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09.07.2004 - 

Highlights auf der Javaone 2004

Sun senkt Einstiegshürden für Java

MÜNCHEN (ue) - Rund zehn Millionen Programmierer will Sun von Java überzeugen. Dazu beitragen sollen eine neue grafische Entwicklungsumgebung sowie die mit Java 2 Standard Edition 5.0 kommenden Arbeitserleichterungen in den Highend-Werkzeugen. Begleitet wurden die Produktankündigungen der diesjährigen Kongressmesse "Javaone" von einer für Sun unangenehmen Debatte um ein Open-Source-Java.

Im Java-Lager rumort es. Zwar erfreut sich die plattformunabhängige Programmiertechnik nach wie vor wachsenden Zuspruchs in Anwenderunternehmen und Softwareindustrie, doch die Innovationen rund um die Sprache setzen sich nach Meinung einiger Hersteller viel zu langsam durch. "Sun verliert allmählich die Kontrolle über den Java-Verbund", gibt Anne Thomas Manes, Analystin der Burton Group und ehemalige Sun-Managerin, zu bedenken. Die Zeichen seien klar erkennbar: Das Unternehmen könne nicht länger die exklusive Aufsicht über Java behalten und sollte die Technik an das Open-Source-Lager übergeben.

IBM hatte sich schon zu Beginn dieses Jahres in einem offenen Brief an Sun für eine Open-Source-Version von Java ausgesprochen. Auf der Javaone vergangene Woche in San Francisco wiederholte der Konzern seine Forderung. Dort beklagte Rod Smith, IBMs Vice President für neue Technologien, dass sich Innovationen rund um Java immer schleppender durchsetzten. Es vergehe zu viel Zeit, bis neue Programmiermodelle etwa für serviceorientierte Architekturen in der Plattform abgebildet würden. Dass es auch anders gehe, zeige die zeitgleich zur Javaone veröffentlichte Version 1.0 von "Mono", eine Open-Source-Implementierung von Microsofts .NET-Framework für Unix und Linux. Laut Smith geht es darum, die aus der Open-Source- und Java-Community kommenden technischen Vorschläge möglichst schnell umzusetzen. Insofern sei zum Beispiel viel erreicht, wenn Sun seine "Java Test Compatibility Kits" (TCKs) öffnen würde. Diese werden im "Java Community Process" verwendet, um den Einklang von Java-Software mit den Sun-Spezifikationen zu testen. Doch auch die Testwerkzeuge müssen angepasst und Fehler darin behoben werden. Ein Problem, das sich in der Gemeinschaft viel schneller lösen ließe. Rückendeckung für seine Forderungen erhielt IBM auf der Javaone von Bea Systems, dessen Chief Technology Officer Scott Dietzen sich gemeinsam mit Smith auch für eine Open-Source-Version der Java 2 Standard Edition (J2SE) stark machte.

Auf kurze Sicht will Sun jedoch nichts von solchen radikalen Schritten wissen. Es sei zunächst zu klären, wer die vom Markt geforderte Kompatibilität der Java-Produkte bei einer Öffnung der Technik gewährleisten soll, so das immer gleiche Gegenargument von Sun-Chef Scott McNealy und seinem CTO, Java-Erfinder James Gosling.

Angesichts der von der Community aufgedrängten Open-Source-Debatte hatten die Unternehmenslenker Mühe, das Augenmerk der Öffentlichkeit auf die technischen Neuerungen der Javaone zu fokussieren. Zum Auftakt der Ankündigungen gehörte die Freigabe von "Java Studio Creator", einer 99 Dollar teuren grafischen Entwicklungsumgebung inklusive Debugging- und Deployment-Werkzeugen. Die bislang als "Project Rave" bezeichnete Suite soll auch weniger versierten Entwicklern die Möglichkeit bieten, durch vereinfachtes Java-Coding Geschäftsanwendungen schnell zu erstellen. Applikations-Features lassen sich teilweise per Drag and Drop aus vorgefertigten Komponenten zusammenstellen und mit den benötigten Datenquellen etwa über SQL-Abfragen verknüpfen. Außerdem unterstützt der Studio Creator Suns jüngste Technik der Java Server Faces, die Bibliotheken für Oberflächenelemente anbietet. Dies erleichtert vor allem die Darstellung der von Java Server Pages dynamisch generierten Web-Inhalte.

Hoffnungsträger Studio Creator

Technisch setzt Studio Creator auf "Netbeans" auf, dem Open-Source-Pendant zu Suns kommerziell vertriebener Entwicklungsumgebung "Java Studio Standard". Erweitert um Plug-ins zur grafischen Entwicklung, enthält die Suite zudem die Platform Edition von Suns Applications-Server ("Java System Application Server 8") als Test- und Deployment-Plattform. Die mit Studio Creator entwickelten Web-Anwendungen lassen sich auch in Umgebungen einsetzen, die noch auf Version 1.3 der Java 2 Enterprise Edition basieren. Sie laufen laut Hersteller auf jedem Applikations-Server, der Java Server Pages 1.2 unterstützt.

Sun knüpft große Erwartungen an Studio Creator. Die einfache, mit Microsofts Visual Basic verglichene Bedienbarkeit der Werkzeuge soll wesentlich dazu beitragen, die Entwicklergemeinde von derzeit rund vier Millionen Programmierern auf etwa zehn Millionen zu vergrößern. Einen weiteren Meilenstein auf diesem Weg erwartet der Hersteller vom zweiten technischen Highlight der Javaone, dem als "Tiger" bezeichneten Update der Java 2 Standard Edition (J2SE). Release 5.0 der Spezifikation - Sun gibt seine 1.x-Versionierung auf - hat den Final-Draft-Status im Java Community Process erreicht (JSR 176). Suns Implementierung der Plattform, das Java Development Kit 5.0 (JDK), geht jetzt in den zweiten Betatest und soll Ende September verfügbar sein. Laut John Loiacono, dem neuen Softwarechef des Hauses, bescheinigen Benchmarks der JDK-5.0-Software eine um bis zu 50 Prozent gestiegene Performance.

Neben den Leistungszuwächsen bietet J2SE 5.0 aber auch einige Leckerbissen für Programmierer:

- Langer, sich oft wiederholender Code lässt sich in Form kurzer Ausdrücke darstellen, wodurch die Arbeit erheblich beschleunigt wird.

- "Generics" bieten mehr Typsicherheit. Über sie kann beispielsweise definiert werden, von welchem Typ die Inhalte einer Container-Klasse sein müssen. So entdeckt der Compiler Fehler schneller, Programme laufen stabiler.

- Mit "Enumerated Types" lässt sich einfacher als bisher festlegen, welche Instanzen es von einer Klasse geben kann.

- Die neu eingeführten "Metadaten" erlauben eine Beschreibung oder Zusatzinformationen etwa für Methoden und deren Verwendung.

- Mit "Autoboxing" entschärft Sun den für Programmierer lästigen Umstand, zwischen primitiven Datentypen und deren Wrapper-Klassen unterscheiden zu müssen, da Java nicht rein objektorientiert ist.

Schließlich betont Sun noch die fortgeschrittenen Monitoring- und Management-Fähigkeiten von J2SE 5.0. Über eine entsprechende Programmier-Schnittstelle können Tools angekoppelt werden, mit denen sich zum Beispiel der Zustand einer Java Virtual Machine remote kontrollieren lässt. Ebenso ist es möglich, über dieses API Selbstverwaltungsfunktionen direkt in Applikationen einzubauen. Die jetzt eingeführte Unterstützung der Java Management Extensions (JMX) bietet einen standardisierten Weg, laufende Java-Programme im Nachhinein zu konfigurieren.

Javaone 2004: Was sonst noch geschah

Application Server:

Jboss erhält nun endlich für seinen gleichnamigen freien Java-Applikations-Server eine J2EE-Zertifizierung durch Sun. Finanzielle Unterstützung für den Java-Compatibility-Test bekam Jboss unter anderem von Intel, Borland und Hewlett-Packard. Außerdem gründet der Anbieter ein Forschungslabor (Jboss Labs), dessen erstes Projekt der Aufbau eines Rich-Client-Frameworks sein wird.

Automotive:

Chancen für Java sieht Sun insbesondere in Bereichen, die nicht von Microsoft dominiert werden. So etwa in der Automobilbranche. Auf der Konferenz präsentierte man zusammen mit Siemens VDO Automotive und BMW ein Fahrzeug, dessen mit Java-Programmen gesteuerter Computer unter anderem Navigationssystem, Klima- sowie Musikanlage kontrollierte.

Communications:

Nokia und Motorola arbeiten neben anderen Herstellern an einem Java-Standard zur Verwaltung von Geschäfts- und Consumer-Applikationen auf Mobiletelefonen und Smartphones. In die für Anfang nächsten Jahres erwarteten Spezifikationen fließen Techniken ein, die etwa zur Verteilung von Anwendungen und Software-Updates benötigt werden, zur remoten Problembehandlung sowie zur Einrichtung von Zugriffsregeln für Unternehmensanwender. Darüber hinaus soll es der Standard ermöglichen, dass Netzbetreiber mit Informationen über die eingesetzten Handys wie Hardwareprofile, installierte Software und Speicherauslastung versorgt werden.

Java Tools Community:

Tools-Spezialist Borland hat seine bislang eher reservierte Haltung gegenüber der Java Tools Community (JTC) aufgegeben und ist nun dem unter anderem von Sun, Bea, Oracle und SAP gegründeten Industriekonsortium beigetreten. Bislang kritisierte Borland vor allem das Vorgehen der JTC, sich mit dem Java Community Process abzustimmen.

Peripherie:

Canon hat bekannt gegeben, dass sein "Color Image Runner C3220" der erste Farbdrucker ist, der "Meap" unterstützt. Meap bedeutet Multifunctional Embedded Application Platform und stellt eine vom Hersteller initiierte Basis dar, auf der Drittanbieter Java-Programme für das Dokumenten-Handling schreiben können. Diese Programme, für die es ein Entwicklungs-Kit zusammen mit Codebeispielen gibt, können direkt im Ausgabegerät oder auf einem speziellen Server laufen und lassen sich in Geschäftsapplikationen einbinden.

User Interface:

Sun kündigte auf der Javaone an, seine als "Project Looking Glass" bezeichnete dreidimensionale Benutzeroberfläche als Open Source freizugeben. Dazu gehört auch das dem 3D-Desktop zugrunde liegende "Java 3D", eine Sammlung von Routinen, die Programmierer zur Erstellung von grafischen Objekten oder zur Anwendung von Lichteffekten verwenden können. Hinter der Öffnung der Oberfläche und den entsprechenden Tools dürfte der Wunsch stecken, dass die im Zusammenhang mit Java-Devices oft beklagten kargen Benutzerschnittstellen ein ansprechenderes Design erhalten.