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14.01.1983 - 

Baden-württembergische Expertengruppe legt Bericht vor:

Stuttgart soll Glasfasertechnologie forcieren

STUTTGART - Ein eindeutiges, wenn auch vorsichtig formuliertes Votum für die Glasfasertechnologie gab die baden-württembergische Expertengruppe "Förderung neuer Kommunikationstechniken" (EKOM) ab. Dem Auftraggeber, der Landesregierung in Stuttgart, empfahl sie, "sich für die frühzeitige Entwicklung, Errichtung und Erprobung" weiterer Glasfaserversuchsprojekte einzusetzen. Bundespostminister Christian Schwarz-Schilling warb dagegen neuerlich für sein Konzept der Breitbandnetze in Kupferkoaxialtechnik.

Nach einem knappen halben Jahr legte die Expertengruppe, zu der Hersteller, Anwender, Beratungsunternehmen und Wissenschaftler gehörten, fristgerecht ihren Abschlußbericht vor. EKOM-Vorsitzender Prof. Wolfgang Kaiser vorm Institut für Nachrichtentechnik der Universität Stuttgart präsentierte die Ergebnisse im Rahmen des in der Landeshauptstadt stattfindenden Kongresses "Zukunftschancen eines Industrielandes".

Die Empfehlungen und die vorgeschlagenen 46 Modellprojekte orientieren sich Kaiser zufolge an der zu erwartenden kommunikationstechnischen Entwicklung bis 1990. Bis 1985/86 werde die Innovation vor allem durch erweiterte Teilnehmerendgeräte und neue Nutzungsformen geprägt sein, sich aber noch auf die bestehende Infrastruktur des Fernsprech- und des Integrierten Fernschreib- und Datennetzes (IDN) abstützen.

Für die zweite Hälfte der achtziger Jahre sei mit der breiten Einführung der digitalen Vermittlungs- und Übertragungstechnik sowie mit der Integration aller schmalbandigen Dienste in einem Netz (ISDN) zu rechnen. Dadurch würden auch die schnelle Textübermittlung und die farbige Festbildkommunikation möglich.

Gegen Ende des Jahrzehnts, wenn (Glasfaser und optische Systeme einsatzfähig sind, erwarten die EKOM-Mitglieder den Ausbau des schmalbandigen Netzes zum Breitbandsystem. Über dieses Universalnetz könnten dann alle Nutzungsformen der Individual- und der Verteilkommunikation - also auch bewegte Bilder - abgewickelt werden.

Angesichts der dafür erforderlichen Bandbreite reichten die heutigen Teilnehmeranschlüsse über Kupferdoppeladern nicht mehr aus. Kupferkoaxialkabel hätten zwar die notwendige Bandbreite, kämen aber "wesentlich teurer und würden zu sehr voluminösen Koaxialverbindungen führen". Daher ist es nach Meinung der Kommission günstiger, Glasfaserkabel zu verwenden.

Die bereits vorgesehenen Bigfon-Projekte sollten erweitert werden, um "einschlägige Erfahrungen für den technischen Aufbau und den Betrieb derartiger Netze zu gewinnen und die wirtschaftliche Realisierung breitbandiger dienstintegrierter Glasfaserortsnetze vorzubereiten".

So könnten beispielsweise ISDN-Netze, in denen Kabel neu verlegt werden müßten, schon mit Glasfaser ausgerüstet werden. Denkbar sei auch, die Glasfaser zunächst in begrenztem Umfang allein für die Verteilung von Fernseh- und Hörfunkprogrammen zu installieren. Darüber hinaus könnten bestehende Koaxial-Verteilnetze durch Glasfaser-Unternetze mit dem Ziel erweitert werden, Schritt für Schritt ganz auf diese Technologie umzustellen.

Als bedeutendste Nutzungsformen im breitbandigen Universalnetz sehen die baden-württembergischen Experten das Bildfernsprechen und andere Möglichkeiten der Videokommunikation sowie die Vorteile eines verbesserten Rechnerverbundes.

Zur schnellen Durchsetzung der vorgeschlagenen Projekte wurde der Landesregierung empfohlen, eine Koordinierungsstelle einzurichten, die alle bisherigen Informations- und Beratungsaktivitäten abstimmt, aktualisiert und - falls nötig - auch

initiiert. Die öffentliche Verwaltung sollte bei der Einführung neuer Kommunikationstechniken eine Schritt macherfunktion ausüben und einige der Modellvorhaben selbst realisieren.

Schließlich setzte sich die Stuttgarter Kommission auch mit der Rolle der Bundespost auseinander: Sie habe grundsätzlich "den richtigen Weg eingeschlagen", nun komme es darauf an, die Neuerungen bald ein zuführen. Wichtig seien dabei vor allem "günstige benutzungsrechtliche Bedingungen und attraktive Gebühren ".

Bundespostminister Schwarz-Schilling griff diese Anregung auf und stellte dem Kongreßpublikum die Klärung der Btx-Gebührenfrage für das erste Quartal dieses Jahres in Aussicht. Im übrigen rechne man mittlerweile damit, daß das neue Medium "in der Anfangsphase primär für die Datenübertragung im kommerziellen Bereich Anwendung finde de und die Nutzung der private: Haushalte erst dann folgt".

Darüber hinaus zeichnet sich nach den Worten des Ministers "ein zusätzlicher Bedarf an Kabelfernseh netzen" ab. Die Post werde dort investieren, wo ein Konsens mit der je weiligen Landesregierung bestehe und ein entsprechendes Dienstleistungsangebot gewünscht werde Als grundlos bezeichnete der Minister in diesem Zusammenhang die Befürchtung, daß durch die angekündigte Verkabelung in Kupferkoaxialtechnik der Glasfasertechnologie die Zukunft verbaut werde. Schwarz-Schillings Fazit: "Bei der Forderung nach neuen Kommunikationstechniken gleichen sich die Zielsetzungen der baden-württembergischen Landesregierung und die der Deutschen Bundespost fast vollständig."