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10.05.2005

Sun feiert Java-Jubiläum

Java begeht seinen zehnten Geburtstag. Schnelle Erfolge prägten die Geschichte der Plattform ebenso wie verpasste Gelegenheiten der Erfinder und verbissen geführte Gerichtsprozesse.

Wir hatten verschiedenste Szenarien im Kopf, von denen wir dachten, sie seien alle Science Fiction", erinnert sich Java-Erfinder James Gosling anlässlich einer vorgezogenen Geburtstagsfeier im kalifornischen Sun-Hauptquartier in Santa Clara. "Dann wurde plötzlich alles Wirklichkeit." Heute gehört Java zu den bekanntesten IT-Marken. Schätzungen der Sun-Verantwortlichen zufolge arbeiten weltweit rund 4,5 Millionen Entwickler unter dem Zeichen der dampfenden Kaffeetasse.

"Das war ein kometenhafter Aufstieg, den so niemand erwartet hatte", blickt Jonathan Schwartz, Chief Operating Officer (COO) von Sun, zurück. Ursprünglich wollte Sun mit Java eine Betriebssystem-Umgebung entwickeln, die in der Lage sein sollte, unterschiedlichste Geräte zu steuern - von der Kaffeemaschine bis zum Computer. Unter dem Dach von "The Green Project" entstand vom Frühjahr 1991 bis Sommer 1992 die Java-Urversion "Oak".

Im März 1995 gab Sun die erste Alphaversion (1.0a2) des Quellcodes für die Öffentlichkeit frei. Der offizielle Java-Launch folgte am 23. Mai. Zugleich schmiedeten die Sun-Verantwortlichen ein Bündnis mit dem Netscape-Gründer Marc Andreessen. Java sollte in den Netscape-Browser integriert werden. Damit hatte der Server-Spezialist seinen Fuß in der Tür des Internets.

Dann ging alles Schlag auf Schlag. Mit Java hatte Sun bei vielen Entwicklern offene Türen eingerannt. Angesichts des aufkommenden Internet-Goldrausches hatten diese nach neuen Möglichkeiten gesucht, statische HTML-Seiten mit Animationen aufzulockern. Auch mit dem Versprechen "Write once, run anywhere" gewann Sun die Herzen der weltweiten Entwicklergemeinde. Das Modell, Programmcode nur einmal schreiben zu müssen und dann mittels einer Virtual Machine (VM) auf verschiedensten Geräten vom mobilen Device bis zum Mainframe ablaufen lassen zu können, machte es überflüssig, Code für verschiedene Hardwareplattformen zu kompilieren.

Auch die IT-Industrie ließ sich von der allgemeinen Begeisterung rund um Java anstecken. Zahlreiche Anbieter sprangen auf den Java-Zug auf und erwarben Lizenzen, darunter Branchengrößen wie Hewlett-Packard, IBM, Oracle und Microsoft. "Alle führenden IT-Anbieter richteten sich gemeinsam auf eine Technik aus", erzählt Rick Ross, Gründer und President von JavaLobby.org, einer Organisation für Java-Entwickler. "Das habe ich vorher und auch später nie wieder erlebt."

Streit um Standards

Doch mit der Einigkeit im Java-Lager war es schnell wieder vorbei. 1997 bekamen sich vor allem Sun und Microsoft über die Standardisierung von Java in die Haare. Die Sun-Verantwortlichen hatten sich bei der International Organization for Standardization (ISO) damit durchgesetzt, in der Rolle eines "Publicly Available Specification Submitter" die Entwicklung von Java maßgeblich steuern zu können.

Branchengrößen wie Microsoft, Intel und Compaq appellierten an Sun, die Kontrolle über die Java-Spezifikationen an ein unabhängiges Standardisierungsgremium abzugeben. Die Sun-Verantwortlichen stellten sich jedoch stur und zementierten mit den eigenen Zertifizierungsprogrammen "100% pure Java" und "Java compatible" die Kontrolle über das System.

Microsoft, das sein Desktop-Monopol durch die Möglichkeit, Browser-basierende Anwendungen mit Java zu entwickeln, bedroht sah, schleuderte Sun daraufhin den Fehdehandschuh entgegen. Der Softwarehersteller kündigte an, mit seinem "Internet Explorer 4.0" nicht die "Java Foundation Classes" (JFCs) unterstützen zu wollen. Stattdessen sollte Java mit Microsoft-eigenen "Application Foundation Classes" (AFCs) ausgestattet werden.

"Microsoft wollte nie in das Lager von Sun einziehen", urteilte damals IDC-Analyst Jeff Kinz. Der einzige Grund für das Lizenzabkommen mit Sun war, die "Kontrolle über Java zu erlangen und es zu verunreinigen". Das wollten sich die Sun-Verantwortlichen nicht gefallen lassen. Im Oktober 1997 beschuldigten sie Microsoft des Verstoßes gegen die Lizenzverträge und zerrten den Konkurrenten vor Gericht.

Die Gerichtsverfahren zogen sich mit Unterbrechungen über Jahre hin. Sun-Chef Scott McNealy wurde nicht müde, den Konkurrenten aus Redmond als Ausgeburt des Bösen zu verteufeln. Die Microsoft-Verantwortlichen ließen sich von den Tiraden des Sun-CEO allerdings nicht beeindrucken und widersetzten sich allen Bemühungen, sich auf einen Sun-konformen Kurs bringen zu lassen. Die IT-Branche gewöhnte sich an den Dauerstreit. Klagen, Urteile und Revisionsverfahren sorgten kaum mehr für Aufsehen.

Bis Anfang April 2004: Völlig überraschend traten McNealy und Microsoft-CEO Steve Ballmer an die Öffentlichkeit und verkündeten das Ende aller Streitigkeiten. Knapp zwei Milliarden Dollar bekam Sun für die Beilegung aller laufenden Prozesse aus Redmond überwiesen. Feixend und scherzend versicherten sich die einstigen Erzfeinde ihrer gegenseitigen Hochachtung und gaben eine zehnjährige Technikpartnerschaft bekannt. So sollen Schnittstellen offen gelegt und Techniken gegenseitig lizenziert werden, um die Interoperabilität beider Welten zu verbessern.

Microsoft bedient sich

Trotz dieser hehren Ziele steht die Java-Gemeinde dem überraschenden Friedensschluss bislang misstrauisch gegenüber. Sun habe Java an Microsoft verkauft, so die harsche Kritik aus dem Java-Lager. Auch Entwicklervertreter Ross fragte: "Wo bleibt eigentlich Java in dem Abkommen?"

Die entscheidende Frage wird nach Einschätzung von Experten sein, welche Auswirkungen das Bündnis auf die konkurrierenden Plattformen Java von Sun und .NET von Microsoft haben wird. Tatsächlich drücken sich die Verantwortlichen beider Seiten bislang um dieses Thema. Microsoft entwickelte unbeeindruckt von den Auseinandersetzungen mit Sun seit 2001 mit .NET ein eigenes Plattformkonzept und bediente sich dabei aus der Java-Welt. So entspricht beispielsweise die Funktionsweise der Common Language Runtime (CLR) des .NET-Frameworks der der Java Virtual Machine (JVM).

Zwar versuchten die Sun-Verantwortlichen, .NET als bloßen Clone von Java abzuqualifizieren. Dennoch setzte sie die Microsoft-Initiative gehörig unter Druck. Dazu kam, dass nach dem Platzen der Dotcom-Blase die Rechnerverkäufe Suns dramatisch einbrachen. Nach einem Jahresumsatz von 18 Milliarden Dollar im Jahr 2001 waren es zwei Jahre später gerade noch elf Milliarden Dollar.

Um ihre Server-Verkäufe anzukurbeln, setzten die Sun-Verantwortlichen auf Softwareunterstützung. Neben der technischen Weiterentwicklung der verschiedenen Java-Editionen kündigte McNealy Anfang 2003 vorkonfigurierte Softwarepakete auf Java-Basis an. Mit dem Java Enterprise System (JES) schnürte Sun ein Middleware-Paket. Für den Desktop packten die Entwickler in dem Java Desktop System (JDS) verschiedene Applikationen vom Office-Paket bis zum Mail-Client zusammen

Neben den eigenen Produkten versucht Sun seit einiger Zeit, mit einer breit angelegten Marketing-Kampagne die Begeisterung für seine Java-Welt anzuheizen. Als Zielvorgabe nannten die Verantwortlichen im vergangenen Jahr die Zahl von zehn Millionen Java-Entwicklern weltweit. Wann dies erreicht sein soll, wollten sie jedoch nicht verraten. Noch hat Sun mit aktuell 4,5 Millionen Java-Entwicklern einen weiten Weg vor sich.

Java offen - .NET proprietär?

Sun versucht zudem, durch Lockerungen seiner Lizenzbestimmungen seine Plattform attraktiver zu machen. So preisen die Verantwortlichen immer wieder die Offenheit von Java an und kritisieren das Microsoft-Modell als proprietär. Allerdings halten die Sun-Verantwortlichen nach wie vor die Kontrolle über Java fest in der Hand. Zwar dürfen die mittlerweile fast 880 Mitglieder des Java Community Process (JCP) Vorschläge unterbreiten. Die Entscheidung, was in den Standard einfließt, bleibt jedoch bei Sun.

Dieses Vorgehen steht seit dem vergangenen Jahr zunehmend in der Kritik. Vor allem IBM, das die Java-Entwicklung in den vergangenen Jahren stark angetrieben hatte, fordert eine Öffnung hin zu einem Open-Source-Modell. Innovationen rund um Java würden sich nur noch schleppend durchsetzen, bemängelte beispielsweise Rod Smith, IBMs Vice President für den Bereich Technologien. Es vergehe zu viel Zeit, bis neue Programmiermodelle etwa für serviceorientierte Architekturen in der Plattform abgebildet würden.

Sun wahrt die Kontrolle

Zwar denkt Sun über Zugeständnisse nach. Von einer Öffnung der Java-Plattform ist jedoch nicht die Rede. Zunächst müsse geklärt werden, wer dann die Kompatibilität der Java-Produkte gewährleisten soll, mahnt Sun-Chef McNealy. Außerdem drohe Java unter einem Open-Source-Modell die Zersplitterung in nicht mehr interoperable Distributionen, warnt Java-Erfinder Gosling. Ähnliche Tendenzen seien derzeit bei den verschiedenen Linux-Distributionen bereits zu beobachten. Überhaupt würden die verschiedenen Java-Protagonisten ständig Lösungen fordern, moniert Gosling. "Für welches Problem eigentlich?"

Probleme hat Sun jedoch in finanzieller Hinsicht. Während Anbieter wie IBM, Borland oder Bea viel Geld mit ihren Java-Produkten und -Tools verdienen, ist es dem Java-Erfinder bislang kaum gelungen, Profit aus seiner Entwicklung zu schlagen. Nach Schätzungen der Sun-Verantwortlichen haben Unternehmen in den vergangenen zehn Jahren weltweit mehr als 100 Milliarden Dollar für Java-Applikationen ausgegeben. Experten schätzen aber, dass nur ein kleiner Teil der Softwareeinnahmen, die rund zehn Prozent des Gesamtumsatzes von Sun ausmachen, Java zu verdanken ist.

Sun selbst hat nie Zahlen veröffentlicht, wie viel Geld in die Plattform investiert wurde und wie der Return on Investment aussah. McNealy betont indes die indirekten Vorteile von Java für sein Unternehmen: "Wo wäre Sun heute, wenn es Java nicht gegeben hätte?", fragte der Sun-CEO. "Alle Entwickler würden für .NET und Windows schreiben. Und wenn sie für Windows entwickeln, dann entwickeln sie nicht für Sun-Systeme."