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03.07.2006 - 

Thema der Woche

Suche nach den Open-Source-Nuggets

Das Interesse, quelloffene Software auf breiter Front einzusetzen, ist größer denn je. Doch wie finden Anwender die geeigneten Programme? Ein Leitfaden.

Wenn ein Anwender nach guten ersten Erfahrungen mit einer Open-Source-Anwendung, typischerweise mit dem Web-Server Apache, mehr freie Programme einsetzen möchte, stößt er sogleich auf Probleme. Wer zum Beispiel die Datenbank MySQL betreiben will, benötigt normalerweise auch noch einige weitere Tools, die natürlich auch Open Source sein sollen. Doch welche Software eignet sich für die Umgebung des Anwenders am besten? Welche ist zukunftsträchtig? Wo findet man sie? Wie steht es um den Support?

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www.computerwoche.de/

578232: Anforderungen an Open-Source-Dienstleister im Wandel;

571245: Den richtigen Linux-Dienstleister finden;

571225: Broker helfen bei der Open-Source-Auswahl;

577399: Zunehmende Nachfrage nach Open-Source-Services.

Ein riesiges Angebot

Open-Source-Software entsteht in mehr oder minder großen Community-Projekten. Einen Überblick über diese erhält man auf Websites wie www.source forge.net oder http://freshmeat. net. Aber auch unter www. google.com/linux wird man fündig. Doch da beginnt schon das Problem: Freshmeat meldet momentan rund 41000 Projekte. Bei Sourceforge gibt es gar 145000 Einträge. Darunter sind zahlreiche Mehrfachnennungen. Andererseits ist kein Open-Source-Projekt verpflichtet, sich bei Sourceforge oder Freshmeat zu registrieren. Etliche verzichten darauf. Das Open-Source-Angebot ist riesig, weit größer als das jedes klassischen Softwareherstellers.

Die einschlägigen Websites bieten ihre Projektüberblicke zwar nach Kategorien an, aber das hilft nur bedingt weiter. Bei Source- forge gibt es für die Kategorie Internet 23638 Nennungen, für Software Development sind es 20673 und für System 19080. Die Bereiche Communications, Games/Entertainment, Multimedia und Scientific/Engineering listen auch jeweils mehr als 10000 Projekte auf.

Die weitere Untergliederung geht nur zwei Ebenen tief. In der Sourceforge-Kategorie System findet man unter der Subkategorie Systems Administration 3119 Nennungen, deren einzige Unterordnung Authentication/Directory führt noch 411 Projekte auf. Wenn man sich dafür nicht interessiert, hat man es also mit über 2708 Projekten zu tun. In der genannten Unterordnung wiederum sind 202 dem Thema LDAP und acht NIS zugeordnet. Es ist sehr zu empfehlen, sich durch die restlichen 201 Projekte zu klicken, denn die Zuordnung ist nicht gerade sauber.

Neulinge in der Open-Source-Szene werden demnach nicht leicht zu den geeigneten Anwendungen finden. Wer bei Freshmeat einen Logfile Analyzer für seine Website sucht, findet in der Kategorie Internet unter der Subkategorie Log Analysis unter den ersten Nennungen ein weit verbreitetes Produkt dieser Art, "AWStats". Gibt man aber gleich in der Suchmaschine den Produktnamen ein, weil man einen entsprechenden Tipp bekommen hat, wird man in die Irre geleitet.

"Wer unerfahren ist, wird nicht sofort das finden, was er sucht", bestätigt Peter Ganten, Geschäftsführer des Open-Source-Dienstleisters Univention aus Bremen. Daniel Riek, Produkt-Manager Enterprise Server bei Red Hat Deutschland, gesteht: "Wenn ich Software zu Themen suche, bei denen ich mich nicht gut auskenne, ist das schon ein gehöriger Aufwand."

Die Suche nach der verfügbaren Software ist nur der erste Teil eines umfassenderen Problems. Denn jeder Anwender hat spezifische Anforderungen an ein Produkt. Zuerst geht es um Basisfunktionen. Bei Sourceforge und Freshmeat finden sich nur äußerst knappe Beschreibungen. Gesuchte Funktionen können aber auch Produkte bieten, die unter anderer Flagge fahren.

Nicht nur Features zählen

Ein Anwender interessiert sich aber gerade bei Open-Source-Produkten für mehr als Features. Sourceforge nennt das Datum der Projektregistrierung und das der jüngsten Version sowie die Zahl der Downloads und der bei einem Projekt registrierten Entwickler. Außerdem bewertet diese Quelle die Aktivität der Mitarbeiter und vergibt schließlich einen "Rank".

Ähnlich ist es bei Freshmeat. Auch hier kann man durch Unterkategorien browsen. Die sind allerdings nicht ganz einfach zu finden. Der Bereich Office ist unterteilt in CRM (merkwürdigerweise kein Projekt, aber andernorts zu finden), Financial (749 Projekte), Groupware (357), News/Diary (102), Office Suites (113) und Scheduling (381). Darüber hinaus kann man sich die Projekte nach dem Entwicklungsstand, der Zielumgebung, der geeigneten Anwenderschaft, ihren Betriebssystemen, Programmiersprachen, Lizenzen und anderen Kriterien sortieren lassen.

Schließlich gibt es bei Freshmeat drei Bewertungsarten für Projekte: die Popularität, die Vitalität und ein Rating durch Anwender. Aber die Faktoren, die in diese Bewertungen einfließen sind, höflich ausgedrückt, recht diffus. Schon gar nicht ist ohne weiteres ersichtlich, wie im Detail die Benotung errechnet wird.

Ein besonders kritischer Aspekt ist das User-Rating, mit dem Freshmeat und Sourceforge in erster Linie die Produkte priorisieren. Einst eingeführt, um Interessenten Hinweise auf die Zufriedenheit von Anwendern zu geben, kann es, wenn geschäftliche Interessen hinter Open-Source-Produkten stehen, manipuliert werden. So warnt Frank-Thomas Drews, Geschäftsführer des Linux-Dienstleisters Millenux aus Stuttgart-Korntal: "Man kann öffentliche Meinung machen. Es ist möglich, dass im Hintergrund Marketing läuft." Open Source ist keine heile Welt, in der es nur offen und ehrlich zugeht.

Das Rating-Problem

"Auf diese Ratings gebe ich nichts", bestätigt Univention-Chef Ganten. Red-Hat-Manager Riek billigt den Bewertungen allenfalls zu, vage Indikatoren zu sein. "Aber wir verlassen uns nicht darauf. Wir schauen uns die Communities genauer an." Genau damit verbringen Dienstleister viel Zeit. "Wenn man beraten will, kommt man nicht darum herum, intensiv zu recherchieren", so Drews

Auch in der Open-Source-Welt gibt es nicht das beste Produkt für eine bestimmte Aufgabe. "Das ist eine Frage des Kontexts und der jeweiligen Bedürfnisse", erklärt Drews. "Es kann so weit gehen, dass zwei gleichgroße Kommunen mit ähnlichen Ansätzen komplett unterschiedliche Entscheidungen treffen müssen. Es gibt viele nichttechnische Gründe. Eine Frage ist zum Beispiel, ob man schnell zu einer Lösung kommen muss oder Zeit hat."

Die Communities betrachten

Trotz aller Schwächen sind die Projektkataloge für Interessenten doch die richtige Ausgangsbasis, um die in Frage kommenden Produkte einzukreisen. Immerhin kann man sich direkt zu Projekten durchklicken, von denen man ohne die Kataloge vielleicht nie erfahren hätte. Und die Web-Seiten der Communities sind die eigentliche Fundgrube für eingehendere Informationen.

Das zunächst Wichtigste an einer Projekt-Website ist die Mailing-List. Hieran lassen sich die Zahl der Entwickler und ihre Aktivität erkennen - ein Zeichen für die Vitalität und folglich für die Entwicklungsdynamik und Lebensfähigkeit eines Produkts. Riek: "Entscheidend sind Größe und Stabilität einer Community. Wenn sie aus vielen und womöglich noch bekannten Personen besteht oder mehrere Firmen beteiligt sind, ist das schon ein gutes Zeichen."

Nur die berühmtesten Open-Source-Projekte verfügen über große Communities. Kleine Ein-Mann-Projekte sind mit Vorsicht zu genießen. Diese Entwickler könnten morgen andere Interessen oder durch berufliche Umstände weniger Zeit haben. Oft stehen jedoch hinter recht kleinen Communities eine kommerzielle Entwicklungsfirma und ihre Vertriebspartner. Auch das bringt Sicherheit, so Riek: "Es muss klar werden, dass die Beteiligten ein glaubhaftes Interesse haben, ein Projekt weiterzuführen."

Die Websites der Communities bergen mit der Dokumentation einen weiteren wichtigen Hinweis auf die Nutzbarkeit von Produkten. Univention-Chef Ganten: "Die Qualität der Dokumentation zeigt an, ob sich ein Projekt um Anwender bemüht. Sie ist ein Indikator dafür, wie sehr man als Anwender willkommen ist und wie gut man im Problemfall Hilfe bekommen wird."

Die weiteren Möglichkeiten für normale Anwender, mit den Entwicklern eines Projekts in Kontakt zu treten, um sich ein besseres Bild zu verschaffen, sind sehr eingeschränkt. Die Entwickler kommunizieren vorzugsweise mit ihresgleichen. Es ist allerdings durchaus möglich, auf diesem Weg die Kontaktdaten von Anwendern eines Produkts zu bekommen.

Mit Anwendern reden!

"Social Networking mit anderen Anwendern ist extrem wichtig", meint Red-Hat-Manager Riek. Er verweist darauf, dass es in der IT-Geschichte immer für die Anwender und letztlich für die Produkte von Vorteil war, wenn sich User vernetzten und ihre Forderungen gegen die Hersteller durchsetzen konnten. "Das ist bei Open Source nicht anders. Der Unterschied besteht nur darin, dass die Grenzen zwischen Anbieter und Anwender verschwimmen. Denn die Experten unter den Anwendern werden schnell zu Mitentwicklern."

Einen anderen Zugang zu Nutzern und Informationen über Produkte bieten Open-Source-Dienstleister. Ihr Geschäft ist derzeit stark im Aufwind. Immer mehr Anwender suchen Berater, denen sie vertrauen können und die Know-how haben. Und zunehmend schätzen sie Anbieter, die ihnen vertraglich einen langfristigen Support für Produkte zusichern, den man bei den Projektteams nicht erhalten kann.

Eine neue Nachfrage

"Wir werden oft erst in der zweiten Stufe gefragt, wenn die Anwender in einer Sackgasse stecken oder Probleme haben, mit denen sie nicht gerechnet hatten", berichtet Drews. Doch der Millenux-Chef stellt Veränderungen fest: "Zunehmend wird die erste Stufe - Beratung, strategische Vorgehensweise und Softwareauswahl - von den Kunden gewünscht. Denn sie haben gemerkt, dass man sonst viele Fehler machen kann."

Nicht jeder der Dienstleister, die in den letzten Jahren das Potenzial des Open-Source-Markts entdeckt haben, hat wirklich das Know-how und vor allem die Beziehungen in die Open-Source-Communities. Red Hats Riek: "Ganz wichtig ist es, einen Servicepartner zu wählen, der in den Communities mitarbeitet." Wer sich im Open-Source-Projekt A einen Namen gemacht hat, bekommt schneller Informationen aus den Projekten B und C.

Die aus der Linux-Welt her- vorgegangenen Open-Source-Dienstleister in Deutschland haben untereinander ein sehr enges Netzwerk gebildet. Es ist üblich, dass sie bei speziellen Problemen kompetentere andere Dienstleister mit in einen Auftrag holen. Und sie leihen sich sogar Mitarbeiter gegenseitig aus.

Inzwischen bildet sich eine neue Beratungsebene heraus. Organisationen wie der Linux-Verband Live oder die Linux Solution Group Lisog positionieren sich als Berater. Sie möchten dabei zugleich Qualitätssicherer sein. Es dürfte aber wohl noch einige Zeit verstreichen, bis sie bei den Anwendern die notwendige Glaubwürdigkeit erreicht haben.