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Verzögerungen schlimmer als der Bug


20.04.2001 - 

Sun kämpft weiter mit Ultrasparc-III-Problemen

MÜNCHEN (CW) - Suns Marktauftritt mit dem neuen Ultrasparc-III-Prozessor ist eine einzige Pannenserie. Erst verspätet sich der Server-Hersteller um ein Jahr, dann schaffen es die Verantwortlichen offenbar nicht, den Chip in ausreichenden Stückzahlen auf den Markt zu bringen, und zu guter Letzt steckt in der Software des Siliziumstücks auch noch ein Fehler.

Der Bug der Ultrasparc-III-CPU betrifft den mathematischen Koprozessor (siehe CW 15/01, Seite 8). So könnten im Rahmen von wissenschaftlichen und technischen Anwendungen Fließkommaberechnungen falsch ablaufen, sollten die Anwender gewisse Datenmuster eingeben. Um den Fehler zu beheben, bietet Sun Microsystems seinen Kunden auf der Web-Seite des Unternehmens einen Patch zum Download an.

Allerdings hat dieser Bugfix einen Pferdefuß. Er schaltet die Prefetch-Pipeline im Prozessor ab. In diesem Bereich speichert der Chip spekulativ Daten, die möglicherweise im nächsten Rechenschritt benötigt werden. Bewahrheitet sich die Vermutung, kann der Prozessor sofort auf die Informationen zugreifen und diese verarbeiten, da sie bereits in dem schnellen Zwischenspeicher vorliegen. Wird nun der Prefetch durch den Patch abgeschaltet, ist von einer Leistungseinbuße der CPU um etwa fünf Prozent auszugehen.

Diese Minderung der Prozessorleistung müsse man jedoch sehr differenziert betrachten, erklärt Michael Schröder, Produkt-Marketing-Manager bei Sun. So hänge es von der jeweiligen Anwendung ab, wie stark diese auf die Datenspekulationen baue. Man habe bei Sun-internen Tests sogar Applikationen geprüft, die nach der Abschaltung des Prefetch schneller liefen. Schlägt nämlich die Spekulation fehl, muss der Prozessor die benötigten Daten erst suchen und anfordern.

Was die Behebung des Fehlers angeht, gibt sich der Sun-Manager zugeknöpft. Kunden müssten ihre Anwendungen selbst testen, um festzustellen, inwieweit sie von dem Bug betroffen sind. Neben der Bereitstellung des Patches sind keine größeren Austauschaktionen geplant, wie sie beispielsweise Intel im Jahr 1995 nach der Entdeckung des Bugs in seinem neuen Pentium-Prozessor gestartet hat. Sollte ein betroffener Kunde einen Austauschchip fordern, müsste man dies von Fall zu Fall klären, erläutert Schröder.

Die Tatsache, dass Sun mit Austauschprozessoren recht sparsam umgeht, könnte daran liegen, dass es der Server-Hersteller bislang nicht geschafft hat, den Ultrasparc-III-Chip in ausreichenden Stückzahlen auf den Markt zu bringen. So müssen sich beispielsweise Kunden, die einen Rechner mit dem neuesten Sun-Prozessor über die US-amerikanische Web-Seite ordern wollen, mit dem Hinweis zufrieden geben, dass es momentan wegen der großen Nachfrage zu Lieferverzögerungen komme. Ein Servicemitarbeiter werde sich mit den Interessenten in Verbindung setzen, um alles weitere zu klären. Diese Probleme dauern nun schon seit Ende letzten Jahres. Trotz mehrmaliger Beteuerungen von Seiten Suns, binnen weniger Wochen alles in den Griff zu bekommen, hat sich bis heute nichts an der Liefersituation geändert.

Der kalifornische Server-Hersteller blockt alle Vorwürfe über Lieferschwierigkeiten ab. Man liege im Plan, und auch die kurz vor der CeBIT angekündigten Midrange-Server "3800", "4800", "4810" und "6800" aus der "Sun-Fire"-Reihe würden bereits ausgeliefert, verkündet Pressesprecher Harald Gessner. Allerdings räumt Schröder indirekt Verzögerungen ein. So müssten nur Kunden, die vor dem März 2001 eine Workstation "Sun Blade 1000" gekauft hätten, den Patch installieren, um den Ultrasparc-III-Bug zu beheben. Wie viele Maschinen in Deutschland von dem Fehler betroffen sind, vermag der Produkt-Manager aber nicht zu sagen.

Bei allen ab März ausgelieferten Systemen sei der Patch standardmäßig im Betriebssystem "Solaris 8" integriert. Damit gibt der Sun-Mann allerdings zu, dass der zeitgleich mit der Sun Blade 1000 angekündigte Einstiegs-Server "Sun Fire 280R" erst seit März ausgeliefert wird. Fehlerfreie Ultrasparc-III-Prozessoren werden laut Schröder mit dem nächsten CPU-Release ab August dieses Jahres auf den Markt kommen.

Als Hauptgrund für die Lieferschwierigkeiten der McNealy-Company nennt der unabhängige Berater Henrik Klagges das "Fabless"-Modell bei der Chipfertigung. In den letzten Jahren haben verschiedene Hersteller wie zum Beispiel Fujitsu oder Texas Instruments die Ultrasparc-CPUs produziert. Sun selbst hat keinen Einfluss auf die Fertigung. "Die Lieferanten gehen jedoch nicht unter, wenn sie mal keine Ultrasparc-Prozessoren bauen", spekuliert Klagges.

"Das Fabless-Modell ist gescheitert", resümiert der Berater. IBM beispielsweise kontrolliert den gesamten Prozess der Chipherstellung, von der Grundlagenforschung bis zur Fertigung. Hier haben die Verantwortlichen alles in der Hand. Auch bei den Alpha-Prozessoren von Digital hat dieses Prinzip gut funktioniert. Probleme habe es erst gegeben, als sich die Herstellung wegen der geringen Stückzahlen nicht mehr lohnte und ausgelagert werden musste. Prompt verspätete sich auch die jüngste Alpha-Variante um mehr als ein Jahr.

Mit seiner Leistung kann der Ultrasparc III überzeugenMit seiner Leistung müsse sich der neue Ultrasparc-III-Chip jedoch nicht verstecken, erklärt Klagges mit Blick auf die ersten Benchmark-Ergebnisse. Angesichts der überholungsbedürftigen Sparc-Architektur sei der Prozessor besser gelungen als erwartet. Es sei schwierig und teuer, aus einer 32-Register-Struktur ein Leistungsplus herauszukitzeln. Viele Maschinen arbeiten heute bereits mit 128 Registern.

Trotz aller Probleme setzen viele Anwender nach wie vor auf die Sun-Maschinen. So plant beispielsweise Christian Bischof, Leiter des Rechenzentrums der Technischen Universität Aachen, ein Cluster aus 32 Ultrasparc-III-Servern (siehe CW 14/01, Seite 8). Von dem Bug wusste Bischof bis kurz vor Ostern allerdings noch nichts. Der RZ-Chef geht jedoch davon aus, dass es Sun gelingen wird, den Fehler schnell zu beseitigen. Außerdem würden im Zuge eines Upgrade-Plans bis zum Oktober 2002 alle fehlerhaften 750-Megahertz-Chips gegen neue, auf 1,5 Gigahertz getaktete Ultrasparc-III-Prozessoren ausgetauscht. Für die Kalifornier sprach der technische Support, erklärt Bischof. So seien die Spezialisten bei Sun flexibler verfügbar gewesen als bei anderen Anbietern.

Wegen möglicher Lieferprobleme macht sich Bischof keine Sorgen. Andere Hersteller wie zum Beispiel Intel mit dem "Itanium-Prozessor" hätten mehr Schwierigkeiten. Zwar garantiere Sun nicht, dass der Zeitplan eingehalten wird. "Wenn Sun aber nicht liefert, kriegt es auch kein Geld", bilanziert der Chef des Rechenzentrums nüchtern. Dann hätte Sun ein größeres Problem als die Universität.