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15.10.1982

Suchkosten für Information provozieren Wettbewerb

Carl Christian von Welzsäcker, Universität Bern

Fortschritt in der Kommunikationstechnologie führt dazu, daß Information kostengünstiger übermittelt werden kann. Schon seit langem hat es immer wieder Fortschritte in der Kommunikationstechnologie gegeben. Die Erfindung der Schrift brachte für bestimmte Formen der Kommunikation erhebliche Kostensenkungen. Information konnte gelagert werden, was vorher nur in den Gehirnen der Menschen möglich war. Die Erfindung des Buchdrucks bedeutete eine sprunghafte Senkung der Verbreitungskosten schriftlicher Informationen. Die Erfindung des Telefons und die mit seiner Verbreitung sinkenden Kosten seiner Nutzung, später die Erfindung von Rundfunk und Fernsehen brachten enorme Verbilligung der Transportkosten des gesprochenen Wortes.

Marktvergrößerungen

Jeder dieser technologischen Schübe der Vergangenheit hat zu wesentlichen Marktvergrößerungen beigetragen. Die Fortsetzung dieses Trends erwarte ich für die Zukunft. Hierzu ein Beispiel:

- Datenbanken. Ein wesentlicher Teil des Informationsproblems des Käufers beruht auf seinen Suchkosten. Wenn er innerhalb einer bestimmten Kategorie einen Artikel kaufen will und noch nicht über die verfügbaren Möglichkeiten orientiert ist, wird er nach dem geeigneten Artikel suchen. Zwischen wievielen konkurrierenden Produkten er letztlich die Auswahl trifft, hängt sehr stark von seinen Suchkosten ab. Je höher diese pro Produkt sind, desto weniger Produkte wird er gegeneinander abwägen. Datenbanken sind nun Ansammlungen von Informationen die zwecks leichter Auffindbarkeit hoch strukturiert sind. Der Benutzer computergesteuerter, durch Telekommunikationsmedien vermittelter Datenbanken kann seine Suchkosten unter allen Umständen um Größenordnungen reduzieren. Die Wirtschaftlichkeit von Datenbanken beruht wesentlich darauf, daß sie von zahlreichen Benutzern genutzt werden kann. Insofern bestehen bei Datenbanken erhebliche Größenvorteile (Economies of Scale). Diese aber führen über den Effekt der Suchkostensenkung gerade zu mehr Wettbewerb auf zahlreichen Güter- und Dienstleistungsmärkten. Zu erwarten ist hierdurch insbesondere auch eine erhebliche regionale Vergrößerung der Märkte.

Ein Beispiel für diesen Markttransparenzeffekt von Datenbanken ist das heute mehr und mehr diskutierte, vor der Einführung stehende Medium Bildschirmtext (Btx).

Es ist in seiner Struktur einfach gehalten, so daß der normale Bürger ohne großen Lernaufwand mit ihm umgehen kann, und das Informationsangebot wird im wesentlichen durch die Informationsanbieter auf freiwilliger Basis geliefert. Gerade weil das Informieren des Kunden wesentliche Voraussetzungen für Verkaufsabschlüsse ist, kann damit gerechnet werden, daß zahlreiche Informationsanbieter, die Endverbraucher ansprechen wollen, auf den Plan treten werden. Dadurch, daß Bildschirmtext als interaktives Medium die Informationssuche mit der Möglichkeit der Auftragserteilung verbindet, wird es für Verbraucher und Informationsanbieter besonders attraktiv. Es wird zahlreiche Märkte im Sinne einer Intensivierung des Wettbewerbs umwälzen.

- Im Bankenbereich wird das Homebanking zur Möglichkeit und vermutlich in vielen Haushalten zur Realität. Dies muß den Zins- und Konditionenwettbewerb der Banken wesentlich verschärfen. Der Kunde ist nicht mehr angewiesen auf solche Banken, die in der

Nähe eine Zweigstelle haben.

- Im Einzelhandel, in der Touristikbranche, in der Hotelbranche und in ähnlichen Dienstleistungsgewerben gelten analoge Überlegungen. Überall werden durch die Senkung der Suchkosten Informationsbarrieren beseitigt, was zur Intensivierung des Qualitäts- und Preiswettbewerbs führen muß.

- Eine besondere Dimension des Qualitätswettbewerbs verdient in diesem Zusammenhang Beachtung. Die Erfahrungen und das Urteil Dritter mit den Waren oder Dienstleistungen von Anbietern sind bekanntlich ein wichtiges Informationsinstrument des einzelnen Kunden. Über das Instrument der Datenbank können auch solche indirekten Informationen wesentlich leichter erreicht werden, und damit kann die Objektivität des Bildes für die Qualität einer Ware oder Dienstleistung wesentlich verbessert werden. Bildschirmtext und verwandte Medien werden natürlich neue Medien der Werbung schaffen.

Ein Markt mit besonders hohen Informations- und Suchkosten ist der Arbeitsmarkt. Traditionell erzwangen große Organisationen die Einheitlichkeit von Arbeitsbedingungen und kamen damit den individuellen Bedürfnissen, zum Beispiel von Arbeitszeitregelungen nicht entgegen. Die hohen Suchkosten auf dem Arbeitsmarkt führten dazu, daß der Wechsel des Arbeitgebers beim Arbeitnehmer in der Regel selten war. Damit wuchs die Abhängigkeit vom einzelnen Arbeitgeber. Ein starkes Sinken der Such- und Informationskosten auf Arbeitsmärkten sollte dazu führen, daß individuellen Bedürfnissen von Arbeitnehmern seitens der Arbeitgeber, aber auch seitens der Gewerkschaften in größerem Ausmaß Rechnung getragen werden kann. Die Individualisierung des Arbeitslebens ist zu erwarten und damit auch seine bessere Abstimmung und Verzahnung mit der Freizeit des einzelnen. Das Prinzip Wettbewerb kann - zugunsten des einzelnem Arbeitnehmers - sich auf dem Arbeitsmärkten besser entfalten als in der Vergangenheit.

Neuauflage

Zum Abschluß ist es angesichts zunehmender protektionistischer Tendenzen, angesichts zunehmender Angst vor dem Wegrationalisieren von Arbeitsplätzen notwendig, eine alte Wahrheit der Nationalökonomie zu wiederholen. Wenn heute die Angst besteht, daß Arbeitsplätze durch den Einsatz von Mikroprozessoren und die Einsetzung von moderner Kommunikationstechnik wegrationalisiert werden, so ist dies nichts anderes als eine neue Auflage entsprechender Befürchtungen zu Beginn der industriellen Revolution.

Auszug eines Vortrages, den Professor Dr. phil C. C. von Weizsäcker dem IBM-Forum '82 für Wissenschaft und Verwaltung (14. bis 16. September) in Bonn gehalten hat.