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Stuehleruecken hat im Sommer Hochkonjunktur

27.08.1993

Ueber ein Sommerloch brauchte sich die deutsche Computerpresse nicht zu beklagen. Puenktlich zum Beginn der Sauregurkenzeit setzte sich das Personalkarussell in Bewegung. Am mobilsten zeigten sich die Manager aus dem PC-Business. Die Annahme liegt nahe, dass die amerikanischen Konzernmuetter aus den niedrigen europaeischen Absatzzahlen personelle Konsequenzen ziehen. Der Verdacht laesst sich in den meisten Faellen nicht hundertprozentig erhaerten, denn Chefabloesungen finden gewoehnlich offiziell im gegenseitigen Einverstaendnis statt. Auffaellig ist allerdings, dass sich der Wechsel fuer fast alle Beteiligten sehr ueberraschend vollzieht. Oft steht noch kein Nachfolger bereit. Auch die scheidenden Manager haben in den wenigsten Faellen sofort die naechste Offerte in der Tasche.

Den Anfang der sommerlichen Jobwechsel machte Ende Juni der Dell- Geschaeftsfuehrer Hendrik Geissler, der nach nur 15 Monaten die Langener Deutschland-Dependance verliess. Der 38jaehrige kann auf eine bewegte Vergangenheit zurueckblicken. Vor zehn Jahren begann er seine Laufbahn in der DV-Branche bei Compaq, wo er vom Marketing-Support-Manager zum Marketing-Chef fuer Zentraleuropa avancierte. Vier Jahre spaeter, also 1987, unterschrieb er bei Digital Equipment. Hier zeichnete er zuletzt fuer den Bereich PCs, Workstations und Server verantwortlich. 1991 verliess Geissler Digital und ging zu Spea Software. Dieses Arbeitsverhaeltnis dauerte allerdings nur wenige Monate. Bereits im Fruehjahr 1992 bekam Geissler das Angebot von Dell. Was letztendlich den Ausschlag fuer die Trennung von Dell gab, bleibt ungewiss. Geissler soll sich mit dem amerikanischen Dell-Chef Joel Kocher ueberworfen haben, weil dieser angeblich unrealistische Vorstellungen in bezug auf weitere Umsatzsteigerungen und Betriebskostensenkungen gehabt habe.

Von Dell-Seite ist wiederum zu hoeren, dass man keine Manager brauchen koenne, die eine Lernphase in puncto Direktvertrieb noetig haetten. Die Langener haben jetzt offensichtlich genug von Experimenten mit Externen und entschieden sich fuer den 35jaehrigen Briten Nick Pike, der vier Jahre bei der britischen Dell- Niederlassung in Grossbritannien als Corporate Business Manager taetig war. Da der PC-Anbieter seine kuenftige Struktur europaeisch gestalten will, sieht er in einem britischen Geschaeftsfuehrer keinerlei Nachteil. So ganz scheint Dell dem Frieden aber nicht zu trauen. Pike soll die Position zunaechst fuer ein Jahr bekleiden, eventuell auch laenger.

Auf eine im Vergleich zu Geissler weitaus stetigere Vergangenheit kann der ehemalige Vice-President von NEC Deutschland, Oskar Waid, zurueckblicken. Er hat sein zehnjaehriges Firmenjubilaeum knapp verpasst, als er die Muenchner Niederlassung Ende Juni nach eigenen Angaben aus persoenlichen Gruenden verliess. In letzter Zeit hatte sich seine Arbeit bei dem japanischen Tochterunternehmen schwierig gestaltet.

So konnte NEC Deutschland das angestrebte Ziel, mit den im Fruehjahr 1991 vorgestellten PCs einen Marktanteil von 20 bis 25 Prozent zu erreichen, nicht realisieren. Aufgrund der schlechten Geschaeftslage sahen sich die Muenchner Anfang 1993 gezwungen, 50 Mitarbeiter zu entlassen und Management-Funktionen zu reduzieren. NEC Deutschland ist immer noch auf der Suche nach dem passenden Nachfolger fuer Waid. Bis dahin wird kommissarisch Taku Okuto diesen Aufgabenbereich uebernehmen. Er ist seit Anfang vergangenen Jahres bei NEC Deutschland als Managing Director taetig.

In der schnellebigen PC-Branche gibt es relativ wenige Gesichter, die man automatisch einem bestimmten Unternehmen zuordnet. Zu diesem seltenen Typus gehoerte bis vor kurzem Willy Soehngen, der sich in seinen sechs Lotus-Jahren und als Vorsitzender des Verbands der Software-Industrie Deutschland einen Namen machte. Auch er hat im "gegenseitigen Einvernehmen" den Schlussstrich unter seine Zeit als Lotus-Geschaeftsfuehrer gezogen. Er gibt allerdings zu, dass es in letzter Zeit Diskussionen und Differenzen gegeben habe. Einer der Gruende: Durch die europaweite Umstrukturierung seien die Verantwortungsbereiche einzelner Geschaeftsfuehrer beschnitten worden. Bis jetzt hat Lotus noch keinen passenden Nachfolger gefunden.

Im Gegensatz dazu ist Soehngen schon fuendig geworden. Er wird dem bayerischen Voralpenland den Ruecken kehren und im September in Duesseldorf bei Novell als Geschaeftsfuehrer antreten. Die deutschen Netzspezialisten haben in puncto Fuehrung eine bewegte Zeit hinter sich. Der ehemalige Novell-Chef Bernd Buchholz war von Ende 1989 bis 1992 als Novell-Geschaeftsfuehrer im Amt. Danach nahm er eine europaweite Position innerhalb des Novell-Konzerns an und verliess das Unternehmen Anfang 1993. Angeblich schieden sich die Geister an der neuen Vertriebspolitik.

Die Novell-Aera des Nachfolgers, Michael Einhaus, der von Adcomp kam, dauerte nur vier Monate. Ueber die Gruende schweigt sich das Unternehmen aus. Einziger Kommentar: "Wenn ein Geschaeftsfuehrer nach ein paar Monaten wieder geht, dann hat es auf beiden Seiten nicht geklappt." In der Zeit seit seinem Weggang im April 1993 baute Novell auf interne Hilfe und beauftragte Roland Richter, der frueher fuer den Vertrieb in Deutschland zustaendig war und inzwischen fuer die britische Novell-Tochter taetig ist.

Eine unspektakulaere Wachabloesung gab es bei der Wordperfect Software GmbH. Nach fuenf Jahren Taetigkeit hat der bisherige Geschaeftsfuehrer Dirk Sebald Ende Juni das PC-Software-Unternehmen verlassen. Ueber den Anlass des Wechsels und ueber die kuenftigen Plaene von Sebald wurde bis jetzt nichts bekannt. Der Nachfolger stammt aus den eigenen Reihen. Der bisherige Direktor Marketing Marco Seiler hat jetzt die Position des Geschaeftsfuehrers bei Wordperfect eingenommen.

Nicht einmal ein Jahr saThomas Kretschmer auf dem Chefsessel bei der deutschen Legent-Tochter, als er sich entschloss, das Unternehmen zu verlassen. Kretschmer stand seit 1985 dem Software- Anbieter Goal vor. Durch die Fusion von Goal und Legent im Herbst letzten Jahres avancierte er zum Geschaeftsfuehrer von Legent Deutschland. Der 44jaehrige New Yorker lebt seit 20 Jahren in Deutschland. Ueber sein kuenftiges Taetigkeitsfeld wurde bisher nichts bekannt, dass er sich "anderen Interessen widmen" wolle. Inzwischen leitet mit Lex Hennequin ein Legent-Erfahrener die in Neu-Isenburg ansaessige Softwareschmiede. Er ist seit fuenf Jahren in Grossbritannien fuer den Bereich Distributoren verantwortlich.

Zu neuen Ufern ist Wolfgang Schroeder, ehemaliger Borland- Geschaeftsfuehrer, aufgebrochen, der die deutsche Niederlassung der amerikanischen Softwareschmiede Ende Juli verliess. Der Hobbysegler ging nach eigenen Angaben aus persoenlichen Gruenden. Ihm wurde das Leben in der moeblierten Wohnung zuviel. Sein eigentlicher Wohnsitz befand sich waehrend seiner Langener Taetigkeit immer noch in der Koelner Gegend. Schroeder leitete zuvor die Geschicke der deutschen Ashton-Tate-Tochter. In Folge des Aufkaufs durch Borland im Sommer 1991 verdraengte er die bisherige Borland-Geschaeftsfuehrerin Eva Preuss von ihrem Platz. Unter der Aegide von Schroeder zog Borland von Starnberg in die Zentrale des uebernommenen Dbase-Herstellers nach Langen um. In den naechsten Jahren beschaeftigte sich der Manager in erster Linie mit der Zusammenfuehrung der beiden PC- Software-Anbieter, eine Aufgabe, die er jetzt als abgeschlossen betrachtet.

In letzter Zeit geriet Borland, frueher unangefochtener Anfuehrer im PC-Datenbankmarkt, immer mehr in Bedraengnis. Grund fuer diese Entwicklung war vor allem der Einstieg von Microsoft in das Datenbankgeschaeft durch den Aufkauf von Foxpro und die Einfuehrung von Access. Die Gates-Company hatte es geschafft, die Windows- Versionen einige Monate vor den entsprechenden Releases von Borland auf den Markt zu bringen.

Eigentlich wollte Schroeder nach Beendigung seines Engagements fuer Borland Urlaub machen und sich seinem Segelhobby widmen. Doch daraus wurde nichts. Er ist naemlich seit Anfang August bei Business Objects als Geschaeftsfuehrer in Amt und Wuerden. Das franzoesisch-amerikanische Venture-Unternehmen mit Sitz in Paris stellt Tools fuer SQL-Abfragen her. Schroeder soll eine Tochtergesellschaft des hierzulande relativ unbekannten Softwareherstellers gruenden. Die Region steht fuer ihn auf jeden Fall schon fest: Raum Koeln.

Nach sieben Jahren hat Horst Enzelmueller der Wang Deutschland endgueltig den Ruekken gekehrt. In seiner Zeit hat der DV-Anbieter viele Hoehen und Tiefen miterleben muessen. Einen besonderen Einschnitt bedeutete der Antrag auf Glaeubigerschutz unter Chapter eleven, den die amerikanische Mutter im August letzten Jahres gestellt hatte. Die Sparplaene, die Wang daraufhin vorlegte, betrafen vor allem die eigenen Mitarbeiter. Der Personalstand sollte naemlich um 38 Prozent gekuerzt werden.

Dieser rigorose Sparkurs ging auch an der deutschen Niederlassung nicht spurlos vorueber. Standen im Juni 1992 noch 460 Mitarbeiter auf der Gehaltsliste, waren es Ende letzten Jahres noch 300. Gerade der Personalabbau stiess bei Wang-Kunden immer wieder auf Kritik. Auch innerhalb des Unternehmens mehrten sich die Stimmen, die den Aufbau des neuen Wang-Images als Dienstleister und die strenge Entlassungspolitik fuer unvereinbar hielten.

In diese Zeit fiel auch der Abschied von Enzelmueller als Wang- Geschaeftsfuehrer Deutschland, der diesen Posten im September 1992 gegen eine europaeische Funktion eintauschte. Er fungierte fuerderhin als Regional Director Central and Eastern Europe. Als neuer deutscher Wang-Chef trat der bisherige Kundendienstleister Rudy Albutat an. Die Position des Vice-President Europe, die bis dahin Ken Olisa innehatte, wurde nicht mehr besetzt. Geruechte besagen, dass Unstimmigkeiten mit der amerikanischen Entlassungspolitik fuer Enzelmueller der Grund waren, im August 1993 endgueltig den Hut zu nehmen. Offizielle Version: Nachdem die Zeichen darauf hindeuten, dass Wang im Herbst den Glaeubigerschutz nach Chapter eleven beenden kann und die Umstrukturierung der deutschen Tochter abgeschlossen sei, habe Enzelmueller sein Ziel erreicht.

Wegen der schlechten Konjunktur, verbunden mit der Krise in der DV-Industrie, sieht sich inzwischen fast jeder Anbieter gezwungen, den Guertel enger zu schnallen. Zur Reduktion der Fixkosten setzen die meisten auf Entlassungen. Betroffen sind hiervon in den haeufigsten Faellen die unteren Hierarchiestufen, waehrend die Fuehrungsriege oft ungeschoren davonkommt.

Einen anderen Weg ging die Control Data Systems (CDS). Das vor einem Jahr aus dem Computerbereich der Control Data Corp. hervorgegangene Unternehmen setzte den Rotstift nicht nur in den unteren Mitarbeiterebenen an, sondern strich auch tuechtig in der Fuehrungsetage. Seit Anfang dieses Jahres gibt es in Europa keine eigentlichen Laenderchefs mehr. Zwar muessen Geschaeftsfuehrer pro forma in das Handelsregister eingetragen werden, die Geschicke des Betriebs leiten aber die einzelnen Verantwortlichen der drei Hauptbereiche Engineering, Design und Manufacturing.

Sie berichten direkt an die drei europaeischen Chefs dieser Einheiten. Dadurch konnte Control Data Systems einige der Manager-Generalisten einsparen, die in der traditionellen Organisation ueber den Spezialisten walten. Eine Entwicklung, so versichert CDS, gegen die sich die restlichen Mitarbeiter nicht gewehrt haben.

Hiltrud Puf

Geissler: Stationen bei Compaq, Digital und Dell

Oskar Waid: Zehnjaehriges Jubilaeum bei NEC knapp verpasst

Willy Soehngen geht von Lotus zu Novell.

Lex Hennequin: Der Vorgaenger war nur knapp ein Jahr im Amt.

Ex-Borland-Chef Schroeder zieht es in den Koelner Raum.

Nach sieben Jahren verlaesst Enzelmueller die Wang GmbH.