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07.02.2005

Sun reagiert auf Kritik der Open-Source-Gemeinde

Die Lizenz CDDL und die freie Verwendungpatentierter Software brauchen Erläuterungen.

Seine "Common Development and Distribution License" (CDDL) will Sun um einen erläuternden Zusatzartikel ("bill of rights") erweitern. Dieser soll in allgemein verständlicher Weise darlegen, wie Programmierer CDDL-lizenzierte Software nutzen dürfen und inwieweit ihnen bei der Weiterentwicklung von Sun-Programmen Rechtsschutz geboten wird. Unter der CDDL stehen die meisten Bestandteile der Open-Source-Variante des Betriebssystems Solaris. Außerdem dürften die fast 1700 Patente, die Sun zumindest einem Teil der Community zur angeblich freien Verwendung überlassen will, mit dieser Lizenz verbunden sein.

Zuvor hatten zahlreiche bekannte Vertreter der Open-Source-Szene schwere Bedenken gegen die CDDL geäußert. Die Kritik entzündete sich insbesondere an der Juristensprache der Lizenz, die eher vernebelnd als klärend wirke. Daraufhin war Sun vorgeworfen worden, die Open-Source-Gemeinde ausschließen zu wollen und sich Hintertürchen für Klagen gegen Entwickler offen zu halten.

Vorsicht ist geboten

Der Rechtsexperte Dan Ravisher, Vorsitzender der Public Patent Foundation, hatte in einem offenen Brief an Sun-Chef Scott McNealy Erklärungen zu dem vermeintlichen Patentgeschenk und der CDDL gefordert. Unter anderem hatte er gefragt, ob sich Sun Klagen wegen Patentrechtsverletzungen vorbehalte. Auch die auf Open-Source-Rechtsfragen spezialisierte Website Groklaw wies auf Unklarheiten und widersprüchliche Aussagen leitender Sun-Manager im Zusammenhang mit der CDDL und dem "Patentgeschenk" hin. Groklaw empfiehlt den Open-Source-Entwicklern eine äußert vorsichtige Herangehensweise an Sun-Offerten.

Es ist fraglich, ob Sun-Patente auch für Open-Source-Projekte genutzt werden dürfen, die nicht unter der CDDL stehen, beispielsweise für Linux. Erklärungen von McNealy und Sun-President Jonathan Schwartz lassen sich nur so interpretieren, als seien die Patente lediglich für die Entwicklung von Open Solaris offen. Es gibt die Befürchtung, Open-Source-Entwickler aus anderen Projekten könnten sich der Gefahr künftiger Klagen schon dadurch aussetzen, dass sie sich Sun-Quellcode nur anschauen. Unbekannt ist auch, welche Folgen sich aus Suns Übereinkunft mit Microsoft ergeben könnten. Wo beginnen Rechte, die den Redmonder Riesen auf den Plan rufen könnten?

In der Open-Source-Szene herrschen Bedenken vor. Doch selbst der für seine unbeugsame Haltung bekannte Free-Software-Vordenker Richard Stallman äußert sich ungewöhnlich zurückhaltend. Er legt Sun nahe, dem Beispiel der IBM zu folgen, die 500 Patente uneingeschränkt für alle Open-Source-Projekte freigegeben hat: "Vielleicht wird Sun den Worten Taten folgen lassen und wie IBM einen wirklichen Schritt tun." (ls)