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10.08.1979 - 

Anwenderbericht Spinnereimaschinenfabrik Seydel & Co., Bielefeld:

Stücklistenstruktur nur bis zu den Hauptbaugruppen

Seit dem 1. Januar 1976 leistet sich die Bielefelder Spinnereimaschinenfabrik Seydel den "Luxus" einer Ein-Mann-Organisationsabteilung, der auch die Einführung und Führung der EDV übertragen wurde. Seit dem 1. Januar 1977 verstärkt ein Operator diese Abteilung. Bis zum 31. Dezember 1977 setzte Seydel einen Magnetkontencomputer für die Bereiche Finanzbuchhaltung sowie Lohn- und Gehaltsabrechnung ein. Anfang 1976 faßte die Geschäftsleitung den Entschluß, auch die Materialwirtschaft und das Stücklistenwesen maschinell abzuwickeln. Mit dieser Aufgabenstellung war die MKC-Anlage überfordert. So mußte eine kleine, leistungsfähige EDV-Anlage gefunden werden, die die bereits laufenden Arbeiten und die zukünftigen Aufgaben übernehmen konnte. Nach gründlichen Untersuchungen und Vergleichen sowohl von Hard- als auch von Software fiel im Herbst 1976 eine Vorentscheidung zugunsten des Systems 61 von Honeywell Bull.

Der Software kam insofern große Bedeutung zu, als Programmpakete zum Einsatz kommen sollten, die einerseits die Wünsche des Hauses Seydel abdeckten und andererseits ohne größere Änderungen einsetzbar waren, um den angestrebten Umstellungstermin 1.1.1978 mit dem vorhandenen Personal einhalten zu können.

Vor der endgültigen Entscheidung wurde ein Test für das Programmpaket MIACS (Manufacturing Information And Control System) mit Seydel-Daten vorbereitet.

Der Test verlief auf Anhieb positiv. Die Testdaten bildeten die Grundlage einer Präsentation für die Geschäftsleitung sowie den Leiter AV und Konstruktion.

Der Eindruck dieser Vorführung war so positiv, daß im Februar 1977 der Vertrag für ein Honeywell Bull-Modell 61/60-2 mit 32 KB Hauptspeicher, vier Magnetplatten a 4,6 Millionen Bytes, einem Drucker, einem Kommunikationsprozessor mit 8 KB und drei Bildschirm-Terminals 7170 abgeschlossen wurde.

An Programmpaketen wurden gekauft: Finanzbuchhaltung (FIBU 77), Lohn- und Gehaltsabrechnung (DIALUG) und Materialwirtschaft (MIACS ONLINE) mit Stücklistenverwaltung, Auftragsbedarfsverwaltung, Lagerbestandsführung und Nettobedarfsermittlung.

Bisher wurden bei Seydel die Stücklisten mit der Schreibmaschine oder mit der Hand geschrieben; bei Bedarf die Originale der Ablage entnommen, fotokopiert oder Lichtpausen angefertigt. Gängige Identifizierung für ein Teil war die Zeichnungs-Nummer, die aus einer Buchstaben-Zahlen-Kombination, bei fortlaufender Zahlenvergabe, bestand.

Mit dieser Nummer war es nicht sinnvoll, eine EDV-Organisation zu beginnen. So mußte man eine eindeutige Identnummer schaffen.

Die bereits bestehende Zeichnungs-Nummer wurde in den Teilestammsatz mit aufgenommen, damit der Betrieb sich weiterhin am Gewohnten orientieren kann, ohne der EDV weh zu tun.

Kauf- und Normteile bilden einen eigenen Nummernkreis nach einen neuen

Werks-Norm-Katatog. Der nächste entscheidende Schritt war die Festlegung des Aufbaus der Produktstrukturen. Das Produktionsprogramm erstreckt sich über vier Maschinentypen. Jede Maschine besteht aus 1200 bis 1400 Teilen, davon 50 Prozent Kaufteile. Jede

Maschine bildet 60 bis 80 Baugruppen mit 15 bis 25 Positionen. Die Problematik liegt nun darin, daß eine Spinnbandreißmaschine sowohl als Links- wie auch als Rechtsmaschine geliefert werden kann, die wahlweise je vier verschiedene Abliefervorrichtungen und wahlweise fünf verschiedene Kannen-, Dreh- und Wechselvorrichtungen erhalten. Die Kombinationsmöglichkeiten erweitern sich noch um eine Heizvorrichtung, Lichtschrankensicherung sowie eine Kühlvorrichtung. Der Aufbau jeder möglichen Kombination zur kompletten Produktstruktur hätte die Speichermöglichkeiten der vier 4,8-MB-Platten gesprengt.

6000 Teilestammsätze, 8000 Produktstrukturen

Man fand die Lösung durch den Kompromiß, die Stücklistenstruktur nur bis zu den Hauptbaugruppen aufzubauen die auf jeden Fall nicht mehr variierbar sind. Da eine Maschine aus nur sechs bis acht Hauptbaugruppen besteht, benötigt der Betrieb nicht

die Liste der maximal acht Positionen; bei der Plattenbelegung macht sich die Platzersparnis aber angenehm bemerkbar.

Mengengerüst Materialwirtschaft:

Teilestammsätze 6000

Produktstrukturen 8000

Aufträge/Bedarfe 4000

Für den Aufbau der Dateien mußten als erstes die Erfassungsbelege konzipiert werden.

Am 1. 7. wurde ein EDV-Mitarbeiter eingestellt, unser heutiger Operator. Zunächst betätigte er sich aktiv mit der Datenerfassung der Teilestämme und Produktstrukturen. Arbeitsunterlagen hierzu waren die alten Stücklisten; nur gelegentlich ergaben sich Rückfragen beim Konstruktionsbüro. Die erfaßten Daten lochte ein Service-Büro ab. In der Honeywell Bull-Geschäftsstelle kam es zum ersten Stücklisten-Verkettungslauf. Die bei diesem Datei-Erstaufbau zwangsläufig anfallenden Fehlerprotokolle wurden

dann durchgearbeitet. Änderungssätze erfaßt, erneut abgelocht und beim zweiten Lauf mitverarbeitet. Nach dem zweiten Lauf verfügte Seydel über Dateien, mit denen es möglich war, Stücklisten für die Spinnbandreißmaschine über Bildschirm abzufragen und weitere zu erstellen. Es folgte ein Konvertierungslauf der in der Geschäftsstelle benutzten Platten auf den Plattentyp, der bei Seydel zum Einsatz kam. Die Dateien wurden dann ab Anfang 1978 im eigenen Hause um die Ersatzteile und die anderen Maschinentypen erweitert.

Die sich zwischen der Datenerfassung außer Haus und den anschließenden Verarbeitungsläufen zwangsläufig ergebenden Wartezeiten wurden mit dem Erfassen von Stammdaten für die Finanzbuchhaltung und die Lohn- und Gehaltsbuchhaltung ausgefüllt. Zunächst wieder auf Belege, dann jedoch für die Buchhaltung auf Disketten, für die Lohn- und Gehaltsbuchhaltung bei einem 61-Anwender über Bildschirm direkt auf Magnetplatten. Durch diese überlappende Arbeitsweise waren bis Mitte Dezember 1977 alle Stammdaten erfaßt.

Am 27. 12. 1977 war der Übergabetermin der eigenen EDV-Anlage. In einer Abendaktion erfaßten die Leiter der Buchhaltung und EDV die Salden der Debitoren und der Kreditoren über Bildschirm; ebenfalls die Inventurdaten als Anfangsbestände für die MIACS-Lagerbestandsführung.

Das gesteckte Ziel, ab 1. 1. 1978 nur noch mit dem Honeywell Bull-Modell 61/60 zu arbeiten, war somit erreicht.

So liefen ab

2. 1. 78 - Finanzbuchhaltung

2. 1. 78 - SACS-Materialwirtschaft

25. 1. 78 - Gehalt Januar 78

7. 2. 78 - Lohn Januar 78 (vorher die Erfassung der Brutto-Lohnsätze).

Und so sieht die Abwicklung im Verkauf aus:

Der für die Ersatzteilaufträge zuständige Verkaufs-Sachbearbeiter arbeitet die eingegangenen Aufträge am Bildschirm durch, das heißt er prüft, ob die Teile bereits am Lager oder zum gewünschten Termin verfügbar sind.

Die AV-Materialwirtschaft erstellt die Fertigungs- und Lieferantenaufträge und gibt sie frei, wenn der Bestellbestand erreicht oder bereits unterschritten ist.

Anstoß hierfür können sein bei Einzelpositionen Bildschirmabfragen, sonst Lagerbestandslisten oder die Nettobedarfsermittlung. Kommen die gefertigten Teile ans Lager, erfolgt die Rückmeldung als Lagerzugang. Wird ein Ersatzteilauftrag ausgeliefert, erfolgt die Eingabe der gelieferten Menge, die den eingegebenen Bedarf reduziert beziehungsweise auflöst.

Bedienerhandbuch für die Fachabteilungen

Bei Maschinenaufträgen oder Umbauten - dies sind Ersatzteilaufträge, die sich oft über mehrere Baugruppen erstrecken - werden mit den Auftragsstücklisten automatisch die Bedarfssätze generiert, so daß die manuelle Eingabe über Bildschirm entfällt. Dieser Programmzweig wurde zu dem Stücklistenprogramm selbst geschrieben.

Die Schulung der Mitarbeiter in den Fachabteilungen wurde bei Anlauf der praktischen Arbeit mit MIACS im Hause Seydel durchgeführt. Zu diesem Zweck wurde ein Bedienerhandbuch erstellt. Für jede Order (Programm oder Programmfolge) sind die erforderlichen Eingaben aufgeführt. Die weitere Führung erfolgt ohnehin über den Bildschirm per Programm. Diese Kombination hat sich als so gut erwiesen, daß es keinerlei Anlaufschwierigkeiten gab. Auch im Betrieb ergaben sich keine Schwierigkeiten durch die neue EDV-Organisation. Die Stücklisten und Material-Entnahmescheine tragen neben der Identnummer, die allen Beteiligten ein neuer, nichtssagender Begriff ist, auch die bekannte, im jahrelangen Gebrauch eingeprägte Zeichnungsnummer.

Für 1979 ist vorgesehen, aus dem MIACS-Zeitwirtschaftsbereich die Arbeitsplanverwaltung und Erstellung der Arbeitspapiere einzuführen. Nach den guten Erfahrungen mit der MIACS-Materialwirtschaft sehen wir dieser Umstellung gelassen entgegen.