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27.09.2002 - 

Kolumne

"Sun entdeckt den fetten Client"

Christoph Witte Chefredakteur CW

Was treibt Sun dazu, plötzlich PCs mit Linux als Betriebssystem und natürlich dem inzwischen unvermeidlichen "Star Office" als Bürosuite anzubieten? Ein eingebautes Lesegerät für Java-Cards ist das einzige, das den Sun Enterprise Desktop von jedem Wald- und Wiesen-PC unterscheidet. Dank Open-Source und wahrscheinlich einer bescheideneren Ausstattung soll die Anschaffung der Maschine preisgünstiger sein als ein normaler PC, vor allem aber die Betriebskosten, verspricht Sun, sollen um ein Drittel niedriger liegen als bei der Wintel-Konkurrenz.

Sun setzt, wie einige andere Hersteller von Servern das vor Jahren schon getan haben, auf seine Hardwarekunden. Die sollen sich nicht nur im Backend mit Sun-Produkten ausstatten, sondern auch im Front Office.

Das Unternehmen glaubt, im Unterschied zu seinen erfolglosen Vorgängern (Unisys, Memorex, Digital) den Ärger der Anwender über Microsoft für sich ausnutzen zu können. Linux und Star Office seien der Einstieg zum Ausstieg aus der Microsoft-Welt auch im Office-Umfeld.

Um Anwendern die Entscheidung zu erleichtern, hat Sun eine eigene, auf Red Hat aufbauende Linux-Distribution angekündigt, für die es die nötigen Treiber und entsprechenden Support vorhalten will. So braucht der Kunde nicht mit einem kleinen Linux-Systemhaus zusammenzuarbeiten, sondern kann Sun-Service buchen - aber natürlich auch entsprechend bezahlen.

Die Frage ist nur, ob die beiden Besonderheiten Java-Karten-Leser (über die sich Nutzer authentifizieren lassen und ihre persönlichen Desktops auf beliebigen Arbeitsplätzen aufrufen können) und Linux-Support ausreichen, den Ärger über Microsoft in eine Entscheidung pro Sun umzumünzen. Zumal der Erfolg von Star Office an die Kompatibilität zu MS-Office gekoppelt ist.

Sun hat Ende 1999 schon den Versuch unternommen, der Microsoft-Dominanz auf den Enterprise Desktops mit dem Thin Client "Sun Ray" Paroli zu bieten. Allerdings hat sich dieses Endgerät nicht gerade als Verkaufsschlager herausgestellt. Der Gegner scheint übermächtig: Microsoft beherrscht die Office-Welt zu über 90 Prozent. Wer in Wintel-Clients investiert, so das Versprechen aus Redmond, braucht sich keine Gedanken um Kompatibilität zu machen. Microsoft bietet die ganze Server-Palette, Clients, PDAs und künftig mit Tablet-PCs und Smartphones jedes nur erdenkliche Endgerät innerhalb der Windows-Welt an.

Teuer, aber einfach - so zumindest suggeriert das Angebot. Bleibt als enormer Nachteil die wachsende Abhängigkeit von Microsoft. Leider hat das bisher nur wenige Anwender interessiert. Die meisten sind immer den scheinbar einfacheren Weg gegangen. So gut es ist, dass Hersteller es wieder wagen, Alternativen zu Microsoft herauszubringen, so skeptisch sind ihre Erfolgsaussichten im Unternehmensumfeld zu bewerten. Vielleicht sollten sie sich andere Angriffspunkte suchen als ausgerechnet den Desktop.