die als Multimedia-Maschinen positionierten Rechner vielen PCs mit Intel-CPU durchaus das Wasser reichen.

Erst recht gilt dies natuerlich fuer Commodores PCs, die mit den Prozessoren von Intel arbeiten. Allerdings gab der Computerveteran die Produktion dieser Rechnerlinien Mitte vergangenes Jahr mangels Resonanz am Markt auf. Zwar klebt seitdem der taiwanische PC- Produzent Acer das Commodore-Label auf eine seiner Rechnerfamilien. Die damit erzielten Verkaufszahlen sind "aber absolut vernachlaessigbar", so IDC-Mann Wille.

In Zahlen gefasst, errechnet sich fuer Commodore so oder so eine Katastrophe: 1992 noch top, belegt der PC-Pionier laut IDC 1993 mit insgesamt nur noch 139850 veraeusserten Rechnern lediglich Rang sieben unter Deutschlands PC-Anbietern. Auch bei Dataquest wurde Commodore 1993 mit einem Stueckzahlenrueckgang von 45,1 Prozent und 151440 an den Mann gebrachten Systemen auf den sechsten Rang hinter die Siemens-Nixdorf Informationssysteme AG (SNI) durchgereicht. Meinte eine Dataquest-Sprecherin trocken: "Beim Umsatz sieht es noch finsterer aus." Sie wollte allerdings keine Zahlen nennen. Laut IDC verzeichnete Commodore 1992 noch fuer rund 400 Millionen Mark Einnahmen, stuerzte 1993 aber auf 112 Millionen Mark ab.

Ein aehnliches Debakel erlebte Atari, frueher auch ein grosser Anbieter im Home- und Spielebereich, dessen Geraete sich vor allem bei Schuelern, Studenten und Musikern grosser Beliebtheit erfreuten. Mit 37 000 verkauften Rechnern trabt das Unternehmen des Branchenunikums Jack Tramiel nach IDC-Meinung weit hinter den anderen PC-Anbietern her. Ataris Systeme sind allerdings - abgesehen von ihren Intel-Modellen - noch hermetischer in die proprietaere TOS-Betriebssystem-Umgebung eingewoben, als dies fuer Commodores Amiga-Modelle gilt.

Die beiden PC-Pioniere haben, so IDC-Analyst Zilch, die Gunst der Kaeufer vor allem an zwei Konkurrenten verloren, die ueberhaupt nicht im PC-Markt operieren. Sowohl das Vier-Milliarden-Dollar- Unternehmen Sega als auch Nintendo (5,2 Milliarden Dollar Umsatz) motivieren mit ihren digitalen Spielen erheblich haeufiger zum Kauf als Commodore und Atari. Sie gruben den PC-Herstellern im vergangenen Jahr das Wasser ab. Als Anbieter kommerziell verwendbarer Rechner seien ihre Systeme, so Zilch weiter, zudem keine Alternative zu den wesentlich leistungsstaerkeren 486DX- Intel-PCs.

Auch am eigentlichen Gewinner der PC-Branche 1993, der Actebis Computerhandelsgesellschaft mbH, laesst sich die unterschiedliche Arbeitsweise von Dataquest und IDC erkennen. IDC-Analyst Zilch errechnet fuer das 1986 in Soest gegruendete Unternehmen eine Steigerung der Verkaufszahlen um sage und schreibe 160 Prozent. Mit 200000 im vergangenen Jahr abgesetzten PCs katapultierte sich das Unternehmen unter die erfolgreichsten fuenf PC-Anbieter Deutschlands.

Bei Dataquest hingegen tauchen die Nordrhein-Westfalen mit 96 000 ausgelieferten Maschinen erst hinter Apple auf Rang acht auf. IDC- Mann Wille und Dataquest-Frau Christa Ritzinger erklaeren diese Diskrepanz mit der Tatsache, dass IDC nicht nur - wie Dataquest - die Hausmarke "Targa" als Actebis-Produkt betrachtet, die das 850- Mitarbeiter-Unternehmen ueber den Fachhandel vertreibt.

Actebis beliefert Schneider und Horten sowie Karstadt

Die IDG-Tochter zaehlt auch die in Lizenz fuer die Schneider Rundfunkwerke AG, Tuerkheim, produzierten und exklusiv ueber den Schneider-Fachhandel vertriebenen "Schneider"-PCs hinzu. Ausserdem fasst IDC nach den Worten von Wille auch die Verkaeufe der "Okano"- Rechner bei Karstadt, die in den Horten-Kaufhaeusern stehenden "Sysline"-Modelle sowie die ueber einen Massenvertreiber veraeusserten Rechner zu den Verkaufszahlen von Actebis.

Mit ihren PCs bestreitet Actebis noch 70 Prozent des Gesamtumsatzes. Dieser belief sich im Geschaeftsjahr 1993 (31.12.) laut Firmensprecherin Birgit Fahlbusch auf 1,1 Milliarden Mark, einer Steigerung gegenueber 1992 von 42 Prozent (775 Millionen Mark).

In die Umsaetze sind allerdings die Ergebnisse der Filialen in Frankreich, Oesterreich und der Schweiz eingerechnet.