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23.04.2004 - 

Manager Mark Tolliver und Neal Knox müssen gehen

Sun meldet erhebliche Verluste

MÜNCHEN (CW) - Sun hat für sein drittes Fiskalquartal 760 Millionen Dollar Verlust ausgewiesen. Das Management wird offenbar umgebaut, um unter Ägide von Jonathan Schwartz auch Hardware über Jahresabonnements zu vermarkten.

Sun hat Ende vergangener Woche die nach der Warnung von Anfang des Monats erwartet desolaten Zahlen für sein drittes Fiskalquartal vorgelegt. Das Unternehmen weist einen Nettoverlust von 760 Millionen Dollar oder 23 Cent pro Aktie aus im Vergleich zu einem Gewinn von vier Millionen Dollar oder Breakeven je Anteilschein im Vorjahreszeitraum.

Suns Quartalsumsatz ging im Jahresvergleich von 2,79 Milliarden Dollar auf 2,65 Milliarden Dollar zurück - das zwölfte Quartal in Folge, in dem der Umsatz unter dem Vergleichswert des Vorjahres lag. "Suns Geschäft läuft fundamental schlechter als früher", warnt Sanford-Bernstein-Analyst Tony Sacconaghi. Der Experte geht davon aus, dass ohne begünstigende Währungseffekte Suns Umsatz um zehn Prozent gesunken wäre - anders als bei etwa IBM oder EMC, die mehr erlösten als vor Jahresfrist.

Sun-Chef Scott McNealy bemühte sich um Schadensbegrenzung und warb, seine Firma habe "mehr Momentum, als die Zahlen aussagen". So kämen im laufenden Quartal neue Produkte auf den Markt. Überdies habe Sun die Überweisung von Microsoft, die als Gegenleistung für die Einigung in allen Karetellrechts- und Patentstreitigkeiten fällig geworden war, erhalten. Sun werde weiterhin aggressiv seine Kosten senken, kündigte McNealy weiter an. Die Entlassung von 3300 Mitarbeitern oder neun Prozent der Belegschaft hatte Sun bereits Anfang des Monats bekannt gegeben.

Trennung von Kistenschiebern

Sun meldete überdies wichtige Personalien: Mit Mark Tolliver, Chief Marketing and Strategy Officer, und Neil Knox, Executive Vice President mit Verantwortung für die Volumenprodukte (sprich x86-Server), verlassen zwei prominente Manager das Unternehmen. Außerdem wurden die Bereiche für Prozessoren und Ultrasparc-basierende Server zur neuen Throughput Systems Group zusammengelegt. Diese Sparte leitet künftig der bisherige Prozessorchef David Yen. Neu etabliert wurde zudem der Bereich Network Systems, der sich unter der Interimsleitung des früheren Software-CTO John Fowler um die x86-Server mit Prozessoren von Intel und AMD kümmert.

Nachfolger des früheren iPlanet-President Tolliver als Marketing- und Strategiechef wird Anil Gadre, zuvor Vice President of Software Marketing. Neuer Vice President of Corporate Development ist Brian Sutphin. Alle neu ernannten Manager berichten an den früheren Softwarechef und jetzigen Chief Operating Officer Jonathan Schwartz.

Es hat den Anschein, als versuche Sun nach der Inthronisierung von Schwartz, bisher "kistenfokussierte" Manager loszuwerden und mit neuen Köpfen auch im Hardwarebereich eine auf Jahreszahlungen basierende Vertriebsstrategie umzusetzen. Seit Februar beispielsweise können Kunden den PC-Server "VM20z" mit Solaris 9, Java Studio Enterprise und Sun Studio für 1499 Dollar per annum mieten; regulär kostet die Maschine knapp 2800 Dollar. "Betrachten Sie das doch einfach als Vorankündigung eines aus unserer Sicht interessanten Modells, bei dem wir die Hardware kostenlos abgeben", orakelte Schwartz. (tc)