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07.11.2003 - 

Airdatas zweiter Anlauf: Drahtlose Konkurrenz für das Telekom-Breitband

Stuttgart surft per Funk mit DSL-Geschwindigkeit

STUTTGART (hi) - Die Telekom, bislang mit DSL Marktführer in Sachen breitbandige Internet-Zugänge, bekommt Konkurrenz aus dem Funklager. Die Airdata AG hat Stuttgart mit Funktechnik der dritten Generation (3G) versorgt.

Mit "Portable DSL" belebt Airdata in Stuttgart den Gedanken des Wireless Local Loop (WLL) als Alternative zum Telefonkabel wieder neu. Per Funk versorgt das Unternehmen die Schwabenmetropole mit drahtlosen Internet-Zugängen, wobei der Surfer wahlweise mit doppelter ISDN-Geschwindigkeit (128 Kbit/s) oder DSL-Tempo (768 Kbit/s) online gehen kann. "Bis Ende 2004 planen wir, 30 deutsche Ballungszentren per Funk zu erschließen", blickt Wolfgang Keuntje, ehemaliger T-Online-Chef und nun CEO bei Airdata, in die Zukunft. Den Aufbau des rund 45 Quadratkilometer umfassenden Funknetzes finanzierten die Stuttgarter laut Keuntje mit den Geldern privater Investoren.

Im Schwabenland ist damit bereits Realität, was die Mobilfunkanbieter mit den UMTS-Netzen der dritten Generation oder die Hotspot-Betreiber mit Wireless LANs erst für die Zukunft versprechen: Im Büro oder zu Hause, aber auch bei Freunden oder während einer Besprechung im nächsten Bistro lässt sich das Internet mit hoher Geschwindigkeit ohne Telefonleitung nutzen. Außendienstmitarbeiter haben so beispielsweise auch während des Kundengesprächs Zugang zum Firmennetz. Die hierbei anfallenden Gebühren brauchen den Vergleich mit klassischen kabelgebundenen DSL-Anschlüssen nicht zu scheuen, wie folgendes Rechenbeispiel zeigt.

Bei Portable DSL mit einer Übertragungsgeschwindigkeit von 768 Kbit/s kostet die monatliche Internet-Flatrate 44,90 Euro, während die Telekom für den DSL-Zugang an einem analogen Telefonanschluss einen Pauschaltarif von knapp 50 Euro berechnet.

Beim Aufbau des Funknetzes bediente sich Airdata des Systems der kalifornischen IP Wireless Inc. aus San Bruno. Dabei handelt es sich, vereinfacht ausgedrückt, um eine Funktechnik, die im UMTS-Standard definiert ist. Allerdings wird hierbei nicht wie bei den Handy-Netzen der dritten Generation das W-CDMA-Verfahren (Wideband Code Division Multiple Access) verwendet, sondern TD-CDMA (Time Division-CDMA). Während W-CDMA auf Sprachübertragung ausgerichtet ist, eignet sich das im Airdata-Netz eingesetzte TD-CDMA besonders für den Datentransfer. Allerdings steht einem Einsatz von Voice over IP (VoIP) nichts im Wege, so dass auch diese Netze für die Sprachübertragung in Form von Datenpaketen geeignet sind.

Von diesen technischen Feinheiten bekommt der Endbenutzer in der Praxis kaum etwas mit. Für ihn ist der einzige Unterschied zu einem Handy-Netz, dass beim Wechsel von einer Funkzelle in die nächste nicht wie gewohnt ein automatisches Handover stattfindet, sondern die Verbindung abbricht. Ansonsten muss er lediglich ein etwa zigarettenschachtel-großes Funkmodem an seinen Rechner anschließen, um drahtlos online zu gehen. Unterwegs erhält der Funkadapter über einen eingebauten Lithium-Akku den benötigten Strom.

Für die 1998 gegründete Airdata ist der Netzaufbau mit Technik von IP Wireless bereits der zweite Anlauf in Sachen Wireless Local Loop. Das Unternehmen ist nämlich einer von ursprünglich 17 WLL-Providern, die 1999 per Funk eine Alternative zur Telekom und dem Telefonkabel auf der letzten Meile offerieren wollten. Doch von der damals vorherrschenden Goldgräberstimmung blieb wenig übrig. Während die Telekom Millionen Haushalten mit DSL einen breitbandigen Internet-Zugang anbot, machten die Funkanbieter meist nur durch Insolvenzmeldungen von sich reden. So existierten Mitte 2002 nur noch drei der bundesweit agierenden Anbieter. Auch Airdata hat in dieser Zeit nach Einschätzung von Branchenkennern kaum Geld verdient. Ein Grund hierfür dürfte unter anderem in der damals gewählten Netztechnik liegen. Mit der Entscheidung zugunsten des Funkmodems "Wiman" entschied sich Airdata für eine proprietäre und damit teure Lösung. "Wiman war in letzter Konsequenz nicht die adäquate Technologie für den angepeilten Zielmarkt", so Keuntje. Die standardkonforme Technik von IP Wireless sei langfristig für das Unternehmen günstiger und versetze es in die Lage, konkurrenzfähige Services zu vermarkten.