Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

15.03.2002 - 

.NET und Windows sollen entkoppelt werden

Sun-Klage lässt Microsoft nicht zur Ruhe kommen

MÜNCHEN (CW) - In einer privaten Kartellklage verlangt Sun Microsystems von Microsoft mehr als eine Milliarde Dollar Schadenersatz. Weitere Forderungen: Internet Explorer und Windows XP sollen künftig Java enthalten, Schnittstellen zwischen Windows-Betriebssystemen und Microsoft-Anwendungen offen gelegt werden.

Suns Klage basiert auf dem großen Kartellverfahren, in dem derzeit noch neun US-Bundesstaaten in erster Linie gegen die unrechtmäßige Kopplung von Windows-Betriebssystem und Internet-Browser vorgehen. Im Rahmen dieses Verfahrens war Microsoft in erster und zweiter Instanz der Monopolbildung für schuldig befunden worden - auch wegen der widerrechtlichen Behandlung des Wettbewerbers Sun und seiner Java-Plattform.

Suns Angriff zielt auf Microsofts Geschäftsgebaren im Highend abMit der Privatklage will Sun nun auch Microsofts "monopolistisches" Geschäftsgebaren im Server-Marktsegment unterbinden. Der Kläger kritisiert insbesondere die enge Kopplung der Windows-Betriebssysteme mit dem .NET-Framework. Grundsätzlich wolle Microsoft den Zugang der Web-Surfer zum Netz kontrollieren und seine Produkte zu unersetzlichen Bestandteilen des weltweiten Internet ausbauen. "Das wäre eine Tragödie für die Konsumenten und die Industrie insgesamt", sagte Suns Chefjustiziar Michael Morris.

Der Softwareriese habe zunächst versucht, den Durchbruch von Java durch die Veröffentlichung diverser inkompatibler Implementierungen zu verhindern. Anschließend habe das Unternehmen die Marktdurchdringung dadurch hintertrieben, dass Windows XP ganz ohne Java ausgeliefert worden sei.

Im Detail erhebt Sun folgende Anschuldigungen gegen Microsoft, die zum Teil mit den Vorwürfen im großen Kartellprozess übereinstimmen:

- Der Softwarekonzern unterhält illegale Monopole im Bereich Intel-kompatibler PC-Betriebssysteme, Web-Browser und Office-Bürosuiten (Verstoß gegen Paragraph 1 des US-Kartellgesetzes "Sherman Act");

- Microsoft versucht, sich auch im Markt für Workgroup-Server ein Monopol zu verschaffen (Verstoß gegen Paragraph 2 des Sherman Act);

- das Unternehmen hat illegal Web-Browser und Windows-Betriebssystem, Desktop- und Server-Windows, Web-Server und Server-Windows sowie das .NET Framework und seine Betriebssysteme miteinander gekoppelt (weitere Verstöße gegen Paragraph 1 Sherman Act);

- Microsoft hat unabhängige Softwarefirmen sowie Apple und Intel genötigt, auf die Entwicklung und den Vertrieb von Java-Implementierungen zu verzichten, die inkompatibel zur Microsoft-Technologie sind (ebenfalls Verstöße gegen Paragraph 1 Sherman Act).

Schließlich habe Microsoft auch gegen verschiedene Gesetze des Staates Kalifornien zum Urheberschutz, Handel und Wettbewerb verstoßen. Microsoft-Sprecher Jim Desler erklärte dazu, es gebe "keinerlei juristische oder faktische Basis" für die Klage. Viele der erhobenen Vorwürfe bezögen sich auf einen längst abgeschlossenen Rechtsstreit beider Unternehmen (um die Lizenzierung von Java, Anm. d. Red.), und es sei an der Zeit, "diese vergangenen Angelegenheiten ruhen zu lassen". Millionen von Windows-Nutzern verwendeten tagtäglich die leicht zugängliche Java-Technik, so Desler. Falls es dennoch an Akzeptanz seitens der Verbraucher mangele, dann durch Suns eigene Fehler und nicht durch Handlungen von Microsoft.

Abgesehen vom Schadenersatz fordert Sun auch eine einstweilige Verfügung, die Microsoft dazu zwingen soll, Windows XP zusammen mit dem von Sun entwickelten Java-Plugin auszuliefern, statt wie bisher seine eigene (veraltete) virtuelle Maschine als separaten Download anzubieten. Einen Termin dafür habe man für April beantragt. Morris erklärte, eine Entscheidung in dieser Sache könnte sich aber bis zu einem Jahr lang hinziehen.

Des Weiteren fordert Sun eine allgemeine Verfügung dahingehend, dass Microsoft eine Vielzahl proprietärer Schnittstellen, Protokolle und Formate offen legt und lizenziert sowie seinen Browser "Internet Explorer", seinen Web-Server "Internet Information Server" (IIS) und seine Web-Services-Architektur ".NET Framework" von seinen Betriebssystemplattformen entkoppelt. Eine Entscheidung in diesem Bereich dürfte gegebenenfalls Jahre dauern. Das Bundling von .NET mit Windows bei gleichzeitiger Weigerung, Java im Betriebssystem zu unterstützen, bezeichnete Morris als "Grund echter Sorge für uns".

Ein langwieriger Rechtsstreit scheint unvermeidlich"Das .NET Framework ist dafür entworfen, die Funktionen von Java nachzuahmen. Das Framework ist aber nicht bloß kopiert, sondern viele seine Komponenten sind von der Technik anderer Anbieter abgeleitet. In Kombination mit dem Wegfall der Unterstützung für die Java Virtual Machine auf dem Desktop stellt dies einen signifikanten Wettbewerbsverstoß dar", erklärte Suns Justiziar. Analysten rechnen nun mit ei-nem langwierigen Rechtsstreit. "Wir haben zwar private Kartellklagen erwartet, aber wenn man so etwas lostritt, dann ist das wie Krieg", erklärte beispielsweise Mike Gilpin von der Giga Information Group. "Wenn die Betroffenen am Ende zurückblicken, bedauern sie nicht selten ihr Vorgehen."

Negative Auswirkungen auf den Java-Markt erwartet der Experte indes nicht, da Unternehmen wie Bea, IBM oder Oracle sowie Hunderte anderer Anbieter die Java-Plattform unterstützten. Andere Beobachter äußerten sich skeptischer. "Diese Verfahren dauern ewig. Warum lassen Sie das nicht den Markt regeln? Sie sehen das Geld doch sowieso nie", fragt etwa Bear-Stearns-Analyst Andrew Neff. "Die Verhandlungen werden nicht ewig dauern, und unser Geld bekommen wir", erwiderte Morris zuversichtlich.

Dass Sun an einer eigenen Kartellklage gegen Microsoft arbeitete, war seit Wochen bekannt. Mit dem Ergebnis hat sich nun das US-Bezirksgericht im kalifornischen San Jose zu beschäftigen. Bereits vor sechs Wochen hatte AOL Time Warner ebenfalls Klage gegen Microsoft eingereicht. Der Softwareriese habe in den Zeiten des "Browser-Kriegs" Ende der 90er Jahre seinen "Internet Explorer" mit Windows gebundelt und auch separat verschenkt. Dadurch seien der AOL-Tochter Netscape direkt und indirekt - etwa im Geschäft mit Internet-Server-Software - enorme Schäden entstanden. (tc)