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22.07.1983 - 

Unstimmigkeiten über DV-Konzept führten bei der Süddeutschen Zeitung zu Kurswechsel

Süddata nach PCM-Odyssee wieder bei IBM

MÜNCHEN - Die Mixed-Hardware-Odyssee der Süddata GmbH, dem

ausgelagerten Rechenzentrum des Süddeutschen Verlages in München,

endete jetzt wieder im Hafen von Mother Blue. Stellten die Zeitungsmanager noch vor einem Jahr der IBM den Stuhl vor die Tür, indem sie sich gegen ein System 4341 und für einen Amdahl-Prozessor 470/V6 entschieden, so installierten sie nun eine 3083E-16. Gleichzeitig revidierten sie ihre bisherige DV-Marschrichtung. Noch vor der Kehrtwende trennte sich der Verlag von Süddata-Geschäftsführer Karl-Heinz Otholt, der wegen seiner Pro-PCM-Politik in seiner eigenen Mannschaft unter Beschuß geraten war.

Als DV-Manager Otholt im Frühjahr 1982 das bis dahin eingesetzte IBM-System 3031 gegen eine weitere Amdahl-Maschine eintauschte, war er noch recht zuversichtlich: "Die PCMs bieten heute ein so interessantes Preis-/Leistungsverhältnis," sagte er in einem COMPUTERWOCHE-Interview (siehe Ausgabe Nr. 19 vom 7. Mai 1982, Seite 1), "daß man bei der Systemauswahl kaum noch daran vorbei kann." Zwar wurde die Entscheidung für die Steckerkompatiblen seinerzeit von den Gesellschaftern der Süddeutschen Zeitung (SZ) bereitwillig mitgetragen, doch schon bald gab es massive Unstimmigkeiten in der Süddata-Crew. Otholts Ziel war klar erkennbar, heißt es in SZ- Kreisen: Er wollte sich mit der Installation von zwei Amdahl-Zentraleinheiten nicht zufriedengeben, sondern habe den "totalen Hardware-Mix" angestrebt. Altgedienten Süddata-Mitarbeitern schien dieses Vorhaben" zu abenteuerlich" - sie resignierten. Grund genug für die SZ Bosser, wieder auf IBM-Kurs zu gehen. Daß "massiver Druck" des Marktführers im Spiel gewesen sei, wie es unter den PCM-Anhängern im Verlag heißt, dementiert der neue Süddata-Geschäftsführer Günther Viertler, der bis vor kurzem noch als Otholt-Vorgesetzter und Geschäftsführer des Süddeutschen Verlages die Belange der SZ-Datenverarbeitung wahrnahm: "Wir haben uns genauso autonom für die 3083 entschieden, wie im letzten Jahr für den Amdahl-Rechner."

Merkwürdig findet es indes heute auch Ex-Geschäftsführer Otholt, daß der IBM-Rechner jetzt ad hoc verfügbar war. Als er sich 1982 für den Einsatz des Amdahl-Prozessors entschlossen habe, gab der Stuttgarter DV-Anbieter als frühesten Liefertermin für die 3083 noch Herbst 1983 an.

Reibereien im Süddata-Team

Sei die PCM-Entscheidung hardwaretechnisch richtig gewesen, wie auch Viertler im nachhinein bescheinigt, so erwies sie sich aus "politischen Gründen" offensichtlich als falsch, räumt Otholt ein. Vor allem die Systemspezialisten, die ihr Know-how überwiegend aus der Erfahrung mit IBM-Systemen aufgebaut hätten, rebellierten schließlich, als der damalige Süddata-Boß dazu überging, auch andere Anwendungsbereiche mit PCM-Equipment oder Alternativprodukten auszustatten. So entschied er sich für Speicherperipherie von Storage Technology (STC), setzte Steuereinheiten von Standard Elektrik Lorenz AG (SEL) ein und wollte gar das gesamte TP-Netz über Geräte des US-Anbieters Paradyne laufen lassen.

Das Paradyne-Team hatte bereits mit der Installation eines mit SNA vergleichbaren Netzes begonnen. Doch als der Widerstand gegen das preisgünstigere Produkt sowohl in der zweiten Führungsebene als auch unter den Mitarbeitern immer massiver wurde, mußte der Netzwerkanbieter das Feld räumen. Wie ein Paradyne-Manager erklärt, sei ersichtlich gewesen, daß die "Subalternen in keiner Weise die Entscheidung ihres Chefs getragen hätten".

Verhärtete Fronten

Neben Reibereien bei der Einführung neuer Produkte kam es auch zu Unstimmigkeiten bei den bereits installierten Zentraleinheiten und Peripheriegeräten. Aufhänger für die Otholt-Gegner war dabei vorrangig die Verfügbarkeit der Systeme. Dabei habe sich jede "Partei" ihre ureigenste Argumentation zurechtgelegt. Dies sei letztendlich so weit gegangen, daß man sich "gegenseitig die Statistiken um die Ohren schlug".

Im Gerangel um Einfluß und Kompetenzen beauftragte die Gesellschafterversammlung des Süddeutschen Verlages Mitte letzten Jahres den Controller Rudolf Teufl damit, die Mißstände in der SZ-Datenverarbeitung zu untersuchen. Ergebnis der Analyse, so Teufl, der inzwischen auf der Gehaltsliste der BMW-Leasinggesellschaft steht: "In der Süddata fehlten die Voraussetzungen für ein ordentliches DV-Management." Dieses geradezu vernichtende Urteil gelte ebenso für Viertler wie für Otholt.

Zwischen beiden Geschäftsführern hatten sich zum damaligen Zeitpunkt die Fronten bereits dermaßen verhärtet, daß Viertler nach Bekanntwerden des Analyse-Ergebnisses den Rücktritt von Otholt gefordert haben soll. Daß es "Meinungsverschiedenheiten" gegeben habe, gibt Viertler denn auch unumwunden zu: "Wir sind in Grundfragen zu unterschiedlichen Auffassungen gekommen." Das habe dazu geführt, daß beide der Meinung waren, eine Trennung sei die bessere Lösung.

Investition kontra Budgetbremse

Ganz unschuldig an der "Mixed-Hardware-Irrfahrt Otholts" (Süddata-Häme) sei Viertler aber keineswegs, sagen kritische DV-Mitarbeiter des Münchner Verlages. Der SZ-Geschäftsführer habe stets auf die "Budgetbremse getreten" und sich bisher nicht als sonderlich investitionsfreudig erwiesen. Otholt sah sich dadurch in einer Zwickmühle: Einerseits habe er investieren müssen, um den Anforderungen der Benutzer nachzukommen und die "Weichen für die Zukunft zu stellen", erklärt der Ex-Süddata-Chef, andererseits habe er unter permanentem Kostendruck gestanden. "Da gibt es nur die Alternative, auf PCM-Equipement zurückzugreifen", rechtfertigt Otholt seine Entscheidungen.

SZ-Manager Viertler wehrt sich entschieden gegen derartige Vorwürfe: "Wir haben in unsere Datenverarbeitung bisher eine ganze Menge investiert und, verglichen mit anderen Verlagshäusern, fortschrittliche Anwendungen, die sonst niemand vorzuweisen hat.

Änderung des Hardwarekonzeptes

Daß es dennoch nicht ganz so rosig um das ursprüngliche Rechnerkonzept der Süddata bestellt ist, beweist die Hinzunahme einer dritten Maschine. Hatten sich die SZ-Bosse zunächst ausgerechnet, mit zwei Systemen auszukommen, so müssen sie nun aus "Sicherheitsgründen", so Viertler, einen weiteren Jumbo einsetzen. Dabei könne die 3083 nicht eimmal als Produktionsmaschine laufen, weil das Unternehmen erst in den nächsten Wochen mit der Umstellung auf MVS beginne. "Es war immer unser langfristiges Ziel, mit einem Zweirechnerkonzept zu arbeiten", sagt Viertler, "aber nachdem wir alle Anwendungen auf MVS gabracht haben, werden wir wieder mit zwei Systemen arbeiten."

Daß bei dieser Strategie mindestens ein Amdahl-Prozessor auf der Strecke bleiben wird, steht außer Frage. Der neue Süddata-Leader betont zwar, daß er einen PCM-Hersteller im Haus behalten wolle, um den Wettbewerb unter den Großrechneranbietern aufrechtzuerhalten, doch SZ-intern wird bereits spekuliert, daß die zweite Maschine neben der 3083 ebenfalls das IBM-Firmenschild tragen werde.

MVS-Umstellung im Visier

Diese Annahme resultiert aus der Erkenntnis von Süddata-Mitarbeitern, der Marktführer habe derzeit eine so starke Position innerhalb der SZ-DV wie nie zuvor. Da die Münchner sich auf die MVS-Umstellung vorbereiteten, sei man um so mehr auf die Unterstützung des Stuttgarter DV-Anbieters angewiesen. Entscheidend bei dem mit zwei Jahren veranschlagten Betriebssystemwechsel ist nach Aussagen Viertlers, daß keine Störung des Produktionsablaufs eintritt. Bei der zeitkritischen Anwendung des Süddeutschen Verlages könnten Probleme auftreten, die die Ausgabe einer Tageszeitung gefährden.

Hier sehen Big-Blue-Kritiker innerhalb der Süddata denn auch den Punkt, wo der Marktführer den Hebel angesetzt haben soll. Die SZ-Anwendungen basieren im wesentlichen auf dem Informationsverarbei

tungssystem (IVS), über das zum Bei spiel ein Großteil des Anzeigengeschäftes des Verlages abgewickelt wird, um dann für das IBM-Satzprogramm "Print" bereitgestellt zu werden. Print erwies sich bisher als Hemmschuh, die SZ-Anwendungen schnellstmöglich auf MVS zu bringen, denn das Softwarepaket gab es mit Ausnahme einer individuell gestrickten Version im Rechenzentrum Südwest in Stuttgart nur für DOS- Umgebungen. Offiziell wurde das Verlagsprogramm erst am 31. Mai dieses Jahres unter der Produktbezeichnung "CSSYS" mit einer Verfügbarkeit per Frühjahr 1984 angekündigt. Noch bevor es zur Entscheidung für den zweiten Amdahl-Rechner gekommen ist, soll es Süddata-Managern zufolge Zusagen der IBM gegeben haben, das MVS-Print-Programm an die Süddata als First-Shipment-User auszugeben. Damit hätte MVS-Umstellung des Münchner Verlages von im Plan gelegen. Als dann aber die Pro-Amdahl-Entscheidung fiel, habe der Stuttgarter DV-Anbieter unter Angabe unterschiedlichster Begründungen das Angebot wieder zurückgezogen. Nachdem die SZ-Geschäftsführung wieder auf IBM-Kurs gegangen war, sei man auf einmal gesprächsbereit. Mit einer Implementierung des CSSYS-Programmes rechnen die Münchner im Herbst dieses Jahres.

Das Bestreben der IBM, den Fuß nicht aus der SZ-Tür zu bekommen, ist noch aus einem anderen Grunde verständlich, als einen jahrzehntelangen Renommierkunden zu verlieren. Die Manager der Süddeutschen Zeitung denken heute bereits ernsthaft daran, in großem Umfang das Zukunftsmedium Bildschirmtext einzusetzen. Hier versprechen sich die Stuttgarter offensichtlich erhebliche Absatzmöglichkeiten.

Nach dem Weggang Otholts ist auch die jetzt eingeschlagene DV-Politik der Süddata in den eigenen Reihen umstritten. Die SZ-Gesellschafter holten sich noch während Otholts Geschäftsführertätigkeit

den ehemaligen DV/Org.-Manager der Messerschmidt-Bölkow-Blohm GmbH (MBB), Hans Kober, als Berater ins Haus, der nach seinem Austritt aus dem Ottobrunner Rüstungskonzern jetzt eine eigene Consulting-Firma betreibt. Wie Kober selbst gegenüber Dritten geäußert habe, sei er am "Sturz" des Ex-Süddata-Chefs in erheblichem Maße beteiligt gewesen. Der ehemalige MBB-Manager, der nach seinem SZ-Debüt einen Bericht über den Status quo der Süddata abgeben mußte, hat nach Angaben von Otholt dabei " eindeutig Schwarzweißmalerei betrieben", indem er sämtliche Fehler nur ihm (Otholt) anlastete. Dies wird von anderen Mitarbeitern des Münchner Rechenzentrums bestätigt.

Politik auf höchster Ebene

Kober sei auch maßgeblich daran beteiligt gewesen, die Süddata-DV wieder mit einem "blauen Anstrich" zu versehen, sagen Otholt-Sympathisanten. Dies habe ihm zwar im IBM-Lager des Süddeutschen Verlages Lorbeeren eingebracht, doch befürchten PCM-Befürworter, daß der Münchner Berater den einen oder anderen noch "über die Klinge springen" lasse.

Otholt ist noch immer verbittert über die Art seiner Behandlung: "Ich habe bei der Süddata über zwei Jahre gezeigt, daß es ohne IBM besser und preiswerter geht. Da gibt es aber Leute, die das nicht so gerne sehen, allen voran die IBM, die auf oberster Managementebene ihre Politik gegen Abweichler betreibt. "