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11.10.2002 - 

Schlechte Hardwarezahlen erzwingen Suche nach Softwareeinnahmen

Sun macht Solaris doch Intel-kompatibel

MÜNCHEN (CW) - Nur neun Monate, nachdem Sun das Ende für Solaris auf x86-kompatiblen Plattformen verkündet hat, ändert der Server-Spezialist seine Strategie. Die für Anfang nächstes Jahr zur Freigabe geplante Version 9 des Betriebssystems soll nun doch auch für Intel-Rechner verkauft werden.

Sun Microsystems hat seine Pläne offen gelegt, die kürzlich präsentierte Version 9 seines Unix-Derivats Solaris künftig auch für x86-kompatible Systemplattformen anzubieten. Erste Downloads einer vorläufigen Testversion des Betriebssystems will der kalifornische Server-Spezialist ab November dieses Jahres für etwa 20 bis 30 Dollar anbieten. Zur Jahreswende soll das endgültige Release für Einzelprozessor-Systeme für 99 Dollar zu haben sein.

Die Sun-Verantwortlichen planen, die Unterstützung für das x86-Solaris weiter auszubauen. So soll durch Tests die Liste der mit dem Betriebssystem kompatiblen Hardware erweitert werden. Statt selbst viel in diese Tests zu investieren, will Sun die Nutzer in den Zertifizierungsprozess einbeziehen. Als Open-Source-Lizenzen sollen Testumgebungen zur Verfügung gestellt werden, mit denen die Anwender die Hardware selbst testen und für die Nutzung unter x86-Solaris zertifizieren können. Auch die Entwicklung von Treibersoftware will Sun mit entsprechenden Tools weitgehend an die Nutzergemeinde auslagern.

Trotz dieser Zurückhaltung versichern Produkt-Manager, das x86-Solaris werde gleichberechtigt neben der Sparc-Version des Betriebssystems stehen. Sun will den Nutzern außerdem im Rahmen seines Sun-ONE-Softwareprogramms Leistungen wie Telefon- und E-Mail-Support sowie Updates anbieten.

Mit dieser Kehrtwende verabschiedet sich Sun von seiner im Januar dieses Jahres angekündigten Strategie, die künftigen Solaris-Versionen nur noch für die Sparc-Plattform anzubieten. "Wir haben diese Entscheidung aus wirtschaftlichen Gründen getroffen", erklärte damals Graham Lovell, Marketing-Leiter für die Solaris-Sparte bei Sun. Das Unternehmen müsse sich auf sein Kerngeschäft konzentrieren.

Die damalige Entscheidung stieß bei Marktbeobachtern wie Anwendern gleichermaßen auf Kritik. Sun verbaue sich damit alle Möglichkeiten, Intel-Anwender von der eigenen Sparc-Solaris-Architektur zu überzeugen. Zwar ließen sich mit dem x86-Solaris kurzfristig keine Umsätze erwirtschaften, auf lange Sicht habe der Hersteller allerdings mit dieser Initiative Kunden für seine Hardware gewinnen können, so die Einschätzung von Experten.

Die Nutzer von x86-Solaris äußerten zwar Verständnis für die wirtschaftlichen Beweggründe des Herstellers, zeigten sich aber auch verärgert und enttäuscht. Viele beabsichtigten, nach der vor neun Monaten getroffenen Entscheidung gegen x86-Solaris auf Linux umzusteigen. Aufgrund der anhaltenden Proteste willigten die Sun-Verantwortlichen schließlich ein, mit Vertretern der Anwendergruppen zu verhandeln.

Sun-Manager Lovell erklärte die Rücknahme der Entscheidung damit, dass die Nutzer geholfen hätten, ein tragfähiges Lizenz- und Geschäftsmodell für das Betriebssystem zu entwickeln. Er rechne damit, weitere Einnahmen mit zusätzlichen Produkten wie zum Beispiel Portalsoftware zu erzielen. Jährlich könnten seiner Schätzung nach zwischen 20000 und 50000 Kopien von Solaris für x86-Rechner verkauft werden.

Neue Einnahmequellen könnte Sun gut gebrauchen. Zwar entdeckten die Buchhalter für das am 30. Juni abgelaufene vierte Quartal des Geschäftsjahres 2001/02 zusätzliche Einkünfte in Höhe von 68 Millionen Dollar, die weiteren Geschäftsaussichten sehen jedoch eher trübe aus. Einsparungen durch niedrigere Ausgaben für Umsatzprämien (42 Millionen Dollar) und Urlaubsgelder (19 Millionen Dollar) sowie eine Falschbuchung bei einer internen Lieferung (sieben Millionen Dollar) sorgten für den unverhofften Geldsegen im abgelaufenen Geschäftsjahr. Nach Abzug von Steuern stieg der Quartalsgewinn von 20 auf 61 Millionen Dollar.

Für das laufende Geschäftsjahr 2002/03 warnte der Server-Spezialist, eventuell eine Wertberichtigung von 2,2 Milliarden Dollar vornehmen zu müssen. Dies werde notwendig, sollte sich die Marktkapitalisierung des Unternehmens nicht deutlich erhöhen. Die Finanz-Manager setzen die Messlatte dabei auf 29,1 Milliarden Dollar, den Wert der Firma im April 2002. Um dies zu erreichen, müsste die Aktie für etwa neun Dollar gehandelt werden. Aktuell beläuft sich der Börsenwert auf rund 8,4 Milliarden Dollar. Das Sun-Papier notiert mittlerweile deutlich unter drei Dollar.

Angesichts dieser Zahlen und der drohenden Verluste für das erste Quartal des laufenden Geschäftsjahres schließen Branchenbeobachter weitere Entlassungen nicht mehr aus. Finanzchef Stephen McGowan, der am 17. Oktober den Quartalsbericht vorstellen wird, warnte bereits davor, dass sich die schleppende Nachfrage weiter verringern könnte. Dann müsste Sun reagieren. Doch während der Finanzchef nur von rund 1000 Jobs spricht, die in Frage stünden, gehen Insider von bis 4500 potenziellen Stellenstreichungen aus. (ba)