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15.03.1991

Sun: Absolute Monopolstellung

Betrifft CW Nr. 8 vom 22. Februar 1991, Seite 1: " US-DV-Koalition will eigenen Workstation-Standard setzen"

Die Reaktion von Gert Haas, Marketing-Leiter der Sun Microsystems GmbH, zeigt, wie ernst man bei Sun die momentanen Wallstreet-Gerüchte um Microsoft, Compaq etc. nimmt. Sollten diese

Gerüchte um eine Allianzbildung gegen Sun wirklich zutreffen, so könnte dies in der Tat bedeuten, daß die Strahlkraft der "Sonne" etwas nachläßt. Die durch den Aufzug dunkler Wolken fehlende Helligkeit durch Anzünden von Kerzen auszugleichen, versucht Gert Haas mit seinen (bewußt) nicht richtigen Aussagen zur Binärkompatibilität. Zitat: "Der Unterschied zwischen Sparc- und Mips-Chips hat bisher auch darin gelegen, daß alle Sparc-basierten Systeme zueinander binärkompatibel sind, die von Mips nicht". Diese Aussage bedarf einer Richtigstellung:

1. Nicht alle Sparc-basierten Systeme sind untereinander binärkompatibel. Beispiele dafür sind die ersten Sun 4/110, 4/280 und die neueren Sparc-Modelle 1, 1+ und 2. Aufgrund unterschiedlicher MNUs war eine Recompilation nahezu aller Programme erforderlich (siehe Punkt 6).

2. Alle bisherigen Sparc-Implementierungen (Fujitsu, LSI Logic, Cypress, Matsushita) sind nicht Pin-kompatibel. Daraus resultiert, daß es keine Second- oder gar Multiple-Sources gibt.

3. Sun hat im sogenannten Sparc-Markt mit einem Anteil von 95 bis 98 Prozent eine absolute Monopolstellung. Darüber hinaus ist Sun der einzige Lieferant der dazugehörigen Compiler-Technologie und von Sun/OS. Was dies für die Chancen von Clone-Herstellern oder anderen möglichen Partner bedeutet, ist leicht abzusehen. So ist es auch kaum verwunderlich, daß sich bislang nur relativ unbedeutende Unternehmen zum "Clonen" entschieden haben. Wer möchte sich schon gerne mit dem Marktführer anlegen, mit einem Produkt, das sich vom Original nur durch den (niedrigeren) Preis unterscheidet und vollständig abhängig ist von allen wesentlichen Schlüsseltechnologien: Prozessor, Compiler und Betriebssystem?

4. Demgegenüber sind zum Beispiel alle Mips-3000-Chips 100 Prozent binärkompatibel und Pin-kompatibel. Durch ein Zertifizierungsverfahren bei Mips werden diese Eigenschaften lidiert und gewährleistet. Für den Anwender von Mips-Prozessoren bedeutet dies, daß er bei fünf verschiedenen Halbleiterfirmen (IDT, LSI-Logic, NEC, Performance, Siemens) vollkommen wechselseitig austauschbare Chips zu fairen Marktpreisen einkaufen kann.

5. Alle Implementierungen der Mips-Architektur sind untereinander binärkompatibel. Wie schon die ECL-Version R6000 voll kompatibel zu den CMOS-Versionen R2000 und R3000 ist, So wird dies insbesondere für den vor kurzem vorgestellten R4000 der Fall sein.

6. Es gibt Mips-basierte Systeme (nicht zu verwechseln mit Chips), die untereinander nicht binärkompatibel sind. Beispiel dafür sind die Mips-RISC-Computer und die Decstations. Die Gründe dafür liegen jedoch im unterschiedlichen Byte-Ordering (das aufgrund eines für Mips-Architekturen einzigartigen Merkmals überhaupt möglich ist) und in der Verschiedenartigkeit der Unix-Implementierungen. Durch Einhaltung gemeinsam definierter Softwarekonventionen auf Quellcode-Ebene und durch das einheitliche Commitment zu Standards wie XII und OSF/Motif können eine Vielzahl von Programmen einfach durch Recompilation portiert werden.

Gerhard Zeitler General Manager Mips Computer Systems GmbH. München